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Netzwelt Darum schreckt die Reality-Show der Bundeswehr ab
Nachrichten Medien Netzwelt Darum schreckt die Reality-Show der Bundeswehr ab
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16:05 01.11.2016
Still gestanden! Erster Antritt im Flur der Kaserne nach der Einkleidung. Quelle: Youtube/Bundeswehr
Parow

Still gestanden! Das gilt bei der Bundeswehr bereits ab Tag eins, dem Tag der Einkleidung der neuen Rekruten. Die Bundeswehr will mit ihrer Reality-Doku für die Grundausbildung bei der Bundeswehr werben, denn viele Stellen sind noch offen.

Offen bleibt allerdings auch die Frage, ob diese Kampagne wirklich zum Ziel führen wird. Nervöse, eingeschüchterte und unorganisierte Rekruten sind zwar für den Youtube-Zuschauer unterhaltsam – aber keine Werbung für die Bundeswehr. Die Reality-Doku wird vielleicht eine hohe Klickquote erreichen. Die Bewerberzahlen dürften aber gleichbleibend niedrig bleiben.

Jeder soll sich eigenes Bild machen können

Zwölf Rekruten werden begleitet. Vom Abschied vom Zuhause bis zum ersten Kulturschock. „Wenn nicht Folge geleistet wird, erster Kopf ab“, heißt es vom Befehlshaber, bevor es ans Einkleiden geht – welch angenehme Begrüßung. Einige Rekruten sind nervös: „Die Klamotten beschließen dann auch damit, dass ich zur Bundeswehr gehöre.“ Ein selbstsicherer Entschluss klingt anders.

Mit wackliger Kameraführung und blechernem Ton geht es durch die Regalreihen – hier soll alles nach Realität aussehen. Von der Socke bis zur Mütze, von der Decke bis zur Feldflasche – der gesamte Einkleidemarathon wird in der neusten Folge von „Die Rekruten“ gezeigt. Dazu gehört natürlich auch, die Tasche ordentlich zu packen, sie zum Sammelpunkt zu schleppen, um sie auf Befehl danach wieder auszukippen. Schikane? Nein, man wolle sehen, ob die Rekruten auch alles haben.

„Wir zeigen in unserer Serie authentisch, was unsere Rekruten erleben. Ungeschönt und nicht gestellt. So kann sich jeder ein eigenes Bild davon machen und am Ende entscheiden, ob das was für ihn ist – oder eben nicht“, kommentiert Johannes von „Die Rekruten“ einen Kommentar unter dem aktuellsten YouTube-Video.

Die Kommentare der Zuschauer gehen dabei weit auseinander. Wer sich gegen die Sendung stellt, übt in der Regel Generalkritik an der Bundeswehr. Die positiven Stimmen zur Reality-Doku freuen sich meist auf die nächste Folge – eine aufkommende Begeisterung für die Grundausbildung bei der Bundeswehr ist aber nicht erkennbar.

Eine Millionen Aufrufe binnen einer Woche

Die Bundeswehr hat die knapp acht Millionen Euro Ausgaben für die Realitiy-Dokumentation „Die Rekruten“ und eine damit verbundene Werbekampagne verteidigt. Der Youtube-Kanal verzeichne innerhalb von einer Woche mehr als eine Million Klicks, sagte der Kommunikationschef für die Arbeitgebermarke Bundeswehr, Dirk Feldhaus, in der Marinetechnikschule Parow. „Das zeigt uns, dass wir das Geld gut investiert haben.“

Die Bundeswehr wirbt mit der täglichen Dokumentation um junge Soldaten, indem sie die Ausbildung und das Leben von zwölf Rekruten der Marinetechnikschule abbildet. Vor allem bei der Marine seien mehrere hundert Stellen vom Elektroniker bis zum Techniker zu besetzen, sagte Feldhaus.

„Unser Skript ist der Ausbildungsplan“

Die Reality-Dokumentation und deren Kosten waren von Politikern der Grünen und Linken kritisiert worden. Die zwölfwöchige Serie, deren Produktion nach Angaben der Bundeswehr 1,7 Millionen Euro gekostet hat, wird begleitet durch Radiospots, eine Plakatkampagne, über Facebook, Instagram und Snapchat. Deren Kosten gibt das Verteidigungsministerium mit 6,2 Millionen Euro an.

Die Serie soll die Ausbildung der Rekruten mit allen Höhen und Tiefen abbilden. „Es gibt kein Skript, unser Skript ist der Ausbildungsplan. Das Skript sind die Rekruten selber“, sagte Feldhaus.

Von dpa/RND/fw

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