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Medien Sollten Kinder das „Dschungelcamp“ gucken?
Nachrichten Medien Sollten Kinder das „Dschungelcamp“ gucken?
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22:51 12.01.2017
Am Freitag startet das elfte RTL-Dschungelcamp – wieder mit den Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Quelle: dpa
München

Am Freitag startet die elfte Staffel der RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Zwölf mehr oder minder Prominenten ziehen ins Dschungelcamp. Fans können es kaum erwarten – Medienpädagogen warnen dagegen vor solchen Fernsehformaten. Kinder sollten das „Dschungelcamp“ nicht schauen, heißt es auf der Homepage von „Flimmo“, einem Portal für Medienerziehung aus München.

Sie sind mehr oder weniger prominent, sie wollten Dschungelkönig werden – aber nur Marc Terenzi wurde es: Das waren die zwölf Kandidaten in der RTL-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“.

„Der Zuschauer wird zum Voyeur gemacht, Häme und Schadenfreude sind die wesentlichen Bestandteile der Sendung“, kritisieren die Medienpäddogen. „Wie Menschen hier in gefährlichen, peinlichen und ekligen Situationen bloßgestellt werden, vermittelt ein fragwürdiges Menschenbild.“ „Flimmo“ ist eine Programmberatung für Eltern und bewertet, ob Fernsehsendungen für 3- bis 13-Jährige geeignet sind.

Privatsender weist Kritik zurück

„RTL ist sich seiner besonderen Verantwortung als Programmanbieter bewusst. Alle genannten Formate durchlaufen eine permanente interne vorherige Kontrolle durch unseren internen Jugendschutz“, teilte der Privatsender am Donnerstag auf Anfrage mit. Häufig würden bestimmte Sendungen schon im Vorfeld den zuständigen Institutionen zur Freigabe vorgelegt.

Wer in den Dschungel geht, erhofft sich meistens einen Karriere-Kick. Was wurde eigentlich aus all denen, die sich durch Ekelprüfungen gequält und am Ende die Dschungelkrone davongetragen haben?

„Grundsätzlich gilt aber auch: RTL ist kein Kindersender und richtet sich mit seinem Programm vornehmlich an Erwachsene und Jugendliche“, erklärte der Sender weiter. Für das Kinderprogramm sei der Schwestersender Super RTL zuständig. „Wir setzen auf die Verantwortung der Eltern über das TV-Programm ihrer Kinder zu entscheiden.“

Kritik auch an anderen Sendungen von RTL

Doch nicht nur mit dem Dschungelcamp geht „Flimmo“ hart ins Gericht. Auch an den RTL-Formaten „Deutschland sucht den Superstar („DSDS“) und „Der Bachelor“ gibt es Kritik: „Verunglückte Auftritte talentfreier Kandidaten werden ausgeschlachtet“, bemängeln die Pädagogen an der „DSDS“-Castingshow mit Dieter Bohlen. „Die Sendung vermittelt vor allem eine Botschaft: Um Erfolg zu haben, muss man bereit sein, sich dem Werturteil einer höheren Instanz zu unterwerfen. Individualität, Kreativität und kritisches Denken bleiben dabei auf der Strecke.“

Beim „Bachelor“, bei dem junge Frauen um einen Mann buhlen und um die letzte Rose kämpfen, kritisiert „Flimmo“ Vorstellungen von Liebe und Beziehung, die „aus pädagogischer Sicht haarsträubend“ seien. „Die Kandidatinnen bieten sich ihrem Märchenprinzen an, um endlich ihre Erfüllung zu finden. Dabei sind Äußerlichkeiten ausschlaggebend: Attraktiv, sexy und anschmiegsam müssen die Kandidatinnen sein.“ Außerdem werde der „Zickenkrieg“ als typisch weibliches Verhalten in Szene gesetzt.

Kritik gibt es auch an Heidi Klums „Germany's Next Topmodel“ auf ProSieben. Dabei werde ein „Frauenbild von vorgestern“ verbreitet. „Das Ideal vom makellosen Körper und von bedingungsloser Anpassung ist für junge Zuschauer doppelt problematisch: Statt selbstbewusst die eigene Individualität samt körperlicher Eigenheiten zu akzeptieren, wird ein mediales Schönheitsideal zur Messlatte.“

Das Fazit der Medienpädagogen: „Jüngeren Kindern bis etwa Ende des Grundschulalters sollten solche Sendungen am besten erspart bleiben.“

Von dpa/RND

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