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Nachrichten Medien So düster wird der „Tatort“ am Sonntag
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12:50 14.09.2016
Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger ermitteln im Schweizer „Tatort: Freitod“. Quelle: dpa;SRF
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Luzern

- Sie heißt Evelyn und sorgt für gute Laune. Jedenfalls bei Reto Flückiger. Derart hin und weg ist der Luzerner Kommissar (Stefan Gubser) von seiner Freundin, dass ihm selbst die traurigen Umstände seines neuesten Falls nicht den Spaß verderben können. Der neue Schweizer „Tatort“ ist spannend inszeniert und zugleich alles andere als leichte Kost: „Freitod“ (Sonntag, 20.15 Uhr) spielt im heftig umstrittenen Milieu der Sterbehilfe sowie des Sterbetourismus von lebensmüden Deutschen zu Suizidbegleitern in der Schweiz.

„Kannst du dir vorstellen, mal zu einer Sterbeorganisation zu gehen?“, fragt Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) ihren Kollegen in einer Szene. Flückiger, in Gedanken ganz bei Freundin Evelyn, antwortet: „Weiß‘ ich nicht, im Moment habe ich gar keine Lust zu sterben.“ Ritschard: „Wenn ich mir vorstelle, ich sitze allein im Pflegeheim und keine Sau kommt mich besuchen… ich müsste nicht lange überlegen.“

Hochemotionales Thema im „Tatort“

2015 haben die beiden großen Schweizer Sterbehilfeorganisationen nach eigenen Angaben mehr als 1200 Menschen in den Tod begleitet - rund 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und 2016 dürfte es einen weiteren Anstieg geben. Das Thema ist hochemotional und wird kontrovers diskutiert. Regisseurin Sabine Boss - ihre Literaturverfilmung „Der Goalie bin ig“ erhielt 2014 den Schweizer Filmpreis - vermeidet einseitige Positionen.

Schwerstkranke, die nicht mehr leiden wollen, kommen ebenso zu Wort wie überzeugte Suizidgegner. Und auf beiden Seiten werden im Krimi Licht und Schatten gezeigt. Der Chef der Sterbehilfeorganisation mit dem fiktiven Namen „Transitus“ ist offenkundig sehr am Geldverdienen interessiert und leistet sich eine Luxusjacht. Der Gegenspieler bei der religiösen Organisation Pro Vita ist ein Heuchler, der einer Mitarbeiterin ein Kind macht und von ihr die Abtreibung verlangt.

Geistig Verwirrter wird zum Hauptverdächtigen

Das erste Mordopfer ist die „Transitus“-Sterbehelferin Helen Mathys (Ruth Schwegler). Kurz nachdem sie einer schwerstkranken Deutschen ein Fläschchen „Natrium-Pentobarbital, Dosis letalis“ gereicht hat, wird Mathys niedergeschlagen und mit einem Plastiksack erstickt. War es Martin Aichinger, der Sohn der Deutschen, der seiner Schwester vorwirft, die Mutter wegen der Erbschaft zum Dahinscheiden gedrängt zu haben? Allen Sterbehelfern wünscht er die biblischen Plagen an den Hals. Rasch wird der geistig verwirrte junge Mann - eindrucksvoll gespielt von Martin Butzke - zum Hauptverdächtigen.

Doch auch andere könnten ein Motiv haben. Wie sich herausstellt, hatte der „Transitus“-Manager Dr. Hermann (Andreas Matti) einst ein Verhältnis mit Mathys und wurde von ihr verlassen. War es Eifersucht? Verdächtig ist bald auch der eitle „Pro Vita“-Chef Josef Thommen (bestens besetzt mit Martin Rapold). Er musste fürchten, dass Mathys mit ihrem Wissen um die Schwangerschaft seiner Geliebten an die Öffentlichkeit geht.

Entscheidende Wende rückt näher

Doch dann wird eine weitere Frau, die scheinbar nichts mit der Sterbehilfe zu tun hat, auf dieselbe Art ermordet. Die entscheidende Wende rückt näher, der Krimi nimmt nun Fahrt auf. Kurz bevor das dritte Mordopfer unter einem Plastiksack erstickt, kennen wir die Täterin.

„Whodunit“-Experten dürften allerdings spätestens aufgehorcht haben, als „Transitus“-Helferin Nadine Camenisch (Anna Schinz) einen Gänsehaut-Satz sagte: „Ich spüre immer so eine positive Energie bei den Menschen, die hierherkommen zum Sterben.“

Düstere Bilanz

Am Ende weist die Bilanz neben dem einen freiwilligen Tod am Anfang drei brutale Morde sowie acht ebenfalls unfreiwillige Tode auf, von denen die Ermittler allerdings nur aus den Akten eines Krankenhauses erfahren.

„Freitod“ ist sicher ein geeigneter Titel für diesen ebenso düsteren wie mutigen Krimi. „Todesengel“ würde auch passen, aber vielleicht zu viel vorwegnehmen. Nach all dem Sterben ist man am Ende froh, dass sich der Kommissar aufmacht zu einer sehr lebensbejahenden Tätigkeit. Schade nur, dass man Evelyn nicht zu Gesicht bekommt, sondern nur über sie gesprochen wird. Doch dies ist ja nicht der letzte Schweizer „Tatort“. Und vielleicht trauen sich die Macher beim nächsten, dem „Menscheln“ der Kommissare wieder etwas mehr als nur ein paar Dialoge zu widmen.

Von RND/dpa

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