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Netzwelt Cybermobbing: Das können Eltern für ihre Kinder tun
Nachrichten Medien Netzwelt Cybermobbing: Das können Eltern für ihre Kinder tun
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19:41 07.02.2017
Laut einer weltweiten Online-Studie wurde bereits jeder fünfte Jugendliche schon einmal Opfer von Cybermobbing. Quelle: klicksafe
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Berlin

Fiese Bilder auf Snapchat, miese Kommentare auf Instagram, gefälschte Profile auf Facebook oder demütigende Videos in WhatsApp: Cybermobbing tritt in vielen Formen auf. Fragen und Antworten dazu.

Was macht Cybermobbing so gefährlich?

Da ist zum einen die vervielfachende Wirkung des Netzes und zum anderen die Schwierigkeit des Löschens, wie Uwe Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing erklärt. Gemeine Inhalte verbreiten sich rasant und können quasi jederzeit und überall gespeichert, verändert und weitergeleitet werden. Ein weiteres Problem: Die Anonymität führt zu einer niedrigen Hemmschwelle. Auch sind sich viele Täter der Folgen ihres Handelns nicht bewusst, da sie diese nicht direkt mitbekommen. „Die Tränen sind nicht sichtbar. Dadurch fehlt der psychologische Reflex aufzuhören, wenn das Opfer am Boden liegt“, meint Leest.

Wie verbreitet ist das Mobbing im Netz?

So genau kann man das nicht sagen, denn die Zahlen variieren. Eine weltweite Online-Studie des Mobilfunkanbieters Vodafone und des Meinungsforschungsinstituts YouGov von 2015 ergab, dass jeder fünfte Jugendliche schon einmal Opfer von Cyberattacken wurde. Laut einer zweiten kürzlich verbreiteten Studie, hat jeder dritte 12- bis 19-Jährige bereits mitbekommen, dass im Bekanntenkreis jemand im Netz oder per Handy fertig gemacht wurde. Acht Prozent gaben dabei an, bereits selbst Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein, Mädchen etwas häufiger (9 Prozent) als Jungen (7 Prozent). Das geht aus der JIM-Studie 2016 („Jugend, Information, (Multi-)Media“) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest hervor.

Welche Auswirkungen kann Cybermobbing auf Jugendliche haben?

„Wir wissen aus der Neurologie, dass die Schmerzzentren des Gehirns auf solche Ausgrenzung und Demütigung reagieren“, erklärt Joachim Bauer, Neurobiologe und Psychotherapeut von der Uniklinik Freiburg. Das wiederum mache sich entweder durch aggressives oder depressives Verhalten bemerkbar. „Das Selbstwertgefühl wird massiv getroffen, Betroffenen ziehen sich vor Scham zurück.“ Viele würden die Aggressionen aber auch an andere weiterleiten, „sie sind also Opfer und Täter zugleich“.

Problematisch sei, dass Jugendliche soziale Medien als Bühne zur Selbstdarstellung nutzten, um sich ihrer positiven Wirkung zu versichern. „Wenn diese dann zur Plattform der Diffamierung wird, bricht in den Leuten etwas zusammen.“ Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern die Chancen und Risiken solcher Portale besprechen, rät der Experte. Auch empfiehlt er, im Netz nicht allzu viel von sich preiszugeben.

Was ist mit Bystanders?

Diese Gruppe hat eine bedeutende Rolle. Denn wenn erste Attacken dort Resonanz finden, können sie sich zum echten Mobbing oder Cybermobbing entwickeln. „Entweder sind es Claqueure, die beispielsweise in Chats Beifall geben oder es sind Verteidiger, die sagen: Es reicht“, sagt Franz Hilt vom Präventionsprogramm Konfliktkultur. „Man muss dem Täter das Publikum nehmen“, sagt Nina Pirk vom Hilfstelefon „Nummer gegen Kummer“. „Letztendlich sucht er Anerkennung und eine Bühne für seine Tat.“ Und: Das Opfer habe schnell das Gefühl, alleine zu sein. „Der leiseste Pieps kann da schon helfen“.

Sind nur Jugendliche betroffen?

Nein, Internetmobbing ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das längst nicht mehr nur Jugendliche trifft. „Sie glauben nicht, aus welchen Altersklassen die Leute bei uns anrufen“, sagt Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing. Professor Bauer zufolge kommt es etwa am Arbeitsplatz immer wieder zu Online-Attacken unter Kollegen. Mobbingopfer fielen häufig krankheitsbedingt aus. Somit ist Cybermobbing auch ein volkswirtschaftliches Problem.

Cybermobbing: So können Eltern ihren Kindern helfen

Wenn ihr Kind zum Opfer von Cybermobbing wird, sollten Eltern nicht vorschnell handeln. Bevor sie konkrete Schritte unternehmen und zum Beispiel mit Lehrern oder Eltern sprechen, sollten sie das Kind einbeziehen und gemeinsam über Lösungen sprechen. Anderenfalls fühlt sich das Kind überfahren oder sogar bloßgestellt. Denn wer im Netz gemobbt und gedemütigt wird, schämt sich oft dafür. Darauf weist die Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“ hin.

Ist ein Kind betroffen, sollten Eltern sensibel nachhaken, um die Zusammenhänge zu verstehen. Sofern Mitschüler beteiligt sind, ist es sinnvoll, das Thema in der Schule zu besprechen, zum Beispiel bei einem Elternabend. Denn oft werden Kinder auf dem Schulhof ebenso gemobbt wie im Netz.

Auf jeden Fall sollten Eltern Belege sammeln, indem sie Screenshots anfertigen und für den Fall, dass der Angreifer unklar ist, dessen Nickname notieren. Löschen die Täter die Inhalte nicht freiwillig, können Eltern dies vom Betreiber der Webseite, über die gemobbt wird, einfordern. Die Kontaktdaten finden sie über den Hilfebereich oder das Impressum. Bei schweren Verstößen können Eltern rechtliche Schritte einleiten und die Nutzer bei der Polizei anzeigen.

Wenn ihr Kind selbst mobbt, sollten Eltern versuchen, die Gründe zu ermitteln. Ursachen können sein, dass das Kind unzufrieden ist, Anerkennung sucht oder sich wehrt, da es selbst gemobbt wurde. Wichtig ist, dem Kind deutlich zu machen, wie sich das Mobbingopfer nun fühlt und welche Alternativen es in Streitsituationen gibt.

Formen des Cybermobbing

Cybermobbbing bezeichnet verschiedene Formen der Diffamierung, Beleidigung, Belästigung, Bloßstellung und Nötigung im Netz. Vor allem bei Jugendlichen werden Konflikte längst nicht mehr nur in analoger, sondern auch in digitaler Form ausgetragen. „Mobbing ohne das vorgestellte „Cyber“ gibt es praktisch nicht mehr“, erklärt Peter Widlok von der EU-Initiative klicksafe.de. Die Angriffe erfolgen etwa per Mail, über Messenger wie WhatsApp oder in sozialen Netzwerken wie Snapchat und Facebook. In Zusammenhang mit dem Internetmobbing haben sich mehrere Begriffe etabliert:

Cyberstalking: Der Begriff bezieht sich auf das Stalking im Netz, also die Belästigung, Verfolgung oder sonstige Behelligung einer Person, etwa des Ex-Partners.

Revenge Porn (engl. Racheporno): In manchen Beziehungen verschicken die Partner freizügige oder intime Fotos und Videos per Handy, das nennt man auch Sexting (Sex + texting (engl: simsen)). Nach der Trennung werden diese manchmal aus Eifersucht oder Wut öffentlich gemacht. In diversen Ländern und zahlreichen US-Bundesstaaten gibt es Gesetze dagegen, die Opfer schützen sollen.

Outing: Jeder hat Geheimnisse, die er nicht mit anderen teilen will. Gelegentlich werden sie böswillig im Netz veröffentlicht – „geoutet“.

„Happy Slapping“ (engl: fröhliches Schlagen): Dabei werden gewaltätige Übergriffe – vom spontanen Schlagen auf die Wange bis hin zur sexuellen Nötigung – per Kamera aufgezeichnet. Das Material wird dann ins Netz gestellt und das Opfer damit erneut gedemütigt.

Von RND/dpa

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