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15:24 27.11.2016
Eine sterbende Frau bewegt den Kommissar zum Nachdenken über sein eigenes Leben. Quelle: BR
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Berlin

Manchmal kommt sie eben doch, die zweite Chance. Und manchmal nimmt man sie erst dann wahr, wenn es zu spät ist – oder wenn es die erste Leiche gibt. Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) dämmert das, nachdem Julia Wendt (Judith Engel) unmittelbar neben ihm des Nachts auf leerer Straße von einem Auto totgefahren wird. „Muss ich sterben, jetzt?“, fragt sie. „Ja.“ „Ich will aber nicht.“ „Ich weiß“, flüstert von Meuffels und fragt sich bald, ob er sich getäuscht hat. In der Frau, die kurz nach ihrer Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie in seinen Armen stirbt. Oder in allen anderen.

Fünf Jahre zuvor hat der Kommissar Julia Wendt verhaftet und vor Gericht gegen sie ausgesagt, weil sie ihren Ehemann, einen Bankangestellten, verbrannte. Damals wie nun wieder behauptet sie steif und fest, in Besitz einer Liste zu sein. Einer Liste mit Namen von Kunden des Bankhaus Bayern, die Schwarzgeld in die Schweiz transferiert hatten. Doch zu wissen, wer genau das war, „das wäre nicht gut für das Land Bayern“, macht der Chef der Bank gegenüber dem Ermittler klar. Der bayerische „Polizeiruf: Sumpfgebiete“ unter Regie von Hermine Huntgeburth ist kein Wer-war-der-Mörder-Raten. Jeder weiß, dem eigenen Leben zuliebe hält man sich von Sümpfen besser fern.

Opfer wirft dem Kommissar Verrat vor

Kurz vor ihrem Tod noch hat das Opfer Julia Wendt von Meuffels Verrat an ihr vorgeworfen – ihm, dessen Funktion als Polizist doch Schutz versprechen müsste. „Vor fünf Jahren war ich naiv, das passiert mir nicht noch mal“, sagt sie, so naiv man das sagen kann. Hanns von Meuffels’ Vorgesetzter Alexander Beck (schön knarzig: Ulrich Noethen) erklärt hingegen, dass ihr Tod ein Unfall war, und führt aus, wie die Frau stattdessen hätte unverdächtig umgebracht werden können (unauffällig mit Gift in der Geschlossenen oder per fingiertem Selbstmord). Dann aber gibt er vor, seinem Kollegen beizustehen, sich um ihn zu sorgen. Steckt Beck mit drin? Und wieso interessiert sich plötzlich das LKA?

Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) stellt seine Kollegin Kathrin Schulz (Katharina Behrens) zur Rede. Quelle: Bayerischer Rundfunk

Dieser Münchner „Polizeiruf“ zeigt von der Stadt rumpelige Plätze und Hochhäuser, die so auch in den weniger hübschen Stadtteilen von Bielefeld, Hamburg oder Gera gefilmt worden sein könnten. Oder in den Achtzigerjahren. „Sumpfgebiete“ hat es immer schon überall gegeben. Die orangefarbene Schriftgestaltung von Vor- und Abspann sieht nicht nach 2016 aus. Die Sterbesequenz auf dem ausgeleuchteten Kopfsteinpflaster ist auch so ein klassisches Bild. Und wenn von Meuffels die verwüstete Wohnung der Toten durchsucht, begleiten ihn die dramatischsten Klänge der sonst sehr jazzigen Filmmusik von Christine Aufderhaar. Obendrein wird, wie schon im Sonntagskrimi der Vorwoche, stangenweise geraucht. So würdigen diese Stilmittel auch Althergebrachtes: geschätzte Tugenden, Umgangsformen, eine gewisse Zurückhaltung und Höflichkeit, die Matthias Brandt trotz Kraftausdrücke und nonkonformer Arbeitsweise verkörpern kann wie kaum ein anderer Kommissar. Der es schafft, mit einer Nuance in Mundwinkeln und Augenlidern gelangweilte Gleichgültigkeit, gütige Milde oder überlegenes Wissen ins Bild zu setzen. Und der den von der Toten übertragenden Verfolgungswahn schließlich annimmt, um ihn trickreich einzusetzen.

Aber wo ist diesmal Constanze Hermann (Barbara Auer)? Mit ihr spielte von Meuffels im Fall zuvor noch die Möglichkeit einer Reise durch, ihr stand er bei, als sie in ihrer Sucht versackte, war durch und durch angetan von dieser Frau Kollegin. Die Beziehung wird diesmal weder erwähnt noch fortgeführt. Von Meuffels gehört allerdings auch nicht zu denjenigen Kommissaren, die vom Alleinsein kaputt sind wie Faber und Murot. Einer gegen alle, zeigt der Preuße in Bayern, das geht auch mit Stil

Von Michaela Grimm

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