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Netzwelt Ein düsterer Blick ins Berlin des Jahres 2048
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09:02 10.09.2018
Journalist Richard, der Protagonist von “State of Mind“, hat in einer dystopischen Zukunft mit Gedächtnislücken zu kämpfen. Quelle: Daedalic
Leipzig

“State of Mind“ rührt die großen Zukunftsthemen unserer Zeit zusammen und landet damit in einer nahen Zukunft, die alle Befürchtungen wahr macht.

Polizeiroboter prügeln auf obdachlose Menschen ein. Die Stadt wuchert in alle Richtungen. Der Himmel bleibt grau. Menschen flüchten sich in virtuelle Welten oder hoffen auf eine bessere Zukunft weit weg – auf dem Mars.

In dieser Welt erwacht ein Journalist namens Richard mit Gedächtnislücken in einem Krankenhaus. Die Geschichten passen nicht zusammen: Bei der Arbeit wird Richard nicht vermisst, seine Familie ist verschwunden, und angeblich hat seine Frau dem Technologiekritiker einen Haushaltsroboter in die Wohnung gestellt. Aber Richard lässt sich nicht so schnell entmutigen und tut, was er am besten kann: Er recherchiert.

Richards Welt wirkt eigenwillig, aber realistisch. Zwanghaft pessimistische Ausblicke in die Zukunft gibt es in letzter Zeit viele. Dieser hier hebt sich dank des treffenden Berlin-Bilds aus der Masse heraus. Straßenkreuzungen, Clubs und S-Bahn-Haltestellen sehen hier wirklich so aus, wie sie in 30 Jahren aussehen könnten. Das verleiht der zuweilen abgehobenen Geschichte Bodenhaftung.

“State of Mind“ ist der große Versuch der deutschen Spielefirma Daedalic, eine neue Art von Grafik­adventure zu inszenieren. Ohne zerfahrene Rätsel, aber mit dramatischen Kameraperspektiven und einem treibenden Plot.

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Das Kunststück gelingt, teilweise. Eigenwillig sieht die Welt von morgen aus, aber auch reizvoll. Die Menschen werden absichtlich grob dargestellt, sie wackeln wie Drahtgestelle durch die halbwegs realistischen 3-D-Kulissen.

Das passt thematisch zu einem Spiel über die unscharfe Zukunft des Menschen: Werden wir von Robotern abgelöst? Müssen wir selbst zu Robotern werden? Sind wir vielleicht schon Roboter? Ist das alles hier vielleicht gar nicht echt?

Berlin im Jahr 2048: Werden wir von Robotern abgelöst? Müssen wir selbst zu Robotern werden? Daedalic wagt sich im Adventure “State of Mind“ an die großen Zukunftsfragen.

Trotz der übergroßen Themen verliert “State of Mind“ nicht das Interesse an den Nöten und Hoffnungen seiner sehr menschlichen Protagonisten. Von seinen Spielern verlangt es Sitzfleisch und guten Willen – gelegentlich machen technische Fehler oder schlechte Schauspielleistungen eine Szene kaputt, und zwischendurch baumeln die Erzählstränge lose in der Gegend herum.

Ein Meisterwerk hat Daedalic also nicht geschaffen – aber einen faszinierenden Ausflug in die Zukunft.

Von Jan Bojaryn

Infos und Wertung

3,5 von 5 Punkten

Genre: Adventure
Erscheinungsdatum: 16. August 2018
Plattform: PC, PS4, Switch, Xbox One
Preis: ca. 40 Euro (bei Amazon bestellen)
Jugendfreigabe: ab 12 Jahren
Entwickler: Daedalic Entertainment
Publisher: Daedalic Entertainment
Website: www.daedalic.com/state-of-mind

Das sollten Eltern über State of Mind wissen

Ein Adventure mit einer Freigabe ab 12 Jahren mag harmlos klingen. Aber „State of Mind“ ist eine erwachsene Geschichte. Es geht um das Trauma eines Unfalls, um Entfremdung, Drogensucht, Gewalt, den Tod – und die Themen werden ernst genommen. Auch Heranwachsende werden verstehen, dass die menschlichen Gegner in einem Shooter nur Spielfiguren sind, ohne Gesicht und Geschichte. Hier ist es anders herum: Jedes Schicksal spielt in dieser realistischen Zukunft eine Rolle. Auch mit zwölfjährigen Kindern sollten Eltern nach dem Spielen reden, um das Erlebte zu verarbeiten. Unter dieser Voraussetzung ist es aber ein interessanter Einstieg, um mit jungen Menschen über Politik und große Lebensthemen ins Gespräch zu kommen.

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