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Netzwelt Das sind die besten neuen Indie-Games
Nachrichten Medien Netzwelt Das sind die besten neuen Indie-Games
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13:58 02.09.2018
Mal was anderes: Wer von massentauglichen Blockbuster-Games gelangweilt ist, kann unter den vielen neuen Indie-Spielen wahre Schätze entdecken. “Twin Peaks“ und “Stranger Things“ sind Vorbilder für das Mystery-Abenteuer “Trüberbrook: A Nerd saves the world“, das im Deutschland der späten 60er Jahre spielt. Quelle: Bildundtonfabrik
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Leipzig

 Die Gamingbranche wächst und wächst. Für einige Fans sieht es so aus, als habe sie sich kaputt gewachsen. Denn was die großen Spielefirmen produzieren, erweckt den Eindruck, als käme da eine glatt geschliffene Hollywoodproduktion nach der anderen auf den Markt. In Zeiten zwei- bis dreistelliger Millionenbudgets können sie sich keine kreativen Experimente mehr leisten.

Auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner werden die Spiele einander ähnlicher, alle schauen voneinander ab. Der aktuelle Überhit “Fort­nite“ macht es vor: Es kombiniert den Überlebenskampf alle gegen alle aus dem jüngsten Hit “PlayerUnknown’s Battlegrounds“ mit dem Sammeln und Bauen des Evergreens „Minecraft“.

So sieht Erfolg in der Branche aus: irgendwie bekannt. Aber wie soll ein wirklich anderes Spiel denn sein? Eine gute Antwort gab es kürzlich auf der Spielemesse Gamescom in Köln. Dort steht inzwischen jedes Jahr die “Indie Arena Booth“, eine bunte Zusammenstellung von rund 80 sogenannten Indie-Spielen, auf dem Programm.

Großer Andrang in der Indie Arena Booth: Abseits von Mega-Produktionen wie “Fifa“ oder “Call of Duty“ bieten Indie-Spiele Abwechslung und Raum für gewagte Ideen oder unkonventionelle Grafik. Quelle: Koelnmesse GmbH

Raum für Experimente

Das englische Wort Indie (“unabhängig“) wird bei Spielen ähnlich schwammig verwendet wie bei Musik. Die gestandene Spielemacherin Jana Reinhardt vom Team der Booth muss etwas ausholen, um den Begriff zu erklären: Er steht für “kleinere Teams, die in der Mehrheit noch nicht so lange existieren, die in irgendeiner Form noch experimentieren und die von der Finanzierung bis zur Idee alles selber machen“.

Nur in so einer Szene konnte ein Spiel wie “What the Golf“ entstehen. Anfangs sieht es so aus wie andere Golfspiele auch: Ein Männchen mit Schläger steht am Abschlag. Spieler zielen in eine Richtung, bestimmen die Stärke des Schlages – und plötzlich fliegt das Männchen los, segelt bis aufs Grün und dengelt gegen die Fahne. Der Ball bleibt liegen.

So beginnt eine lange Reihe spielbarer Witze, die immer weniger mit Golf zu tun haben. Der Trip ist einfach, witzig, schnell vorbei – und würde in der Produktionslogik einer großen Firma keinen Sinn ergeben. Aber für ein paar Euro und einen albernen Abend mit Freunden funktioniert er.

“Through the Darkest of Times“ ist ein ernstes Strategiespiel über den Widerstand im Dritten Reich. Quelle: Paintbucket Games/Indie Arena Booth

Kontrastprogramm zu "FIFA" und "Call of Duty"

“What the Golf“ war auf der Games­com an der Indie-Arena-Booth spielbar. Nur einen Bildschirm weiter herrschte dagegen ein ganz anderer Ton: “Through the Darkest of Times“ ist ein sehr ernst gemeintes Strategiespiel über den Widerstand im Dritten Reich. Genau das macht die Indie-Szene aus: Kontrast und Vielfalt.

Es geht in den unterschiedlichen Spielen in meditativen Reisen durch die Einöde, zur Diskussion in einen literarischen Salon, mit dem Mountainbike den Berg herunter, oder mit dem Auto durch die Ruinen der USA – jedes Spiel kann ein völlig neues Erlebnis bieten. Kaum eines dieser Spiele hätte eine Chance, wenn es sich für 60 Euro zwischen “Fifa“ und “Call of Duty“ ins Ladenregal stellen müsste.

Bei “Overland“ müssen die Spieler den kürzesten und besten Weg suchen. Quelle: Indie Arena Booth

Aber Indies werden in aller Regel als Download verkauft und kosten meist nur 10 bis 20 Euro. Von Kunden gefunden werden sie in den endlosen virtuellen Ladenregalen großer Onlinespieleshops wie Steam – der größte PC-Spielehändler hat allein im vergangenen Jahr mehr als 7000 neue Titel veröffentlicht.

Für Spieler ist die kreative Explosion traumhaft; sie finden auch in den kleinsten Nischen eine robuste Auswahl guter Neuerscheinungen. Für die Spielemacher ist der Markt dagegen hart. Auch die besten und die sparsamsten kämpfen mitunter um das Überleben. Flops sind normal, und wer kann, der wappnet sich auf viele Arten dagegen.

Entwickler suchen gezielt neue Plattformen

Auf der Flucht vor Konkurrenz drängen Indies immer wieder auf neue Plattformen: Das iPhone war mal ein besonders beliebtes Ziel, aktuell ist es die Nintendo Switch. Nintendos Konsole verkauft sich gut, ist bei Spielern beliebt und kann sich kaum noch retten vor neuen und neu aufgelegten Indie-Spielen, die wöchentlich hereinregnen.

Geld verdienen Indies nicht nur mit guten Verkäufen. Fördergelder sind längst ein wichtiger Faktor, die Spielebranche schafft schließlich auch Arbeitsplätze – im Koalitionsvertrag wurde eine Games-Förderung auf Bundesebene in Aussicht gestellt.

Viele Spieler wissen nur wenig über die Szene, reden reflexartig vor allem über die Großproduktionen – um sich dann über Ideenlosigkeit und Preise aufzuregen. Spieler und Interessierte müssen schon etwas genauer hinschauen, um Indies zu entdecken.

Aktuelle Themen wie künstliche Intelligenz, Datensicherheit oder die Effekte einer immer technologischeren Gesellschaft verpackt „State of Mind“ in einen futuristischen Thriller, der im Berlin des Jahres 2048 spielt. Quelle: Daedalic/Indie Arena Booth

Auf der Community Convention MAG in Erfurt macht ebenfalls die Indie Arena Booth halt. Die Messe findet vom 5. bis 7. Oktober statt, mag-con.de.

Die spannendsten Indie-Neuerscheinungen

“Overland“

Ein Trüppchen Überlebender reist nach einer Katastrophe vom Osten der USA gen Westen. Gespielt werden die kurzen Zwischenstopps auf der Suche nach Sprit, Nahrung und Medizin rundenweise wie auf einem Spielbrett. Die Suche nach dem kürzesten, besten Weg durch unmögliche Situationen erinnert entfernt an Schachrätsel.

overland-game.com

“Through the Darkest of Times“

Schon vor der Veröffentlichung wird dieser Titel mit Lob überhäuft. Kein Wunder: Er stößt in eine unterbesetzte Nische, es macht ganz explizit und mutig Politik. Spieler schlüpfen in dem Erzähl- und Strategiespiel in die Rolle des Widerstands im Dritten Reich.

throughthedarkestoftimes.com

“Lonely Mountains Downhill“

Zum Abschalten in die Natur: In diesem Abenteuer geht es immer wieder mit dem Mountain Bike den Berg runter. Der Einstieg in den Titel geht dank einfacher Steuerung ganz schnell, das Stürzen noch schneller.

lonelymountains.com

"FAR: Lone Sails" lebt von seinen schönen, weiten Landschaften, der sehnsüchtigen Stimmung und der warmen Musik. Quelle: Mixtvision

Starke Indie-Games zum jetzt kaufen

"FAR: Lone Sails"

Ein einsames Männchen erwacht in Ruinen, besteigt ein dampf- und windgetriebenes Fahrzeug und fährt davon. Das einfache, kurze Spiel lebt von seinen schönen, weiten Landschaften, der sehnsüchtigen Stimmung und der warmen Musik. (PC, 15 Euro)

far-game.com

"Unforeseen Incidents"

Ein verpeilter Bastler stolpert in eine finstere Verschwörung. Das klassische Grafikadventure erzählt irgendwo zwischen „Twin Peaks“, „Akte X“ und Ruhrpottromantik eine packende Geschichte voller schrulliger Typen und kniffliger, aber logischer Rätsel. (PC, 20 Euro, hier im LVZ-Spieletest)

unforeseen-incidents.com

"My Child Lebensborn"

Das norwegischen Handyspiel handelt von der Fürsorge für ein Kind aus dem berüchtigten Menschenzuchtprogramm der Nazis. Der schwierige Umgang mit dem totalitären Erbe, mit Hass und Vorurteilen wird hier auf direkte, praktische Fragen heruntergebrochen. (iPhone + Android, 3,50 Euro)

mychildlebensborn.com

Von Jan Bojaryn

Computerspiele großer Firmen ähneln einander immer mehr. Um die hohen Produktionskosten wieder einzuspielen, setzen die Unternehmen auf bewährte Erfolgsrezepte. Wer ungewöhnliche, besonders kreative Spiele finden will, muss bei Indie-Spielen suchen.

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