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Medien „Tatort“ – Mord nach allen Regeln der Kunst
Nachrichten Medien „Tatort“ – Mord nach allen Regeln der Kunst
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18:00 19.11.2017
Der Tod ist ein Künstler in Münster: Eine „Skulptur“ vor dem Rathaus sorgt für Aufsehen – in ihr ist ein Toter versteckt. Ein Fall für Thiel (Axel Prahl, rechts) und Boerne (Jan Josef Liefers, links). Quelle: Foto: ARD
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Hannover

Schon der Titel ist brillant, aber auch sonst erfüllt dieser „Tatort“ aus Münster endlich mal wieder die großen Erwartungen: Die Geschichte ist originell und geistreich, die Dialoge sind nicht wie so oft für das Duo Thiel und Boerne auf Kalauer gebürstet. Anders als in seiner letzten Münster-Episode hat Regisseur Lars Jessen Krimi und Komödie deutlich besser austariert.

Ein gruseliger Zwischenfall bei den Skulpturentagen

Star des Films ist die Titelfigur, die zwar wie Gott klingt, sich aber G.O.D. schreibt. Hinter dem Namen verbirgt sich ein exzentrischer Aktionskünstler, der die nur alle zehn Jahre stattfindenden Skulpturentage Münster zu einem unvergesslichen Erlebnis machen soll. Eine Figur wie gemacht für Aleksandar Jovanovic, der mit seinen markanten Gesichtszügen und dem stechenden Blick gern in erstklassig verkörperten zweitklassigen Schurkenrollen besetzt wird.

Zoltan Rajinovic alias G.O.D. gehört daher selbstredend zu den Verdächtigen, als kurz vor Eröffnung der Ausstellung eine bizarr verpackte Leiche gefunden wird. Eines Morgens steht vor dem Rathaus ein lebensgroßes Kunstwerk, das dem „Jack in the Box“ nachempfunden ist: ein Clown, der aus einer Schachtel springt. Bei dem konservierten Toten, der unter der Maskerade zum Vorschein kommt, handelt es sich um ein Ratsmitglied, das kürzlich wegen Kindesmissbrauchs angeklagt war, aber freigesprochen wurde.

Kunstaffiner Mörder verübt Selbstjustiz

Ein weiteres Mordopfer taucht mumifiziert in einem Schlauchboot vor einem Flüchtlingsheim auf, in der Hand ein Schild mit der Kurzform eines Gandhi-Zitats – der Tote war ein Ausländerhasser. Spätestens bei Leiche Nummer drei gibt es keinen Zweifel mehr: Ein kunstaffiner Mörder übt Selbstjustiz. Dank der Hinweise, die Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) in den Leichen findet, kommen Hauptkommissar Thiel (Axel Prahl) und seine Kollegin Krusenstern (Friederike Kempter) zu dem Schluss, dass der Täter einen vierten Leichnam und den Höhepunkt der Serie anlässlich der Ausstellungseröffnung präsentieren wird. David Finchers Thriller „Sieben“ lässt grüßen.

Das Drehbuch stammt von Christoph Silber und Thorsten Wettcke, die unter anderem den historischen Sat.1-Krimi „Mordkommission 1“ (2015) und das Medical-Drama „Das Wunder von Kärnten“ (2012) geschrieben haben. Zum „Tatort“ aus Münster haben sie die Episoden „Schwanensee“ und „Zwischen den Ohren“ beigesteuert. In „Gott ist auch nur ein Mensch“ nutzen sie das Sujet nicht zuletzt für manche Seitenhiebe gegen den Kunstbetrieb.

Thiel und die seltsame Kuratorin

Lieblingsfigur in dieser Hinsicht ist eindeutig Nika Wenger (Gertie Honeck), die ehemalige Kuratorin der Skulpturen-Tage, ein Kunstparasit, der prätentiöse Sprechblasen absondert. Ihre Nachfolgerin ist die eigene Tochter Klara (Victoria Mayer), die eine etwas ausufernde Kindheitsgeschichte zum Besten gibt: Nika lebte einst gemeinsam mit Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) in einer Kommune, und weil auch Thiels Vater samt Sohn regelmäßig dort vorbeigeschaut hat, begrüßt Klara den Kommissar überschwänglich als „Frankie“.

Fotos belegen gemeinsame unbeschwerte Kindertage, an die sich Thiel seltsamerweise gar nicht erinnern kann. Das könnte damit zu tun haben, dass die Kindheit des Kommissars unübersehbar viel länger her ist als die der Kuratorin; Prahl ist 16 Jahre älter als Mayer. Die entsprechenden Szenen wirken nur wie ein missglückter Versuch, auch Thiel senior (Claus Dieter Klausnitzer) in die Handlung einzubeziehen. Dass Klara dem Ex-Spielkameraden vorschlägt, wie früher die Kleider zu tauschen, ist echt blödsinnig.

Auch komödiantische Krimis brauchen eine gute Story

Auf die üblichen Slapstickelemente hat Jessen verzichtet. Anders als in vielen früheren Krimis aus Münster haben die Autoren Christoph Silber und Thorsten Wettcke über ihren Spaß am Spiel mit Wortwitz und absurden Einfällen nicht vergessen, dass auch komödiantische Krimis in erster Linie eine gute Geschichte brauchen. Dass der charismatische G.O.D. keine anderen Götter neben sich duldet, versteht sich von selbst.

Von Tilmann P. Gangloff / RND

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