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Nachrichten Medien Die Weltraumfamilie Robinson startet neu durch
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18:59 11.04.2018
Die ganze Familie Robinson beisammen: Judy (Taylor Russel, v. l.), Mutter Maureen (Molly Parker), John Robinson (Toby Stephens), Don West (Ignacio Serricchio), Penny (Mina Sundwall) und Sohn Will (Max Jenkins). Quelle: Foto: Netflix
Los Gatos

Eine vierte Staffel wurde versprochen, die Serie dann aber doch fallengelassen. Und so erreichten die Weltraumpioniere von Irwin Allens „Lost in Space“ mit ihrem Schiff weder Alpha Centauri, noch kehrten sie je zur Erde zurück.

Die Astronautenfamilie Robinson erlitt 1968 das klassische Serienschicksal. Sie blieb verloren im Weltraum der Fantasie wie später David Bowies Major Tom – ein Jahr bevor auch das damalige Konkurrenzraumschiff Enterprise (allerdings nur vorläufig) im Serienlimbus verschwand. Jetzt gibt es neue Hoffnung für die Robinsons. Netflix hat die Pioniere von damals noch einmal auf die Reise geschickt. In einem neuen, realistischen Outfit.

Das Kolonistenschiff wird von Aliens gekapert

Die Produktionsstandards sind sensationell, die Tricktechnik ist überzeugend. Die Netflixer lehnen sich dabei an Allens Originalgeschichte an: Der ausgewrungene alte Globus dreht seine letzten Runden als lebenstragender Planet, eine neue ausbeutbare Himmelsmurmel muss her.

In der Umlaufbahn der Nachbarsonne Alpha Centauri hat die Menschheit eine bewohnbare Erde zwei entdeckt. Auf dem Weg dorthin geraten die Robinsons nach einem außerirdischen Kaperversuch ihres Mutterschiffs vom Kurs ab. Bruchlandung mit der Flugscheibe Jupiter 2 in einer unbekannten Galaxis. Atembare Atmosphäre, „ein Sechser im Lotto“, weiß Mama Maureen. Dennoch geht es sofort ums Überleben.

Dramatischer Anfang auf dem fremden Planeten

Denn die J 2 versinkt in einem zugefrorenen See, Maureen hat sich beim Absturz das Bein gebrochen, die Temperaturen fallen bei Nacht auf 60 Grad minus. Jemand muss also gegen das rapide Frosttempo in das Wrack des Schiffs hinabtauchen, um Batterien für die Anzüge zu bergen. Was schiefgehen kann, geht schief. Ziehtochter Judy ist bald schon unter einer Eisschicht gefangen, Sohn Will rutscht in ein Felsloch, Tochter Penny muss mit dem Skalpell den Blutstau in Mamas Bein beheben. Und Aliens gibt es selbstverständlich auch. Böse Biester.

Probleme – Lösungen. Bedrohung – Kavallerie. Manchmal wird das Dramatische von den „Dracula Untold“-Autoren Matt Sazama und Burk Sharpless suboptimal ausgereizt. Und nicht selten begeben sich die Figuren zum Zwecke der Spannungsförderung in Situationen, die sie angesichts ihrer offensichtlichen Intelligenz unbedingt hätten vermeiden müssen.

Moralisches Problem: Es entkommen die Hauptschuldigen

Zudem besteht ein moralisches Plotproblem: Anders als etwa im Update der Sci-Fi-Serie „Battlestar Galactica“ sind es hier nur die Menschheitsteile, die die Erde aus der Balance in die Bredouille brachten, die nun die Kolonisten stellen. Die Armen und Abgebrannten, die Bewohner wenig technologisierter Erdregionen haben Pech gehabt. Hier ließe sich noch tiefer schürfen. Mehr Politik, bitte!

Die neuen Robinsons sind freilich keine langweilige „Happy Go Lucky“-Sippe wie noch in den Sechzigerjahren sondern eine moderne, dysfunktionale Familie, bei der sich die Eltern (Toby Stephens, der charismatische Käpt’n Flint aus der Piratensaga „Black Sails“ und Molly Parker aus der Westernserie „Deadwood“) nur der Kinder zuliebe noch einmal zusammengerauft haben.

Als da wären: Zwei Teenietöchter, deren Lieblichkeit Grenzen hat (Taylor Russell, Mina Sundwall), und der beeindruckende Maxwell Jenkins, der als sich abgehängt fühlender Junior Will Robinson eine anrührende Freundschaft mit einem ebenfalls gestrandeten, seines „Gedächtnisses“ beraubten Roboters der Angreifer schließt.

Die Originalserie lief in Deutschland spät als Sci-Fi-Trash

Bis die Robinsons auf andere Kolonisten stoßen und auf die von Parker Posey gespielte Schurkin Smith, hat man sie – auch durch zahl- und aufschlussreiche Rückblenden – weidlich liebgewonnen. Wie sich die neue interplanetarische Robinsonade speziell beim deutschen Publikum bewähren wird, bleibt abzuwarten. Während der einstige Serienkonkurrent „Star Trek“ es auch hierzulande zu unvergleichlicher Popularität brachte, blieb „Lost in Space“ bei uns weitgehend unbekannt.

Als Kabel 1 dann im März 1992 unter dem Titel „Verschollen zwischen fremden Welten“ mit der Ausstrahlung der damals schon ein Vierteljahrhundert alten Serie begann, wirkten die Robinsons in ihren putzigen bunten Space-Kostümchen wie die Lachnummer der Galaxis. Was in den USA zur Popkultur zählt, firmierte hier nur noch als Trash. Die neuen Robinsons sind nun aus anderem Holz, haben eine sehenswerte erste Staffel absolviert und in jedem Fall das Zeug zu einer großen zweiten.

PS.: Höchste Zeit für die Bavaria, das alte Raumschiff Orion zu polieren und auf eine zweite Raumpatrouille zu schicken.

Von Matthias Halbig/RND

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