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Medien Luke Mockridge: „Ich folge nur meinem Instinkt“
Nachrichten Medien Luke Mockridge: „Ich folge nur meinem Instinkt“
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16:00 16.11.2017
Gerade war’s doch noch eine Gitarre: Luke Mockridge will sein Publikum bei Sat.1 mit den Neunzigerjahren rocken. Quelle: SAT.1
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Hannover

Luke Mockridge, 1989 in Bonn geboren, ist Komiker, Autor, Showmaster, Musiker. Er ist Sohn eines Schauspieler- und Kabarettistenpaars, besitzt die italienische und kanadische Staatsbürgerschaft. Ab Freitag setzt der 28-jährige einstige Star des KiKa den Neunzigerjahren in der Prime-Time-Show „Luke! Die 90er und ich“ ein Denkmal.

Herr Mockridge, Sie sind auf allen Kanälen präsent, machen das vierte Sat.1-Format mit „Luke“ im Titel, moderieren bei Netflix, sind als Comedian erfolgreich – läuft ganz gut grad oder?

Ich kann mich nicht beklagen.

Sind das alles Wunschprojekte oder bedienen Sie bloß den wachsenden Bedarf?

Sowohl als auch. Ich hab halt die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt kennen gelernt, um meinen Ideen freien Lauf lassen zu dürfen, aber auch Wünsche der Sender aufzugreifen. Das befruchtet sich gegenseitig. Zumal Sat.1 weniger vorsichtig ist als die Konkurrenz und Leute wie mich auch mal machen lässt …

So neu ist eine Sendung über die Neunzigerjahre mit Clips, Spielen, Talk ja nun auch nicht…

Aber ich mache es auf meine Art, als Mix aus klassischem Moderator und Entertainer. Das macht dann auch eine Flashback-Show über die Neunziger – was es in der Tat bereits gab – irgendwie unique.

Was qualifiziert einen 27-Jährigen, der damals noch ein Kind war, inhaltlich zur Moderation einer zeitlich so eng umrissenen Sendung?

Ein Lebensgefühl, das ich aufgesaugt habe, transportiert über Musik, Klamotten und Gadgets, aber eben nicht nur. Meine Generation ist als letzte vor Digitalisierung und islamischem Terror groß geworden. Wir hatten weniger Angst und für ein einziges Lied auf CD zehn Mark ausgegeben, statt es kostenlos im Netz zu ziehen. Verabredungen wurden an der Haustür abgesagt, nicht per Whatsapp. Ich bin also in einer verbindlichen, kreativen, unschuldigen Epoche aufgewachsen. Dieses Gefühl versuche ich zu vermitteln, und nicht bloß Produktwelten.

Sie sind also eher aus der Generation Golf als echter Millenial?

Da beginnen ungefähr an meinem Geburtstag die Grenzen zu verschwimmen. Zumal man als mittlerer von sechs Brüdern gleichermaßen nach vorne und nach hinten blickt. Diese doppelte Perspektive ist für „Luke! Die 90er und ich“ sehr wichtig.

Es ist die vierte „Luke!“-Show. Müssen Sie nicht aufpassen, keiner dieser „alles-weg-Moderatoren“ zu werden?

Ich bemühe mich, einen Markenkern zu bewahren. Und meiner Produktionsfirma Brainpool, die ja Leute wie Stefan Raab oder Bastian Pastewka hervorgebracht hat, ist eine gewisse Wertigkeit ebenfalls wichtiger als erfolgreiche Beliebigkeit. Das große Promi-Keksbacken würde ich daher eher nicht moderieren.

Sie beherrschen mehrere Instrumente, Sprachen, Sportarten und Kunstsparten. Können Sie alles ein wenig, vieles ganz gut oder nichts so richtig?

Es fing schon in der Schule an, ohne etwas wirklich gut, aber vieles ziemlich okay zu können, gut durchs Leben zu kommen. Das hat mich auch als Moderator geprägt. Wer mit sich im Reinen ist, kann auch bei völliger Ahnungslosigkeit souverän sein. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern Transparenz. Nehmen Sie Helene Fischer. Die kann alles, was sie auf der Bühne macht, richtig gut, wirkt dabei für meinen Geschmack aber fast zu makellos. Wer wie ich nur ein bisschen Klavier spielt, bisschen mutig ist, bisschen lustig und offen mit Fehlern umgeht, ist weniger perfekt, aber menschlicher. Das Publikum merkt, wie wohl ich mich damit fühle.

Gibt es bei all den halben Sachen dennoch etwas, das Sie richtig gut beherrschen?

Ich fühle mich einfach gut, wenn ich vor Leuten auf der Bühne stehe. Während ich im echten Leben eher schüchtern, reserviert, fast introvertiert bin, war ich da oben immer extrovertiert und nie nervös. Ich bin vor Publikum so, wie ich privat manchmal gern wäre.

Wurde Ihnen das als Spross einer Entertainer-Familie in die Wiege gelegt?

Vermutlich schon. Man kann im Jahr 2017, wo wir jetzt auch offiziell drei Geschlechter haben, alles lernen und machen, sofern man Bock drauf hat. Weil ich mir meinen Platz im Mittelfeld einer Großfamilie oft mit Humor als Waffe erkämpfen musste, ist alles, was ich heute bin, aber auch ein bisschen logische Konsequenz meiner Kindheit.

War Ihr Kommunikationsstudium ein Versuch, dem zu entgehen?

Kann man so sagen. Weil ich mir anfangs nicht zugetraut hatte, witzig genug für die Bühne zu sein, hab ich die Witze ja auch erstmal für andere wie meinen Vater geschrieben. Da kam mir zugute, dass ich Humor schon immer eher analysiert als konsumiert habe.

Analysieren Sie doch mal den Inhalt Ihres Solo-Programms „Lucky Luke“, in dem es viel um Frauen-Männer-Zeugs geht.

Ich folge nur meinem Instinkt, keinem Kalkül, also auch nicht bestimmten Mustern. Ich versuche authentische Themen zu beackern, die nah bei mir sind. Derzeit ist das der Versuch, mit einem kindlichen Wertesystem in einer Erwachsenenwelt klarzukommen. Bühnenjahre sind Menschenjahre: Am Anfang lag dort mein Kinderzimmer, jetzt bin ich in der Pubertät und versuche zu rebellieren. Aber auch, wenn ich bühnenbildlich gesprochen ausziehe, also womöglich politischer werde, bleibe ich immer bei mir selbst.

Von Jan Freitag/RND

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