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09:35 01.09.2017
Und Action: Barry (Barack Obama) und Joe (Joe Biden) haben nach einer Zeitreise in die Achtzigerjahre alle Hände voll zu Tun, Donald Trump zu bekämpfen. Wenn es nach Adam Reid geht, wird aus der Zeichnung bald eine Trickfilmserie. Quelle: Foto: Screenshot
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New York

Amerikanische Wissenschaftler schaffen einfach alles. In „Barry & Joe: The Animated Series“ lassen sie den Ex-Präsidenten Barack Obama und seinen Vize Joe Biden zurück in die Achtzigerjahre reisen. Als wieder jung gewordene Actionjungpolitiker bekämpfen sie dort Donald Trump, dessen Präsidentschaft sie verhindern wollen, „um die Zukunft zu retten“. „Ein Bösewicht, den man hört und fühlt, den man aber nie sehen wird,“ sagt Serienerfinder Adam Reid, „natürlich bis auf seine winzigen Hände.“

Trump als Schurke einer Trickfilmserie

Noch ist das Trickfilmprojekt in der Finanzierungsphase, von den benötigten 100 000 Dollar wurden via Crowdfunding auf Kickstarter bislang 80 000 eingetrieben. Das Geld wird dann in eine Pilotfolge gesteckt, die wiederum Produzenten und Sender für eine erste Staffel auf den Plan rufen soll. Präsident Trump, der Poltergeist unter den Populisten, ist in der Medienwelt angekommen – als Schurke.

Eigentlich ist er das schon länger, seit Alec Baldwin ihn für „Saturday Night Live“ parodierte und dem Klassiker unter den amerikanischen Comedy-Formaten damit die höchsten Quoten seit mehr als 20 Jahren bescherte. Oder seit der Trump-Persiflierer Anthony Atamaniuk mit der im April gestarteten „The President Show“ das erfolgreichste Seriendebüt des Senders Comedy Central der vergangenen drei Jahre landete.

Der Präsident wird vom Fernsehen durch den Kakao gezogen

Der erschreckende Präsident macht Spaß als Witzfigur. 14 Folgen lang werden Trump (Atamaniuk), Mike Pence (Peter Grosz) und Steve Bannon (John Gemberling) seither im Format einer klassischen Late-Night-Show durch den Kakao gezogen – ein Absurditätsrennen freilich zwischen Fernsehen und der täglichen, tragikomischen Wirklichkeit im Weißen Haus.

Der US-Satiriker Stephen Colbert, ein scharfer Trump-Kritiker, der durch die Kunstfigur eines rechtspopulistischen TV-Moderators in der Serie „Colbert Report“ bekannt wurde und 2015 die „Late Show“ von David Letterman übernahm, verlegt sich derzeit wie Adam Reid aufs Produzieren von Trump-Animation. Showtime hat zehn Folgen einer noch namenlosen Serie geordert, in der Trump samt seiner Entourage aufs Korn genommen werden soll. Showtime verspricht „Einsichten darin, was diese Leute so unbedingt trumpisch macht“. Im Herbst soll es losgehen

Im Internet ist Trump schon längst Star von Webseiten und Apps wie „DJ Trump“, wo man 7000 Wörter und Sätze des Präsidenten aus Nachrichtenmaterial wild und frei kombinieren und witzige Unsinnsvideos erstellen kann oder Namensgeber des „Trump Wall Simulator“, der vor allem Mexiko erheitern dürfte. Auch Hollywood politisiert. Einige Filme, die in den nächsten Monaten in den USA in die Kinos kommen, scheinen förmlich auf die Amtszeit von Präsident Donald Trump zugeschnitten zu sein. Geradezu prophetisch, wenn man bedenkt, dass die Produktion eines Kinofilms nicht selten mehrere Jahre dauert.

Hollywood zieht Parallelen zur politischen Aktualität

Abseits des alljährlichen Oscar-Rennens bahnt sich im Winterhalbjahr in den Kinos ein ganz besonderes Drama an. In den Hauptrollen: Hollywood und das Weiße Haus.

Da wäre zum Beispiel Peter Landesmans Film „Mark Felt“. Liam Neeson spielt den FBI-Agenten Felt alias „Deep Throat“, den wichtigsten Informanten in der Watergate-Affäre, die schließlich 1974 zum Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon führte. Dass Trump nur wenige Monate vor Erscheinen des Films den FBI-Direktor James Comey feuert, konnte Landesman nicht ahnen. „Man hätte diesen Film auch vor fünf oder zehn Jahren drehen können“, sagt der Regisseur. „Dass er ausgerechnet in diesem Jahr herauskommt, hat etwas Übermenschliches.“ Mark Felt habe nur seinen Job in Ruhe machen wollen – „das wollte Jim Comey auch“.

Ähnliche Parallelen zur politischen Aktualität lassen sich bei Steven Spielbergs „The Post“ ziehen, einem Film über die Veröffentlichung der sogenannten Pentagon-Papiere 1971, die unter anderem enthüllten, dass der Vietnamkrieg entgegen der offiziellen Darstellung von langer Hand geplant war. Die hochkarätige Besetzung mit Meryl Streep und Tom Hanks in den Hauptrollen wirkt wie ein Star-Team, das Hollywood als Antwort auf Trump aufgestellt hat. Streep, die bei der Golden-Globe-Gala im Januar scharf mit Trump ins Gericht ging, gilt schon jetzt als sichere Kandidatin für eine Oscar-Nominierung.

Filmemacher nehmen sich Patriotismus und Politik vor

Amerikanisches Heldentum steht im Mittelpunkt des Films „The 15:17 to Paris“. Regisseur Clint Eastwood hat die wahre Geschichte einer vereitelten Terrorattacke auf den Thalys-Zug von Amsterdam nach Paris verfilmt. Das Besondere: Die drei als Helden gefeierten Amerikaner Anthony Sadler, Alex Skarlatos und Spencer Stone spielen sich selbst. Ob der Film noch in diesem oder erst im nächsten Jahr in die Kinos kommt, ist noch nicht bekannt.

Andere Filmemacher haben sich die Schnittstelle zwischen Patriotismus und Politik vorgenommen. Nur einige Wochen, nachdem Trump eine Truppenverstärkung in Afghanistan angekündigt hat, erinnert „Last Flag Flying“ an den Preis, den Soldaten für den Krieg zahlen. Es geht um das Wiedersehen dreier Marines aus traurigem Anlass: Einer von ihnen hat einen Sohn im Irakkrieg verloren.

„Last Flag Flying“ ist eher ein Road-Movie als ein Kriegsfilm. Regisseur Richard Linklater will die persönlichen Folgen des Krieges zeigen. „Krieg bedeutet, dass Zivilisten getötet werden. Er bedeutet tote Amerikaner. Er bedeutet exorbitante Kosten“, sagt Linklater. „Das macht einem Sorgen bei Trump: Dass immer die Typen, die nicht kämpfen, ihre Männlichkeit beweisen wollen, indem sie Bomben werfen oder Raketen abschießen lassen und sich dabei als harter Kerl fühlen.“

Auch in „Thank You for Your Service“ geht es um die menschlichen Kosten des Krieges. Der Film erzählt die Geschichte dreier Soldaten, die aus dem Irak zurückkehren und versuchen, sich in ihrem alten Leben zurechtzufinden.

George Clooney erzählt von der Paranoia der Weißen Männer

Und Hollywood hat noch mehr Politisches zu bieten: In „Marshall“ spielt Chadwick Boseman den schwarzen Juristen Thurgood Marshall, der als junger Anwalt für die Bürgerrechtsbewegung arbeitete und später als erster Afroamerikaner an den Obersten Gerichtshof berufen wurde. In Rob Reiners Film „LBJ“ verkörpert Woody Harrelson den 36. Präsidenten der USA, Lyndon B. Johnson, der 1968 das Bürgerrechts-Gesetz unterzeichnete.

Angesichts der schweren Ausschreitungen von Rechtsextremen in Charlottesville ist George Clooneys neuestes Werk von ungeahnter Brisanz. „Suburbicon“ spielt in den 1950er Jahren in einem gepflegten Vorort irgendwo in den USA. Unter der idyllischen Fassade schlummern jedoch Gewaltbereitschaft und Rassismus. Die Paranoia weißer Männer sei ein zentrales Thema des Films, sagt Clooney. Die Wahl Trumps zum US-Präsidenten fiel in die Zeit der Dreharbeiten. „Einige Crew-Mitglieder kamen zu mir und sagten: Wie schade, dass der Film nicht heute rauskommt. Und ich antwortete: Leider sind diese Themen niemals überholt.“

Darauf hoffen auch die Trickfilmhelden Obama und Biden. Ob aus „Barry & Joe“ tatsächlich eine Serie wird? Lasst uns mal von Adam Reids amerikanischen Wissenschaftlern vier Jahre in die Zukunft transportieren. Dann wissen wir nicht nur das sondern auch, wen Amerika bei der nächsten Wahl zum Präsidenten macht.

Von Matthias Halbig und Jake Coyle / RND

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