Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Medien „Rabauken-Jäger“ ist keine Beleidigung
Nachrichten Medien „Rabauken-Jäger“ ist keine Beleidigung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:00 09.09.2016
Das Oberlandesgericht Rostock hat einen Journalisten vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen, der einen Jäger als „Rabauken“ bezeichnet hatte (Symbolbild). Quelle: dpa
Anzeige
Rostock

Der Journalist hatte im Juni 2014 über einen Jäger berichtet, der ein am Straßenrand gefundenes totes Reh etwa 100 Meter an der Anhängerkupplung über eine Bundesstraße schleifte, um es dann an einem Feldweg zu vergraben. Aufnahmen davon kursierten im Internet und hatten in den sozialen Medien Protest und Empörung ausgelöst. In dem Zeitungsbericht, in dem die Herkunft des Rehs zunächst offen blieb und auch der Jäger selbst nicht zu Wort kam, war dann erstmals der Begriff „Rabauken-Jäger“ gefallen.

Der Jäger zeigte den Lokalredakteur des „Nordkurier“ daraufhin an, die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg erhob Anklage wegen Beleidigung, und das Amtsgerichts Pasewalk verurteilte den Journalisten zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro. Eine Berufung wies das Landgericht Neubrandenburg ab. Aber das Oberlandesgericht (OLG) Rostock sprach den Reporter am Freitag letztinstanzlich vom Vorwurf der Beleidigung frei. Weitere Rechtsmittel seien somit ausgeschlossen, hieß es.

OLG: Jäger muss sich Kritik gefallen lassen

„Die Pressefreiheit hat am Ende doch gesiegt“, sagte „Nordkurier“-Chefredakteur Lutz Schumacher nach Bekanntwerden des Urteils. Der Versuch der Generalstaatsanwaltschaft Rostock, in die verbrieften Rechte der deutschen Presse einzugreifen, sei krachend gescheitert. „Das Urteil ist eine Nachhilfestunde in Sachen Verfassungsrecht“, betonte Schumacher.

Das OLG teilte mit, die Begriffswahl sei „im Rahmen der Güterabwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Jägers auf der einen und der Meinungs- und Pressefreiheit auf der anderen Seite strafrechtlich nicht zu beanstanden“. „Aus Sicht des Strafsenats bestehen schon erhebliche Zweifel, ob der Begriff „Rabauken-Jäger“ in seiner konkreten Verwendung einen strafrechtlich relevanten herabsetzenden Charakter hat“, heißt es in der Mitteilung des Gerichts. Letztlich müsse sich der Jäger heftige Kritik gefallen lassen, da er objektiv gegen Grundsätze waidmännischen Verhaltens verstoßen habe. Vor Gericht hatte der Jäger sein Verhalten mit dem schlechten Zustand des Kadavers begründet.

Die Richter am OLG hielten dem Redakteur zugute, dass er versucht habe, den Jäger nach den Gründen für sein Verhalten zu befragen. Dies sei aber wegen dessen urlaubsbedingter Abwesenheit nicht gelungen. Da der Fall in den sozialen Medien schon heftig diskutiert worden sei, könne man dem Autoren des Beitrags nicht vorhalten, mit seinem Bericht nicht bis zur vollständigen Aufklärung der möglicherweise den Jäger entlastenden Hintergründe gewartet zu haben. „Insofern ging das berechtigte Interesse der Presse an aktueller Berichterstattung vor“, unterstrich das OLG.

Von epd/dpa/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige