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Vergewaltigung: Hat er oder hat er nicht?

ARD-Drama mit Hannes Jaenicke Vergewaltigung: Hat er oder hat er nicht?

Ist es wirklich eine Vergewaltigung – oder Verleumdung? Ein ARD-Drama mit Hannes Jaenicke greift eine brisante Debatte auf – nach einem wahren Fall. Gedreht wurde der Film in weiten Teilen in Hannover.

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Judith (Ursula Strauss) geht’s gut im neuen Job. Doch das wird sich ändern.

Quelle: ARD

Hannover. Wie schnell und einfach unsere Urteile zu beeinflussen sind, das kann im aufregenden Drama „Meine fremde Freundin“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD) jeder Zuschauer selbst fast schmerzhaft erleben. Der Fall orientiert sich grob an einem der größten deutschen Justizskandale der jüngeren Vergangenheit: dem Schicksal des hessischen Studienrats Horst A., den das Landgericht Darmstadt 2002 wegen der angeblichen Vergewaltigung einer Kollegin zu fünf Jahren Haft verurteilte.

Der NDR verlegte das Geschehen von einem Odenwalder Gymnasium ins hannoversche Gesundheitsamt. Gedreht wurde unter anderem in einer leer stehenden Etage des Sozialamts an der Hamburger Allee, im Zoo und am Nordstädter St.-Nikolai-Friedhof. Die Gerichtsszenen wollte man im hannoverschen Landgericht drehen, doch dieses lehnte ab. „Wir stellen unsere Räume nur für Veranstaltungen zur Verfügung, die dem Ansehen der Justiz nicht abträglich sind“, begründet Pressedezernent Hans-Christian Rümke die Absage. Die Story: Die gebürtige Österreicherin Judith (famos: Ursula Strauss), eine alleinstehende Frau um die 40, tritt einen neuen Job im Amt an. Schnell freundet sie sich mit der netten Kollegin Andrea (Valerie Niehaus) an, die verheiratet ist und zwei Kinder hat, aber eine gute Freundin scheint ihr zu fehlen. Alles ist für Judith in bester Ordnung, wenn da nicht in ihrem Amt der Büro-Macho Volker (schön schmierig: Hannes Jaenicke) wäre. Er fällt ihr bereits an ihrem ersten Arbeitstag unangenehm auf, da sein Macker-Gehabe und seine oft brutal anzüglichen Bemerkungen nur schwer zu ertragen sind. Und außerdem, erfährt sie, soll er erst kürzlich eine Kollegin regelrecht weggemobbt haben.

Was ist im Kopierraum geschehen?

Doch von seiner Vorgesetzten (Johanna Gastdorf) wird Volker wegen seiner beruflichen Kompetenz geschätzt, und auch Judith scheint sich mit ihm dann irgendwie zu arrangieren. Bis zu dem Tag, an dem die beiden allein im Aktenraum aufeinandertreffen – in einer Szene, von der der Zuschauer nur den Anfang sieht. Danach folgt ein harter Schnitt. Und man sieht, wie Judith völlig aufgelöst durch den Büroflur eilt. Kurz danach meldet sie sich krank.

Obwohl vieles, ja das eigentlich Entscheidende also im Dunkeln bleibt, ahnt der Zuschauer sofort, was dort womöglich im Aktenraum geschehen ist. Und diese Ahnung wird zur Gewissheit, als kurze Zeit später Andrea ihre Freundin zu Hause besucht. Nach anfänglichem Zögern schildert Andrea ihr unter Tränen den Vorfall. Judith kann sie schließlich überreden, ihren Kollegen anzuzeigen. Dann nehmen die Dinge ihren Lauf.

Vor Gericht wird Volker, der die Tat energisch bestreitet, zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt. Und obwohl Aussage gegen Aussage steht, ist man als Zuschauer mit dem Urteil höchst zufrieden – vor allem, weil die Sympathie ja eindeutig dem vermeintlichen Opfer gehört. Doch dann nimmt der Film eine Wendung, die den Zuschauer nicht nur überraschen, sondern wohl auch verunsichern wird.

Klischees und Vorurteile prägen unsere Wahrnehmung

Inszeniert haben das sehenswerte Drama die mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Filmemacher Stefan Krohmer (Regie) und Daniel Nocke (Buch), die durch die Autorin Katrin Bühlig unterstützt wurden. Und wie zuletzt in ihrer exzellenten Alltagskomödie „Neu in unserer Familie“ hinterfragen sie sehr geschickt Vorurteile und Klischees, die unsere Wahrnehmung alltäglich beeinflussen und prägen.

Natürlich gibt es auch prominente Vorbilder wie die Prozesse von Jörg Kachelmann, Andreas Türck oder Gina-Lisa Lohfink, die gezeigt haben, wie schwierig es ist, festzustellen, ob Vergewaltigungsvorwürfe wirklich zutreffen oder warum Opfer dabei oft keine Gerechtigkeit erfahren. Es besteht nach diesem ARD-Film also Diskussionsbedarf, nicht zuletzt auch wegen der aktuellen Sexismusdebatte. Daher stehen diese Themen direkt im Anschluss im Mittelpunkt von Sandra Maischbergers Talkrunde. Ihr Thema: „Sexuelle Nötigung, Lügen und Vorurteile“.

Von Ernst Corinth und Michael Zgoll

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