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Neues Mac-System "El Capitan" rückt näher an iOS heran

Computer Neues Mac-System "El Capitan" rückt näher an iOS heran

Apple führt sein Mobilsystem iOS für das iPhone und iPad und das Betriebssystem OS X für die Macintosh-Computer immer stärker zusammen. Das ist der erste Eindruck nach einem Vorabtest der neuen Desktop-Software.

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Das neue Macintosh-Betriebssystem OS X 10.11 «El Capitan» soll im Herbst 2015 veröffentlicht werden. Screenshot: Christoph Dernbach

Quelle: Christoph Dernbach

Berlin. Insbesondere bei der Gestensteuerung, aber auch wichtigen Anwendungen wie Maps und Notizen wachsen die Systeme für den Schreibtisch und die Mobilgeräte zusammen. Allerdings lässt noch die virtuelle iPhone-Sprachassistentin Siri in OS X auf sich warten.

Die neue Version von OS X 10.11 wurde von Apple nach dem 1000 Meter hohen Monolith "El Capitan" im Yosemite-Nationalpark benannt. Die Namensgebung zeigt, dass Apple im Vergleich zum Vorgängersystem "Yosemite" keinen radikalen Neu-Anfang gesucht, sondern an Details gefeilt hat. Zu diesen kleinen nützlichen Dingen gehört die Funktion, nach dem Einschalten des Rechners den Mauszeiger zu finden. Gerade wenn man mit mehreren Monitoren arbeitet, konnte dies bislang ein kleines Geduldsspiel sein. Nun reicht ein zügiges Hin- und Her-Wischen mit dem Finger auf dem Trackpad oder eine ähnliche Bewegung der Maus aus, um den Zeiger eine kurze Zeit lang so zu vergrößern, dass er nicht mehr übersehen werden kann.

Bei der Bedienung der Mail-App orientiert sich Apple nun stark an dem Mobil-System: Einzelne Mails lassen sich nun mit einer Wischbewegung wie bei iOS ins Archiv bewegen, löschen oder als ungelesen markieren. Wer OS X nicht am einem MacBook-Laptop verwendet, sondern an einem iMac oder einem anderen Desktop-Rechner, benötigt dafür ein Trackpad.

Bei der Suchfunktion Spotlight holt Apple nun einige Funktionen nach, die Anwender des Google-Dienstes Now bereits kennen. Spotlight versteht nun auch natürlichsprachige Abfragen und berücksichtigt dabei auch den Kontext. Wenn der Anwender beispielsweise nach dem "Wetter am Freitag" ohne eine Ortsangabe fragt, geht das System davon aus, dass die Wettervorhersage für den Standort gelten soll, an dem sich der Rechner gerade befindet. Als richtig praktisch erweist sich diese Funktion im Zusammenspiel mit anderen Anwendungen, die auf dem Rechner installiert sind: So versteht Spotlight Anfragen wie "Zeige alle ungelesenen Mails, die ich von Simon erhalten habe" oder "Zeige alle Dokumente, die von Katja im Mai erstellt wurden".

Die äußerst einfache Suche nach Sportergebnissen in Spotlight funktioniert in der Beta-Version bislang nur auf Englisch und auch nur für US-Teams wie die San Francisco Giants oder die Seattle Mariners. Bis zum Marktstart soll Spotlight aber auch Hinweise geben können, ob sich der HSV schon wieder auf einem Abstiegsplatz befindet und wie aktuelle Bundesliga-Spiele ausgegangen sind.

Mit "El Capitan" führt Apple die Grafik-Schnittstelle Metal auch für OS X ein. Sie stand bis dahin nur für das Mobilsystem zur Verfügung. Auf der WWDC demonstrierte der Spielehersteller Epic Games hat die Vorteile anhand seines Actionspiels Fortnite. Von dem Geschwindigkeitszuwachs sollen aber auch andere rechenintensiven Anwendungen profitieren, etwa die Programme der Creative Suite von Adobe, etwa zur Foto- und Videobearbeitung. Das Rendering der Videosequenzen in einer angepassten Version der Anwendung After Effect sei acht Mal schneller als vorher abgelaufen, sagte Apple-Software-Chef Craig Federighi und berief sich dabei auf Entwickler von Adobe. Aber auch für Normal-Anwender, die auf dem Mac "nur" E-Mails lesen oder ein PDF-Dokument öffnen, soll alles viel flotter werden.

Deutlich verbessert hat Apple inzwischen seine Karten-Anwendung Maps. Die App leidet noch immer unter dem Image-Debakel nach der Einführung von Apple Maps im Mobilsystem iOS 6 im Sommer 2012. Das Kartenmaterial und seine Aufbereitung waren damals noch äußerst fehlerhaft und Apple-Chef Tim Cook musste sich dafür öffentlich entschuldigen. in den vergangenen Monaten hat Apple allerdings viele Hausaufgaben erledigt, so dass es sich inzwischen neben populären Konkurrenten wie Google Maps oder Nokia Here eine gute Figur macht.

Mit "El Capitan" (und auch dem neuen Mobilsystem iOS 9) werden in Apple Maps nun auch Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs angezeigt - zumindest in ausgewählten Städten. Neben etlichen US-Großstädten sowie 300 Metropolen in China wird der Dienst auch in London und Berlin zum Marktstart von iOS 9 und OS X 10.11 verfügbar sein. In der Betaversion kann man bislang jedoch in Europa nur die Busse und Bahnen in der britischen Hauptstadt anzeigen lassen. Berlin soll aber spätestens im Herbst auch dabei sein. Und hoffentlich folgen auch weitere Städte in Deutschland. Viele Anwender eines Apple-Gerätes sind nämlich zu bequem oder überfordert, sich entsprechende Apps auf ihr Gerät zu installieren, die schon heute die Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs anzeigen. Nach Auskunft von Federighi werden die Apple Maps auf dem iPhone 3,5 Mal so häufig eingesetzt wie die App des stärksten Wettbewerbers, vermutlich Google Maps.

Zurück zum Desktop: Der ist im Laufe eines Arbeitstages häufig mit so vielen Fenstern zugekleistert, so dass man schnell den Überblick verlieren kann. Schon auf den bisherigen Systemen bietet OS X mit einem Druck auf die Funktionstaste F3 die Möglichkeit, mit "Mission Control" die geöffneten Fenster auf einen Blick zu erfassen. Diese - von vielen Anwendern bislang ignorierte Funktion - wird in "El Capitan" nun ausgebaut und vereinfacht. Ein Power-Feature ist auch die neue Spittscreen-Ansicht, mit der man im Vollbildmodus zwei Anwendungen nebeneinander darstellen kann. Das ist ungemein praktischen, wenn man beispielsweise auf einem Browser-Fenster Informationen in ein Text-Dokument übernehmen möchte.

Die Preview-Version von OS X 10.11 El Capitan wurde bereits auf der Entwicklerkonferenz WWDC für Programmierer freigeschaltet. Später im Sommer soll eine Public Beta folgen, die alle Interessenten kostenlos ausprobieren können. Im Herbst stellt Apple dann die fertige Vollversion zur Verfügung. Wie schon bei den vergangenen System-Upgrades verlangt Apple für "El Capitan" kein Geld, sondern stellt die Software kostenlos bereit.

dpa

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