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Nachrichten Medien So gut wird der Frankfurt-„Tatort“
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09:56 18.12.2016
Auf der Suche nach Herrn Abendroth: Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) folgen tatsächlich den Hinweisen einer Krimiautorin. Quelle: Foto: ARD
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Frankfurt/Main

Manchmal ist langsam besser. So dauert es im neuen Frankfurter „Tatort: Wendehammer“ fast eine Stunde, bis der erste Tote telegen präsentiert wird. Aber auch ansonsten hat man ungewöhnlich viel Zeit in diesem entschleunigten Krimi, den der Schweizer Regie-Routinier Markus Imboden inszeniert hat. Und es geht vor allem humorig zu, oft mit feiner Ironie und mit ein paar netten Kalauern. Besonders eine Szene in der Gerichtsmedizin, bei der ein Auge verschwindet, ist umwerfend komisch.

Passend zu dieser bedächtig heiteren Stimmung sitzen selbst die beiden Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) gelangweilt in ihrem merkwürdigen Großraumbüro herum, entstauben gelangweilt Aktenordner oder beschäftigen sich mit alten Tonbandkassetten, während ihr Chef Henning Riefenstahl (Roeland Wiesnekker) seiner Passion nachgeht: Glühbirnen heimlich einzusammeln, um sie dann irgendwie zu ordnen.

Spannung kommt nicht so recht auf

Wer also in der ARD die übliche Sonntagabend-Krimikost erwartet, schaut diesmal das falsche Programm. Auch Spannung kommt bei der dann irgendwann sich entwickelnden Geschichte nicht so recht auf. Und bisweilen ist der Film sogar etwas langweilig, aber auf eine angenehm entspannte Weise. Was vor allem an dem inzwischen gut eingespielten Kommissarduo liegt. Bei de sind hübsch schrullig gezeichnet. Auch die Dialoge aus der Feder der Drehbuchautoren Stephan Brüggenthies und Andrea Heller sind amüsant.

Dass Janneke und Brix in ihrem Büro nicht völlig verstauben – Frankfurt scheint, was Kriminalität angeht, ein echtes Idyll zu sein – liegt an einer alten Dame namens Betti Graf (Cornelia Froboess), die ein Faible für Kriminalromane hat und selbst welche verfasst. Nun vermisst sie seit Tagen ihren Nachbarn, den Herrn Abendroth (Joachim Bißmeier), und glaubt, dass er ermordet worden ist.

Anna Janneke (Margarita Broich, links), Diana Engels (Nurit Hirschfeld) und Paul Brix (Wolfram Koch) im Einsatz. Quelle: HR

Dafür spricht aus ihrer kriminalistisch geschulten Sicht auch ein verschwundener Teppich in seiner Wohnung, mit dem der arme Abendroth vom Täter eingewickelt weggeschafft worden sein soll. Auch einen Verdächtigen kann Graf aufgeregt präsentieren: Nils Engels (Jan Krauter), der nebenan im Wendehammer wohnt und mit den anderen Anliegern einen Kleinkrieg führt. Besonders wegen der Haustiere, die er abgrundtief hasst, die er heimlich einfängt und auf nicht gerade geschmackvolle Weise dann entsorgt.

Ein Bilderbuchsoziopath des deutschen Fernsehens

Da unsere Kommissare ja gerade nichts zu tun haben, kümmern sie sich tatsächlich um den verschwundenen alten Herrn und um den verdächtigen Engels. Dabei stellt sich heraus, dass der sein Haus mit einer alles erfassenden Überwachungsanlage versehen hat. Wie fast immer in deutschen TV-Krimis ist der Mann ein Bilderbuchsoziopath.

Eine ziemlich aberwitzige Hightech-Räuberpistole bricht sich Bahn. Dabei geht es mal wieder um die Gefahren der vernetzten Welt, aber zum Glück auch um die von Laubbläsern. Ganz so ernst sollte man diese wilde absurde Geschichte nämlich nicht nehmen, dafür allein sorgen schon die eingestreuten Gags, netten Filmzitate („Harry Potter“!), haarsträubenden Erzählfehler und ein Finale wie aus einem James-Bond-Film.

Kurzum: Dieser „Wendehammer“ ist zwar kein Meisterwerk, aber ein recht unterhaltsamer Krimi mit zwei vorzüglichen Kommissaren, die in ihrem nächsten Fall mit den Folgen der Flüchtlingskrise zu kämpfen haben. Hoffentlich genauso ironisch!

Von RND/Ernst Corinth

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