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Medien „Roseanne“ – Sie lässt das Twittern nicht
Nachrichten Medien „Roseanne“ – Sie lässt das Twittern nicht
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13:46 31.05.2018
Da lacht sie noch: Die Wiederauflage ihrer Serie „Roseanne“ war ein Riesenerfolg für Roseanne Barr. Mit einem üblen Tweet machte sie nun alles zunichte. Quelle: AP
Los Angeles

Twittern geht so einfach, und die Versuchung, schnell was loszuwerden, ist manchmal einfach zu groß. Also twittert Roseanne Barr (65) munter weiter. Befeuert dürfte ihr Mitteilungsdrang durch den amerikanischen Präsidenten werden. Der nimmt sich nicht nur Zeit für die sozial engagierte Kim Kardashian sondern auch dafür, den US-Sender ABC abzuwatschen, der Barrs Erfolgsserie „Roseanne“ spontan abgesetzt hatte.

„Planet der Affen“-Tweet brachte das Fass zum Überlaufen

Die spontane Absetzung folgte einem rassistischen Twitter-Kommentar Barrs. Die Schauspielerin, berüchtigt für böse und hetzerische Tweets, hatte die Afro-Amerikanerin Valerie Jarrett, früher Beraterin des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, angegriffen: „Die Muslimbruderschaft und der Planet der Affen haben ein Baby bekommen.“ Empörung folgte, Barr löschte den Twitter-Kommentar und bat in diversen Nachrichten um Entschuldigung.

„Roseannes Twitter-Mitteilung ist abscheulich, abstoßend und stimmt nicht mit unseren Werten überein, und wir haben entschieden, ihre Show abzusetzen“, wurde ABC-Präsidentin Channing Dungey am Dienstag (Ortszeit) in einer Mitteilung zitiert. Auch Barrs Agentur ICM Partners beendete die Zusammenarbeit mit der Komikerin.

Präsident Trump greift Disney-CEO Bob Iger an

Die beschimpfte Jarrett sagte dem Sender MSNBC, man müsse aus diesem Moment Lehren ziehen. Ihr gehe es gut, betonte sie. Sie sorge sich jedoch um die Opfer von Rassismus, die „keinen Kreis von Freunden oder Anhängern um sich haben, der ihnen sofort zur Hilfe eilt“.

Barr hatte den Tweet am Dienstag gelöscht und sich bei Jarrett und „allen Amerikanern“ entschuldigt. Später entschuldigte sie sich auch bei den Mitwirkenden der Show, die ihretwegen den Job verloren hätten und versprach: „Ich verlasse jetzt Twitter.“ Nur um noch in der Nacht zu Mittwoch ihr Twitter-Comeback mit Dutzenden Kommentaren zu feiern. Twittern und löschen, Twittern und löschen. Immer wieder.

US-Präsident Donald Trump nutzte jetzt die Gelegenheit, um Disney-CEO Bob Iger anzugreifen. Der habe sich nie für die „schrecklichen Aussagen“ entschuldigt, die über ihn bei ABC gemacht worden seien. Über Barrs Tweet verlor der Präsident konkret kein Wort. Er hatte seiner Anhängerin Barr im März zu dem erfolgreichen Comeback der Serie „Roseanne“ gratuliert.

Der Sender ABC stellt glaubwürdig Werte über Gewinnerwartung

Das Twittern kann Barr bis jetzt nicht lassen. Distanzierungsbotschaften ihrer Mitspieler in „Roseanne“ konterte sie mit genervten Retweets. Ihr Statement, ein Schlafmittel sei Ursache der ursprünglichen Entgleisung gewesen, konterte dessen Hersteller mit dem Hinweis, Rassismus sei keine Nebenwirkung seiner Medikamente.

Die Absetzung von Barrs Serie ist die konsequenteste Ahndung von krassem Missverhalten seit dem Hinauswurf des Schauspielers Kevin Spacey aus der Politserie „House of Cards“ – nach Vorwürfen sexueller Übergriffe. Die Absetzung eines Zuschauerhits (27 Millionen Zuschauer für die Startepisode) durch den Sender stellt demokratische Verantwortung über den zu erwartenden Gewinn. Die zweite Staffel hätte AVC 60 Millionen Dollar Werbeeinnahmen gebracht. Kein Klacks.

Von rnd/dpa

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