Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Netzwelt Sicher digital plaudern
Nachrichten Medien Netzwelt Sicher digital plaudern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:15 17.11.2017
Vier von zehn Unternehmen sind im vergangenen Jahr Opfer einer Cyberattacke geworden. Quelle: Illustration: RND/Patan
Berlin

Die SMS ist tot, Messenger sind angesagt. Viele Smartphonenutzer verzichten inzwischen fast ganz auf klassische Kurznachrichten und bleiben mit Freundeskreis und Familie mit Hoccer, Signal, Threema, Viber, Whatsapp, Wire und Co. in Kontakt. Doch unbedacht einfach installieren und loschatten ist keine gute Idee. Messenger unterscheiden sich insbesondere bei der Sicherheit.

„In ihrer Funktion sind sich die Messenger alle recht ähnlich“, sagt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW). „In der Regel lassen sich Text- und Sprachnachrichten, Bilder oder auch weitere Dateiformate versenden.“ Beschränkungen könne es etwa bei der maximal möglichen Dateigröße geben. Microsofts Skype etwa kann Dateien mit einer Größe von bis zu 300 Megabyte (MB) versenden, bei Facebooks Whatsapp sind es jeweils nur rund 100 MB und bei Threema 50 MB. Teils werden Fotos oder Videos komprimiert, das heißt: in der Datenmenge heruntergerechnet.

Die Messenger-Dienste gleichen sich an

Unterschiedlich ist auch die Übertragungsqualität bei der Telefonie und den Videochats. Beides ist neben dem klassischen Textchat inklusive Gruppenchats längst auch bei fast allen Text-Messengern Standard. Umgekehrt kann man mit Apps wie Skype, Yahoo Messenger, Google Hangouts, ICQ, WeChat oder Facetime, die eher aus der Videochat-Ecke kommen, auch nur per Text chatten. In jedem Fall gleichen sich beide Messenger-Stämme immer mehr an.

Aber sind Fotos, private und sensible Informationen sowie Daten oder gar Geheimnisse im Messenger gut aufgehoben? Was über Messenger-Dienste verschickt wird, ist nicht immer vor neugierigen Blicken Dritter geschützt. Datenschutzverstöße könnten dann nicht ausgeschlossen werden, erklärt ein Sprecher der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Nutzer sollten gründlich überlegen, welche Informationen sie über Messenger-Dienste mitteilen.

Daten bringen Geld: Leider sind sie bei so manchem Messenger nicht ausreichend geschützt. Quelle: dpa

Das gilt zumindest dann, wenn der Dienst keine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet. Mit dieser ist zumindest die Kommunikation gut gesichert. „Da befindet sich der Schlüssel ausschließlich bei Sender und Empfänger“, erklärt Lena Rohrbach von Amnesty International Deutschland. Ein Anbieter von solch einem System ist zum Beispiel heinekingmedia der Madsack Medien Gruppe, zu der auch dieses Portal gehört. Der heineking Messenger Stashcat zeichnet sich durch eine besonders sichere Datenübertragung aus. Inzwischen nutzt ihn sogar die Polizei in Niedersachsen.

Kontakte können zu Nutzungsprofilen für Werbezwecke werden

Andere Verschlüsselungsmethoden sind dagegen nicht unbedingt sicher. Oftmals verfüge der Anbieter über eine Art Generalschlüssel, mit dem er oder Dritte die Kommunikation der Nutzer entschlüsseln könnten, sagt Rohrbach.

Viele Anbieter interessieren sich aber ohnehin viel mehr für Verbindungsdaten und Kontakte. Whatsapp behält sich etwa in den Nutzungsbedingungen vor, die auf dem Smartphone gespeicherten Kontakte abzugleichen, erklärt Juristin Steffen von der VZ NRW. „Damit könnte der Anbieter Nutzungsprofile erstellen, die Auskunft darüber geben, wer mit wem wie oft kommuniziert.“ Solche Daten werden dann etwa zu Werbezwecken genutzt.

Whatsapp ist der meist genutzte Messenger-Dienst. Quelle: RND-Grafik, Quelle: Statista

Vor einer App-Installation erst informieren

Bei Apps wie Facebook Messenger oder Google Allo muss die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erst aktiviert werden – teils sogar für jeden einzelnen Chat. Skype, Google Hangouts oder auch Snapchat bieten diese sichere Verschlüsselung gar nicht erst, wie eine Untersuchung der VZ NRW im September 2016 ergeben hat. Verbraucher sollten sich vor der Installation einer Messenger-App darüber informieren, ob und wie die Daten verschlüsselt werden, ob, wie und wozu die Anwendung auf Kontakte zugreift oder das Nutzerverhalten analysiert.

Übrigens: Reguläre Messenger sind kein Kinderspielzeug. Darum dürfen die meisten dieser Dienste laut Angaben in den Geschäftsbedingungen auch erst ab 13 Jahren genutzt werden. Tatsächlich geprüft wird das Alter allerdings nicht. Für die Jüngsten gibt es aber inzwischen beaufsichtigte Chat-Apps wie etwa den Monster Messenger. Dort übernehmen Moderatoren oder die Eltern die Aufsicht.

Telefonieren ist out – Jugendliche texten

Die Schriftsprache hat gegenüber dem gesprochenen Wort in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Denn Telefonieren ist out – Texten in. Zumindest bei der Gruppe der unter 17-Jährigen, weiß Digital-Experte Gerald Lembke. „Alle Studien zeigen, dass das Telefon kaum noch genutzt wird“, sagt der in Mannheim lehrende Professor für Digitale Medien.

„Über alle Altersgruppen hinweg wird im Schnitt gerade mal acht Minuten täglich telefoniert - bei der Gruppe der bis zu 17 Jahre alten Nutzer ist die Zeit aber kaum noch erfassbar.“ Viele von ihnen kommunizieren heute nur noch per Text- oder Sprachnachricht.

Der 16-jährige Hamburger Autor Robert Campe sieht darin keinen Widerspruch. „Ich telefoniere auch nur noch, wenn ich mal sehr schnell Informationen brauche“, sagt er. Doch das Versenden von Sprach- oder Textnachrichten charakterisiert er als eine andere Form des traditionellen Telefonats. In seinem Buch „What’s App, Mama?“ beschreibt der Schüler das Lebensgefühl der Smartphone-Teenager. Gefühle werden kaum noch per Stimme, sondern non-verbal ausgedrückt. „Dafür gibt es ja Emojis“, sagt er mit Hinweis auf die kleinen Symbolbilder, die Freude, Wut, Verärgerung oder Überraschung ausdrücken sollen.

Gerald Lembke sieht die Entwicklung durchaus kritisch: „Das Digitale verdrängt das Soziale – und schwächt die Persönlichkeit der Jugendlichen“, sagt Lembke. Auf der sozialen Ebene sieht er kaum noch Austausch, sondern eine Art Einbahnstraßen-Kommunikation. „Ich-Botschaften“ stünden anstelle von Inhalt und Dialog im Vordergrund. „Es findet kein Austausch der Argumente mehr statt und öffnet zudem Tür und Tor für Missverständnisse und Missbrauch aller Art.“

Christoph Erdmann sieht das ähnlich. Der 43-Jährige ist Geschäftsführer einer Firma, die sich mit viel Aufwand auf verschlüsselte Telefonate spezialisiert hat. Doch ausgerechnet im eigenen familiären Umfeld hisst der Experte für Datensicherheit mitunter die weiße Flagge. Denn seine Tochter gibt wie viele andere ihrer Generation auch per Smartphone Teile des Privaten preis. „Diese Generation reflektiert die Schutzbedürftigkeit der Privatsphäre nicht mehr, weil sie mit der Droge der permanenten Vernetzung überrannt wird“, sagt der Verschlüsselungs-Experte.

Aktuell nutzen laut Branchenverband Bitkom 54 Millionen Deutsche ab 14 Jahren ein internetfähiges Mobiltelefon. Damit hat sich der Zahl seit 2012 mehr als verdoppelt.

Von Sarah Thust/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zahlencode vergessen, Schlüssel verlegt? Dieses smarte Vorhängeschloss öffnet und schließt sich auf ganz andere Weise ...

17.11.2017

Das US-Verteidigungsministerium hat Präsident Donald Trump versehentlich zum Rücktritt aufgefordert. In dem Tweet ging es um das Thema sexuelle Belästigung durch Politiker.

17.11.2017

Bei der Wahl des richtigen E-Mail-Anbieters sind besonders Benutzerfreundlichkeit und Kosten relevant, aber auch die Sicherheit spielt eine immer wichtigere Rolle.

16.11.2017