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Nachrichten Medien Tukur jagt bestialischen Serienmörder
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11:38 20.11.2016
Brüder im Geiste, Gegner im Leben: Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) und Arthur Steinmetz (Jens Harzer, hinten). Quelle: Foto: ARD
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Hannover

„Tatorte“ mit Ulrich Tukur sind anders. Mal ist es die ungewöhnliche Erzählweise, dann das Spiel mit Fantasie und Wirklichkeit oder die sonderbare Auswahl der Figuren. Und manchmal sind – wie zuletzt in „Wer bin ich?“ – die Fälle seines Felix Murots so überdreht, ja so überkandidelt und manieriert, dass man sie entweder liebt oder vorzeitig abschaltet. Auch sein sechster Auftritt als Murot am Sonntag in „Es lebe der Tod“ erfüllt diese Erwartungen, obwohl Tukur diesmal erstaunlich zurückgenommen agiert – was dem Film richtig guttut. Inszeniert hat ihn Sebastian Marka nach einem Drehbuch von Erol Yesilkaya. Beide waren auch für den kürzlich ausgestrahlten, hochgelobten Münchner-„Tatort: Die Wahrheit“ verantwortlich.

Viel darf man nicht vorab verraten, weil es den Zuschauern den Spaß nehmen würde. Nur so viel: In der Geschichte geht es um einen Serienmörder, der bereits fünf Menschen ermordet hat. Seine Opfer überfällt er in ihren Wohnungen, sediert sie mit Medikamenten, legt sie dann in eine mit warmem Wasser gefüllte Badewanne, um ihnen anschließend die Pulsadern zu öffnen. Und nun hat er offenbar zum sechsten Mal zugeschlagen. Sein Opfer ist eine junge Frau, der er aber zum ersten Mal zusätzlich die Kehle durchgeschnitten hat.

Miesepeter Murot muss am Geburtstag arbeiten

Als Murot am Tatort erscheint, wirkt der Ermittler des LKA Wiesbaden jedoch merkwürdig unberührt, ja fast gleichgültig. Das Opfer und das viele Blut scheinen ihm völlig egal zu sein. Was vielleicht daran liegt, dass er an diesem Tag Geburtstag hat – seinen 60. – und dass die in seiner Dienstelle angedrohte Feier für ihn ein Graus ist. Die Party findet jedenfalls schließlich ohne ihn statt. Sein missmutiger Kommentar: „Ich bin ein Jahr älter; was gibt es da zu feiern?!“

Und dann nimmt die Geschichte Fahrt auf. Kurz nachdem Murot die Feier verlassen hat, meldet sich der Serienmörder telefonisch bei ihm. Und wenig später treffen sich die beiden, weil der geheimnisvolle und lange Zeit namenlose Mann klarstellen will, dass er die letzte Tat nicht begangen hat.

Frage nach dem Wert des Lebens

Danach entwickelt sich ein brillant inszeniertes, düster beklemmendes Psychoduell zwischen Murot und dem Mörder, bei dem es vor allem um die Frage nach dem Wert des Lebens und dem Tod als Erlösung geht. Ein selten unterbrochener Dialog in knappen klaren Sätzen, der sehr viel über diese beiden Figuren verrät, auch über ihre Kindheit, ihre späteren Erkrankungen und besonders über ihre quälende Einsamkeit, die in beiden Fällen depressive Züge trägt.

Und langsam, das mag irritieren, findet man den Mörder dann sogar ein wenig sympathisch. Ja, man versteht den Wahnsinn, der ihn umtreibt und zum Täter werden lässt. Und womöglich ist er auch der Einzige, der Murot durchschaut und versteht. Jedenfalls weiß er erstaunlich viel über den Kommissar und kennt seine Schwächen und heimlichen Wünsche.

Tukur trifft auf einen ebenbürtigen Gegner

Dieses Psychoduell gelingt besonders gut, weil Ulrich Tukur in Jens Harzer ein ebenbürtiges Gegenüber hat. Er verkörpert den Killer so beängstigend überzeugend, dass diese Figur tatsächlich Kultpotenzial hat. Dabei ist Harzer bisher vorwiegend als Theaterschauspieler in Erscheinung getreten. Der 44-jährige Wiesbadener ist festes Ensemblemitglied am Hamburger Thalia-Theater und 2008 sowie 2011 von der Zeitschrift „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt worden. Dass er so selten in Fernsehproduktionen zu sehen ist, ist schade.

Auch dieser neue Tukur-„Tatort“ also, der hoffentlich nicht sein letzter sein wird, bietet keine kriminalistische Hausmannskost. Er ist kein einfacher Krimi, bei dem die Jagd nach einem Serienmörder im Mittelpunkt steht. Dennoch lohnt sich der Blick in die seelischen Abgründe dieses ungewöhnlichen Ermittlers und seines faszinierenden Gegenspielers.

Von RND/Ernst Corinth

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