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12:00 12.11.2017
Auf der Suche nach einer Alternative: Der Korse Eric Léandri hat die Suchmaschine Qwant gegründet und verspricht, “ethischer“ zu sein als die große US-Konkurrenz. Quelle: iStock
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Berlin

Der Gründer einer alternativen Suchmaschine kann im Jahr 2017 eigentlich nur ein verkanntes Genie sein, ein Nerd oder ein Fantast. Jedenfalls niemand, der ein ernsthaftes Unternehmen aufbauen und auch noch Geld verdienen will. Der Korse Eric Léandri ist Gründer und Chef der Suchmaschine Qwant, und er räumt im Interview als Erstes einmal diese Klischees ab. Léandri kommt, frisch aus Paris gelandet, ins Berliner Büro des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) und sagt: “Wir wollen Geld verdienen. In Frankreich sind wir bereits profitabel. Und wir wollen expandieren.“

Im Heimatland habe man schon 4 Prozent Marktanteil, und die will Qwant nun auch in Deutschland erreichen. Das klingt wenig, ist aber unendlich schwierig. 92 Prozent aller Suchanfragen vereinigt Gigant Google auf sich, Konkurrenten wie Microsoft Bing tun sich seit Jahren schwer. Und da soll eine Firma aus Frankreich mit einem komischen Namen kommen und sich fest am Markt etablieren?

Léandri will das schaffen, indem er mit neuen Klischees spielt. Solchen, die meist stimmen. Die US-amerikanischen Giganten sammeln Daten, speichern Anfragen und verdienen daran, ebendiese Daten weiterzuverkaufen. Qwant mache das nicht. “Wir sind eine europäische Suchmaschine“, sagt er, als stecke in der Herkunftsbezeichnung “europäisch“ schon ein besonderes Qualitätsmerkmal. Aber es ist ja nicht allzu falsch, die Herkunft herauszustellen, denn Europäer gelten gemeinhin als besonders skeptisch, was die Herausgabe von persönlichen Daten angeht. Und da möchte Qwant punkten. “Wir sind eine Suchmaschine mit ethischen Grundsätzen“, fährt Léandri fort.

Von der Suchmaschine zum Datenhändler

Technisch bedeutet das: Qwant verwendet keine Cookies und verschlüsselt IP-Adressen. Die Suchmaschine speichert also nicht, woher die Anfrage kommt. Daher gibt es auch keine Suchhistorie – und keine Möglichkeit für Werbetreibende, personalisierte Anzeigen zu schalten. Re-Targeting heißt diese Praxis, die Werbekunden die gezielte Ansprache vermeintlich unentschlossener Kunden ermöglicht.

Wer sich immer schon geärgert hat, dass noch Wochen nach dem Kauf einer Waschmaschine oder eines Autos der halbe Bildschirm voller Anzeigen für Haushaltsgeräte- und Autoanzeigen ist, liegt bei Qwant richtig. Aber auch die Franzosen wollen sich über Werbung finanzieren. “Ganz klassische Werbung. Das ist nichts anderes als das originäre Geschäftsmodell von Google.“ Wer ein Produkt sucht, bekommt auch Anzeigen dieses Produktes zu sehen. Wer etwa nach einem Tablet sucht, sieht Anzeigen von Computerhändlern.

Der Sündenfall von Google begann für Léandri an dem Punkt, als die Amerikaner “von einer Suchmaschine zu einem Datenhändler geworden sind“. Der Franzose spart nicht mit Kritik am Goliath: “Der Nutzer bewegt sich in einem Universum, das alles über ihn weiß, und dieses Universum versucht, damit möglichst viel Geld zu verdienen.“ Am Ende zahle der Nutzer drauf.

David gegen Goliath: Quelle: Qwant

Der interessanteste Punkt an der Qwant-Kampagne ist, dass sie zweigleisig fährt. Die zurzeit geschalteten Werbeclips sprechen zwar primär die Angst vor dem gläsernen Nutzer an, aber wem das zu abstrakt ist, für den hat Léandri noch handfestere Beispiele: Re-Targeting mache besonders die Suche nach Reisen und Hotels teurer. “Wer schon im Netz nach Barcelona geguckt hat, bekommt bei weiteren Suchen keine günstigen Preise für Flüge und Hotels mehr.“ Wer ausgiebig nach Verbindungen und Destinationen sucht, wird wahrscheinlich auch irgendwann buchen. Und so einem potenziellen Käufer müssten Hotel- und Flugportale nicht die allergünstigsten verfügbaren Preise anbieten. “Unsere Nutzer bekommen bessere Angebote im Netz“, wirbt der Qwant-Chef.

Léandri schlägt einen Selbstversuch vor: Wer 14 Tage mit eingeschaltetem Tracking-Schutz nur über Qwant suche, sei danach aus allen Re-Targeting-Seiten verschwunden. Technisch sei das kein Problem: Auch Internetseiten, die sich gegen Ad-Blocker zur Wehr setzen, seien mit Qwant problemlos erreichbar.

Im Praxistest zeigt sich allerdings bald, dass das nicht stimmt. Mehrere große Nachrichtenportale fordern gleich beim ersten Besuch zum Abschalten des vermeintlichen Ad-Blockers auf, der Tracking-Schutz ist also in der Praxis nur schlecht zu nutzen. Er lässt sich allerdings per Hand abstellen, so dass Qwant auch universell zu nutzen ist. Aber damit ist natürlich auch der zentrale Vorteil der Suchmaschine weg.

Schöne Optik ohne Werbung

Auch ohne Tracking-Schutz werden Nutzer auf Qwant nicht von Re-Targeting-Werbung belästigt. Kein Wunder: Die Seite ist zurzeit mit Ausnahme der “Shopping“-Sektion ohnehin komplett werbefrei. In ihrer Aufmachung ist sie hochaktuell: Bereits die Startseite zeigt – neben einer Linie als Eingabefeld für die Suchanfrage – die neuesten Nachrichten aus verschiedenen Quellen an.

Und die Ergebnisse werden nebeneinander in drei Säulen angezeigt: Internet, News und Social. In der ersten Spalten stehen die Treffer von klassischen Internetseiten, in der Mitte die Nachrichten zur Suchanfrage, rechts Ergebnisse aus den sozialen Medien wie Twitter. Oben werden automatisch Bilder angezeigt. Das ist bei den ersten Suchen noch etwas gewöhnungsbedürftig und hinterlässt ein Gefühl der Überforderung. Doch an das dreispaltige Design kann man sich schnell gewöhnen.

Ob diese zeitgemäße Optik und Präsentation aber ausreicht, um dem Goliath Google auch nur 2 Prozent des Suchverkehrs abzuluchsen, ist höchst fraglich. Da muss Qwant noch viel trommeln.

Von Jan Sternberg

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