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Uber-Deutschlandchef: Wir haben Fehler gemacht

Jahreswechsel Uber-Deutschlandchef: Wir haben Fehler gemacht

Der Fahrdienst-Vermittler Uber hat sich in Deutschland mit Taxi-Branche und Behörden angelegt und musste das Geschäft nach Gerichtsentscheidungen Schritt für Schritt zurückfahren.

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Christian Freese wurde erst im September zum ersten Deutschlandchef von Uber ernannt. Zuvor leitete der 35-Jährige das Geschäft in Berlin.

Quelle: Kay Nietfeld

Berlin. Jetzt verspricht der neue Deutschlandchef Christian Freese in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur einen "partnerschaftlichen Ansatz".

Frage: Uber nahm in Deutschland den umstrittenen Service UberPop mit Privatleuten als Fahrer vom Markt, die meisten Fahrzeuge auf der Plattform sind Taxis, in drei Städten ruht der Betrieb ganz - das hätten sie doch ohne die monatelange Auseinandersetzung mit der Taxi-Branche auch billiger haben können?

Antwort: Wir haben durch UberPop eine kontroverse Diskussion ausgelöst, mussten aber feststellen, dass das Konzept in Deutschland an rechtliche Grenzen stößt. Wir haben dann entschieden, mit UberX auf einen Dienst mit professionellen Fahrern umzustellen. Mit unserem anderen Dienst UberTaxi, bei dem wir klassische Taxis an unsere internationale Community vermitteln, wollen wir der Taxi-Industrie die Hand reichen und zeigen, dass Uber die Auslastung der Fahrzeuge deutlich steigern kann. Taxifahrer stehen im Schnitt 83 Prozent der Zeit und müssen dann in der restlichen Zeit das ganze Geld verdienen. Wenn sie also statt einer Fahrt pro Stunde zwei oder zweieinhalb machen, hilft das schon.

Frage: Der erste Eindruck war, Uber setzt sich über Regeln einfach hinweg - gehen Sie jetzt anders vor?

Antwort: Wir waren vor ein bis zwei Jahren jung und unerfahren und haben uns von der Euphorie unserer Community treiben lassen. Jetzt verfolgen wir einen partnerschaftlichen Ansatz. Ich will gar nicht bestreiten, dass wir Fehler gemacht haben. Aber es ist auch so, dass, wenn sie etwas Altes in Frage stellen wollen, sie auch in Konflikte geraten. Und ich denke, UberPop hat erreicht, dass die Frage gestellt wird: Macht das alles so Sinn? Müssen Autos mehr als 23 Stunden pro Tag ungenutzt herumstehen? Schließlich sind sie für viele Menschen die größte Kapitalanlage ihres Lebens. Oder kann ich bereits bestehende Verkehrsmittel nutzen, um mehr Angebot zu schaffen?

Frage: Haben Sie also erstmal vor der deutschen Rechtslage kapituliert?

Antwort: Das kann man so interpretieren. In gewisser Weise ist das Rechtssystem in Deutschland sehr eng gestrickt und ausgelegt. Es ist ja nicht so, dass wir hier reingelaufen wären und gemacht hätten, war wir wollen. Wir hatten schon Rechtsgutachten erstellen lassen. Und es gibt ja auch Ausnahmeregelungen. Aber dann mussten wir feststellen, dass der technologische Fortschritt in den Urteilen einfach keine Berücksichtigung fand.

Frage: Es läuft aber noch die Uber-Beschwerde gegen Deutschland in Brüssel?

Antwort: Ja, die Beschwerde gegen Deutschland bei der EU-Kommission läuft weiter. Wobei das weniger als eine Beschwerde gegen Deutschland, sondern eher als eine Beschwerde für den deutschen Verbraucher zu verstehen ist. Wir sehen, dass sogenannte Mietwagenunternehmen, also professionelle Chauffeurdienste, in Deutschland besonders benachteiligt werden. Zum Beispiel bei der Mehrwertsteuer. Es ist kein fairer Wettbewerb, wenn für einen Markt künstliche Eintritts-Barrieren geschaffen werden.

Frage: Ist das Ziel dabei auch, Bedingungen für eine Rückkehr von UberPop zu schaffen?

Antwort: Ich glaube nicht, dass wir UberPop in Europa zurückbringen würden, daran arbeite ich nicht. Wir werben jetzt eher dafür, punktuell Gesetze zu reformieren, zum Beispiel die Rückkehrpflicht, bei der ein Mietwagen nach einem Auftrag komplett zum Standort der Firma zurückfahren muss, bevor er den nächsten Fahrgast aufnehmen kann - auch wenn dieser um die Ecke steht. Auch die komplexe Ortskenntnis-Prüfung ergibt in Zeiten von Navigationssystemen keinen Sinn.

Frage: Wie soll es für Uber in Deutschland weitergehen?

Antwort: Wo wir eigentlich hinmöchten, ist der Service UberPool. Als Basis dient das UberX-Angebot. Innerhalb von 2-3 Sekunden findet unsere Technologie-Plattform jemanden, der in die gleiche Richtung möchte. Die Passagiere können sich dann die Fahrtkosten teilen. Der Markt muss dafür natürlich eine gewisse Reife haben. In vielen Städten wie London und San Francisco ist das bereits der Fall.

Frage: Sind Sie mit dem eingeschränkten Angebot in Deutschland aber nicht weit von der nötigen Größe entfernt?

Antwort: Jeder Markt beginnt ähnlich. Es ist nicht so, dass sie einen Schalter umlegen, und auf einmal gibt es zehntausende Fahrer, sondern in allen Städten begann es immer klein und wuchs schrittweise an. Wir sind in Deutschland mit UberX im Juni gestartet und sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass wir in Deutschland ausschließlich mit professionellen Fahrdienstleistern und Fahrern mit Personenbeförderungsschein zusammenarbeiten.

Frage: Wann könnte UberPool in Deutschland starten?

Antwort: Ich kann noch keinen Termin nennen. Aber es wäre schön, wenn es nächstes Jahr soweit wäre.

Frage: Aber wie wollen Sie das Geschäft in Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf, wo Uber den Betrieb auf Eis gelegt hat, wieder in Gang bekommen?

Antwort: Wir schauen uns in Berlin und München gerade sehr genau an, was funktioniert und was nicht. Ich hoffe schon, dass wir mit diesem Wissen nächstes Jahr in einige dieser Städte wieder zurückkehren werden. Wir sind für alle Regeln, die aus Verbrauchersicht Sinn ergeben - also solche, die Sicherheit und Qualität einer Fahrt erhöhen, nicht aber für Regeln, die einen Markt gegen Wettbewerb schützen - zu Ungunsten des Verbrauchers. Wir sind der Ansicht, dass die aktuellen Diskussionen oft über die Köpfe der Verbraucher hinweg geführt werden.

ZUR PERSON: Christian Freese wurde erst im September zum ersten Deutschlandchef von Uber ernannt. Zuvor leitete der 35-Jährige das Geschäft in Berlin. Bis Ende 2014 war er Experte für das europäische Mobilitätsgeschäft bei der Unternehmensberatung Roland Berger.

dpa

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