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19:42 17.12.2017
Eine klassische Gruselgeschichte, wie Edgar Allan Poe sie schauerlicher nicht hätte schreiben können: Wir haben “Black Mirror“ angespielt.  Quelle: THQ Nordic
Leipzig

Das neue Adventure “Black Mirror“, entwickelt von der routinierten Bremer Spieleschmiede King Art, hat nichts mit der TV-Serie zu tun. Es erzählt eine astreine Schauergeschichte, wie Edgar Allan Poe persönlich sie schauerlicher nicht hätte schreiben können.

Der junge David Gordon ist bei seiner Mutter in Indien aufgewachsen. Doch als sein Vater unter mysteriösen Umständen stirbt, kehrt der Sohn und mögliche Erbe zum alten, verwunschenen Anwesen der Familie nach Schottland zurück.

Im Vordergrund steht die Atmosphäre: „Black Mirror“ mag nicht sonderlich originell sein, lässt Spieler aber in eine wunderbar altmodische Gruselgeschichte abtauchen. Quelle: THQ Nordic

Hier sind alle Menschen mindestens so seltsam wie Klaus Kinski in einem Edgar-Wallace-Film. Schwer wiegt die Stille, zugig und dunkel ist das Herrenhaus. Und anfangs ist es auch unübersichtlich. Die dramatischen Kameraperspektiven schaffen Stimmung, aber keinen Überblick.

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Auch, wenn es nicht so aussieht – “Black Mirror“ ist trotz Actionkamera ein klassisches Grafikadventure. Spieler müssen also einfache Rätsel lösen, Gespräche führen und sich umschauen, damit sich die Geschichte weiterbewegt.

David wird am besten per Gamepad und nicht mit der Maus gesteuert. Fortschritt macht er vor allem mit den Füßen; das aktuelle Ziel ist nicht immer klar, in den vollgeräumten Zimmern lassen sich nur wenige Dinge untersuchen und kombinieren. Der Abstieg in den Wahnsinn geht ruhig über die Bühne, nur gelegentlich lauert der Tod auf unvorsichtige Davids.

Eine der schönsten Ideen hat King Art vielleicht von dem Tablet-Hit “The Room“ abgeschaut. Wenn David mal wieder einen Schreibtisch untersucht, dann dürfen die Spieler das Möbelstück wirklich aus der Nähe und von allen Seiten abklopfen. Das fühlt sich nach echter Spurensuche an. In vielen anderen Adventures überwiegt dagegen der Eindruck, man schaue einem schlauen Helden dabei zu, wie er die wichtigsten Schlüsse selber zieht.

Düster und atmosphärisch: Im Grafikadventure „Black Mirror“ erkunden Spieler mit David Gordon ein verwunschenes schottisches Anwesen. 

Aber all diese Aktivitäten dienen eher als Zerstreuung, große Herausforderungen bieten sie nicht. Im Vordergrund steht die Atmosphäre, die ständige leise Anspannung: David tapst durch das Halbdunkel, leuchtet mit viel zu schwachen Lichtquellen immer neuen, immer schlimmeren Enthüllungen entgegen. Der schon anfangs kränklich wirkende Spross der Gordons steuert auf einen handfesten Nervenzusammenbruch zu, die bedrohliche Großmutter schaut immer verkniffener.

Wie soll das alles nur ausgehen? Natürlich: schrecklich, ganz schrecklich. Originell mag “Black Mirror“ nicht sein, für Genrefans ist es eine Unterforderung, für Ungeduldige zu umständlich erzählt. Aber an der altmodischen Gruselgeschichte können sich Spieler wunderbar wärmen.

Von Jan Bojaryn

Wertung und Infos

4 von 5 Punkten

Genre: Adventure

Erscheinungsdatum: 28. November 2017

Plattformen: PC (getestet), Playstation 4 und Xbox One

Preis: 30 bis 40 Euro (hier bei Amazon kaufen)

Jugendfreigabe: ab 12 Jahren

Entwickler: King Art

Publisher: THQ Nordic

Website: http://blackmirror-game.com/

Das sollten Eltern wissen

Gruselig mag “Black Mirror“ sein, aber der Schrecken bleibt im Wesentlichen versteckt im Halbdunkel. Gewaltexzesse finden nicht auf dem Bildschirm statt. Und während viele Spiele mit Gewalt sehr beiläufig umgehen, ist sie hier immer eine traumatische Grenzüberschreitung. Grundsätzlich dreht sich “Black Mirror“ natürlich fortwährend um einen echten Alptraumstoff: Um alte Flüche, Gespenster, tragische Tode und schleichenden Wahnsinn. Wenn die Kinder bereits Edgar Allen Poe oder gar H.P. Lovecraft lesen, dann sollten sie auch dieses Spiel aushalten.

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