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Netzwelt EU-Kommission schafft Roaming-Gebühren doch ab
Nachrichten Medien Netzwelt EU-Kommission schafft Roaming-Gebühren doch ab
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16:14 21.09.2016
Auch im Urlaub können Nutzer bald uneingeschränkt ohne zusätzliche Gebühren telefonieren. Quelle: dpa
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Brüssel

Ab Juni 2017 werden Nutzer ohne Aufpreis im EU-Ausland telefonieren können. Das sieht ein neuer Vorschlag der EU-Kommission vor. Entgegen ihren ersten Plänen will sie dieses kostenlose Roaming auch nicht zeitlich begrenzen. „Wir wollen, dass Roaming auf Dienst- und Urlaubsreisen ohne zeitliche Begrenzung ohne Zuschläge möglich ist“, sagte der EU-Digitalkommissar Günther Oettinger am Mittwoch in Brüssel.

Allerdings will die EU-Kommission einen Missbrauch der neuen Roaming-Regeln verhindern. „Wir haben unterschiedliche Preise in Europa“, erklärte Oettinger. Es dürfe nicht dazu kommen, dass sich zum Beispiel jemand eine Sim-Karte in Lettland kaufe und die Karte nur in Irland benutze, wo die Preise sechseinhalb mal höher seien als in Lettland. „Das lettische Telekom-Unternehmen wäre dann nach wenigen Tagen pleite“, sagte Oettinger.

Bei Missbrauch droht ein Aufpreis

Deshalb will die EU-Kommission den Telekom-Konzernen das Recht einräumen, einzuschreiten, wenn ein Nutzer sich in seinem Heimatland aufhält – aber dennoch dauerhaft auf günstigere Roaming-Tarife aus dem Ausland zurückgreift. Die Anbieter sollen die Kunden darauf ansprechen und für sie einen Aufpreis einführen können.

„Wenn jemand nachhaltig mit einer Sim-Karte telefoniert, ohne jemals am Ort dieses Gebührenmarktes zu sein, dann bekommt die Telekom-Company das Recht, ihn abzumahnen, ihn anzuhören, was die Gründe dafür sind“, sagte Oettinger. Dienst- und Urlaubsreisen sollen aber unbegrenzt ohne Roaming-Zuschläge möglich sein.

Gebühren seit 2007 um 90 Prozent gefallen

Zunächst hatte die EU-Kommission das kostenlose Roaming im EU-Ausland auf 90 Tage im Jahr begrenzen wollen, um einen Missbrauch zu verhindern. Dieses Mindestkontingent decke praktisch jeden Bedarf von Reisenden – sie verbrächten in der Regel weitaus weniger Tage im EU-Ausland, hatte es geheißen. Trotzdem löste der Vorschlag öffentliche Proteste aus. Kritiker sahen dadurch das Versprechen der Kommission nicht erfüllt, gebührenfreies Roaming völlig abzuschaffen.

Von dieser 90-Tage-Regelung ist die EU-Kommission nun abgerückt. Sie schreibt in ihrem Vorschlag aber weiterhin: „Roaming ist für Reisende.“ Allerdings werde nicht „hinter jedem Smartphone ein Kontrolleur stehen“, sagte Oettinger. Der endgültige Vorschlag soll nun im Dezember angenommen werden. Zuvor sind Beratungen mit der europäischen Regulierungsbehörde BEREC, den EU-Staaten und weiteren Beteiligten wie Telekom-Unternehmen geplant. Die Kommission betonte zugleich, dass die EU-Roaming-Gebühren seit 2007 um mehr als 90 Prozent gefallen seien.

Von RND/dpa

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