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Nachrichten Medien Warum im Weimar-„Tatort“ die Tassen fliegen
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17:48 03.02.2017
Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ermitteln im vierten Weimaraner Tatort auch in einer Porzellanmanufaktur. Quelle: MDR/HA Kommunikation
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Hannover

Die Andrea hat’s zerrissen. So richtig. „Oh hier, ein Finger“, sagt ein professioneller Körperteileeinsammler lakonisch. Ist halt blöd, wenn man als verstoßene Freundin mit der Heckenschere zornesblind im Garten des Ex-Kerls herumsemmelt und dabei eine britische Fliegerbombe erwischt. Bloß: Warum enthielt die Bombe Nachkriegssprengstoff? Und wer hat es überhaupt auf den arglosen Polizisten und Freizeitgärtner Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) abgesehen, diesen braven Schutzpolizisten mit seinem Kakaofimmel? Und warum hat der für 6 Millionen Euro neulich ein Schloss gekauft? Und warum ist der Weimar-„Tatort“ diesmal leider nicht ganz so lockig-flockig geraten, wie es dem Team doch sonst so verlässlich gelingt? Fragen über Fragen.

Schrullige Provinzgeschichte voller halb kaputter Typen

Wieder so eine schrullige Provinzgeschichte voller halb kaputter Typen also – es geht um Mausoleen, Wurst und Tassen: Im Mittelpunkt stehen die knorrige Olga (wundervoll: Carmen-Maja Antoni, als Mutter von Bjarne Mädels Polizisten Dietmar Schäffer in „Mord mit Aussicht“ zu sehen) und ihr krimineller Sohn Ringo (Florian Panzner). Beide scheinen auf seltsame Weise mit der Thüringer Porzellanmanufaktur Scholder verbandelt zu sein, in der nach dem Tod des Patriarchen der Haussegen schief hängt: Seine beiden Töchter (als Engelchen: Laura Tonke, als Teufelchen: Katharina Heyer) zoffen sich bis aufs Blut, werfen mit allerhand Geschirr unterschiedlicher Qualität um sich und haben – Verzeihung – nicht mehr alle Tassen im Schrank. Da hilft’s auch nicht weiter, dass der schmierige Anwalt Lothar Brack (Rüdiger Klink) mit der teuflischen Tochter vögelt. Irgendwie ist dann auch noch ganz böses, tödliches Gift in Lupos Körper geraten. Und die Kollegen Lessing (wie immer charmant verpeilt: Christian Ulmen) und Kira Dorn (wie immer zauberhaft schroff: Nora Tschirner) stehen barmend an seinem Bett, weil er in 72 Stunden tot zu sein droht.

Der Fall bleibt ein wenig koffeinarm

Das ist der Fall, durch den der lustige Stoffelkommissar und seine schnodderig-abgezockte Gemahlin eilen wie durch einen Schwank von Curt Goetz. Es ist, als gingen im Geiste dauernd Schwingtüren auf und zu, durch die aufs Stichwort frisches Personal strömt, um gesteuert von Gevatter Zufall die Handlung voranzutreiben. Das ist nicht ohne Charme, und sicher ist es ironisch gemeint, wenn Ausdrücke wie „Ich glaube, mein Mops tanzt Mambo“ fallen. Trotzdem bleibt die Räuberpistole ein wenig koffeinarm.

Allzu wortreich kommt die Sache daher, allzu groß ist die Freude des sonst absolut versierten Autorenteams Murmel Klausen und Andreas Pflüger an der Kalauerei („Ich übergebe mal – und dann übergebe ich mich“) und an entspannt gemeinten Anschlussgags („Die Wunde suppt“ – „Apropos Suppe: Ich hol’ euch was zu essen“).

Das ist schon auch lustig, dass die Biotoilette „Exkrema 7500“ voller Kinderkacke aus der Kita als Running Gag dient. Aber das Finale wirkt dann halt doch leider, als würde ein Stadttheater James Bond inszenieren und hinterher behaupten, es meine das Holprige ironisch, avanti dilettanti, weißte?

Es darf ruhig noch etwas absurder zur Sache gehen

Ulmen zeigt zurzeit in der hochkomischen, halb improvisierten Maxdome-Serie „Jerks“ mit Fahri Yardım virtuos, wie schmal der Grat zwischen Kunst und Klamotte, zwischen lustig und lästig ist (mit im Boot: Murmel Klausen). Im Grunde ist es ja eine tolle Idee, sich einen Dreck zu scheren um die deutschen Krimiregeln. Da ist noch Platz zwischen der Betulichkeit humorfreier Biedermännerkommissare in ihren graublauen Elendsfällen und den blödelnden Münsteranern. Aber dann darf’s gerne noch entschlossener, noch absurder zur Sache gehen.

„Immer wieder stoßen wir im dunklen Herz Thüringens auf Stämme – sie nennen es Dörfer –, die seit Jahrhunderten keinen Kontakt zur Außenwelt hatten“, sagt Drehbuchautor Pflüger. „Man lädt uns dann auf ein Gläschen grobe Wurst ein, und die Alten erzählen uns ihre Legenden“, sagt Kollege Clausen. Pflüger: „Und wenn das Drehbuch fertig ist, sagen wir: Genauso hat man es uns berichtet.“

Verdammt – den Film hätte ich gern gesehen!

Von RND/Imre Grimm

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