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Netzwelt Googeln ohne Smartphone
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16:09 08.08.2017
Sieht ein bisschen so aus wie ein überdimensionaler Salzstreuer: der digitale Butler Google Home. Quelle: dpa
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Berlin

Der neue digitale Butler scheut die Konkurrenz nicht. Wenn man ihn fragt: „Was hältst du von Alexa?“, dann antwortet er: „Alexa ist super-zuverlässig. Sie liefert ja immer.“ Alexa ist der Name von Amazons Lautsprechersystem Echo, das seit Oktober 2016 auch hierzulande auf dem Markt ist. Alexa kann zum Beispiel Fragen beantworten, Musik abspielen oder Einkaufslisten verfassen. Nun hat Google ein Konkurrenzprodukt auf den Markt gebracht. Man kann jetzt also googeln, ohne das Smartphone zu bemühen.

Google Home verzichtet auf wohlklingende Frauennamen wie Siri – Apples Sprachassistentin – oder eben Alexa und hört schlicht auf den Befehl „Okay Google“. Vom Standesdünkel eines Butlers aus Fleisch und Blut in Livree ist beim digitalen Pendant nichts mehr zu finden. Man kann ihn auch ganz flapsig mit der Anrede „Hey Google“ aktivieren. Äußerlich sieht der Lautsprecher wie ein überdimensionierter Salzstreuer aus, das einzige Designzugeständnis ist die Zweifarbigkeit in Weiß und Grau.

Google Home treibt die Entmaterialisierung von Wissen voran

Googeln ist ein elementarer, inzwischen alltäglicher Akt des digitalen Zeitalters, das zeigt allein schon die Gleichsetzung des Verbs mit der Suchmaschine. Durch den Lautsprecher wird der Vorgang noch mehr ins Leben integriert. Suchte man dereinst noch ganz haptisch mittels Seitenumblättern im Brockhaus nach Informationen, wird die Entmaterialisierung von Wissen immer mehr vorangetrieben. Nun tippt man nicht einmal mehr die Wörter in die Suchmaske ein, nur die Lippen muss man noch selbst bewegen.

Google Home ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Smart Home, in dem sich immer mehr Funktionen per Sprachbefehl steuern lassen: Dimm doch mal das Licht auf romantische Stimmung, spiel die passende Musik dazu, stell den Kühlschrank auf Weißweintemperatur, und wie lautet noch gleich Shakespeares Liebesgedicht, das am ehesten den Lesegewohnheiten meiner Frau entspricht?

Was im Alltag Erleichterungen verheißt, ist Datenschützern ein Gräuel. Wer sich jemals darüber geärgert hat, noch Tage später personalisierte Werbung zu einer Google-Suchanfrage zu erhalten, kann sich vorstellen, wie der Internetgigant die gesammelten Daten von Google Home zu Geld machen wird. Die Kenntnis über Nutzungsgewohnheiten ist eine wichtige Währung. Amazons ironische Echo-Werbespots zeigen, was das Ziel der Anbieter ist: Die digitalen Butler sollen zum Familienmitglied werden. „Alexa, wie viele Minuten sind 18 Jahre?“, fragt eine gestresste Mutter angesichts des Spaghetti-Massakers ihres Babys. Die Zahlenantwort der Assistentin klingt nüchtern und effizient, aber irgendwie auch mitfühlend.

Preiskampf der Internetgiganten

Google Home kostet zum Verkaufsstart 149 Euro. Pünktlich zum Markteinstieg des Konkurrenten hat Amazon den Echo-Preis von 179 auf 129 Euro gesenkt. Alexa und Google werden wohl bald Gesellschaft bekommen: Apple will sein Assistenzsystem Siri noch bis zum Weihnachtsgeschäft entsprechend ausbauen, auch Facebook soll an einer Lösung arbeiten. Und Microsoft hat Cortana.

Die Satiresendung „extra 3“ hat gerade gezeigt, was Sprachassistenten mit dem Familienleben machen. In dem Video plaudert Alexa aus, dass der Mann immer nach Frauen mit großen Brüsten googelt, und schlägt deshalb zum Hochzeitstag eine Brustvergrößerung vor. Und als die Familie die Sprachassistenten kurzerhand auf den Müll befördert, überweisen diese das Ersparte auf ein Konto auf den Bahamas. Der intelligente, künstliche Butler: Er mag nicht menschlich sein, Macken hat er aber schon.

Von Nina May/RND

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