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17-Jährige muss wegen Terrorabsicht in Haft

Dänemark 17-Jährige muss wegen Terrorabsicht in Haft

Eine zum Islam konvertierte 17-jährige Teenagerin wurde in Dänemark zu sechs Jahren Haft verurteilt: Sie wollte zwei Schulen in die Luft sprengen. Während des Prozesses prahlte sie mit ihrem Kontakt zu den IS-Terroristen.

Das Gerichtsgebäude in Holbæk wurde während des Prozesses streng bewacht.

Quelle: picture alliance

Holbæk. Verwirrter Teenager oder kaltblütige Dschihadistin? Diese Frage durchzog den Terrorprozess um ein schlaksiges, rotblondes Schulmädchen aus dem gut 700 Einwohner zählenden Örtchen Kundby im Nordwesten Dänemarks wie ein Mantra. Am Donnerstag verurteilte ein Gericht die 17-Jährige für die Planung von Terroranschlägen zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren. Sie hatte im Januar 2016 nachweislich Bombenanschläge auf ihre frühere Schule im Ort Faarevejle und die jüdische Schule in Kopenhagen geplant. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft gefordert, die Verteidigung plädierte auf sechs bis acht Jahre.

Bei einem Türkei-Urlaub im Sommer 2015 mit den Eltern soll sich die Schülerin radikalisiert haben. Im Oktober 2015 konvertierte sie zum Islam und suchte im Internet aktiv nach IS-Anhängern. Vieles davon verkündete sie fast stolz im Internet. Ihre Mutter hatte Behörden erfolglos um Hilfe gebeten. Der dänische Geheimdienst PET hatte der Mutter nach einem Gespräch mit der Tochter versichert, dass es keinen Grund zur Sorge gebe.

Von der Mutter angezeigt

Als die Mutter im Januar 2016 im Keller Wasserstoffperoxid, Azeton und Zitronensäure mit der Beschriftung „Dschihad“ fand, zeigte sie ihre damals 15-jährige Tochter bei der Polizei an. Eine Bombe wurde bei ihrer Festnahme nicht gefunden. Wohl aber Bauanleitungen und einige der Zutaten. Auch wurden Internetchats über ihr Vorhaben mit mutmaßlichen IS-Anhängern sichergestellt.

Im Prozess gab das extrovertierte Mädchen viele oft widersprüchliche Dinge von sich. Sie sagte, dass sie das Ganze einfach „spannend“ gefunden habe. In ihrem Tagebuch hatte sie als Grund für die Sprengung ihrer Schule hingegen angegeben, dass sie von einem Schulball ausgeschlossen worden war. Auch behauptete sie, dass sie regelmäßig mit dem obersten IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi chatten würde. „Ich habe beim Prozess den Eindruck von einem sehr jungen, blauäugigen Teenager bekommen, der nicht den Ernst versteht, der in seinem Tun liegt“, bewertet Magnus Ranstorp, Terrorexperte an der Stockholmer Armeehochschule. Ein Gutachten erachtet die 17-Jährige aber für zurechnungsfähig. Staatsanwalt Kristian Kirk unterstrich, dass sie die Tat nur nicht ausgeführt habe, weil sie von IS-Anhängern kein grünes Licht bekommen habe.

In der Haft weiter radikalisiert

In ihrer bislang 16 monatigen Haftzeit soll sich das Mädchen weiter radikalisiert haben. Sie schrieb eine Biografie unter dem Titel „Der Weg zum Dschihad“ und verletzte einen Pädagogen am Bauch mit einer zum Messer gebauten Glasscherbe. „Der Islamismus scheint derzeit ihr Ein und Alles zu sein. Solange das so bleibt, ist sie gefährlich“, begründete Kirk seine Forderung nach der dänischen Höchststrafe von 14 Jahren. Dänemark hat Probleme mit jungen Islamisten.

Dennoch spaltet das Urteil das Königreich. Mit 15 sei sie fast noch ein Kind gewesen, die Umstände müssten berücksichtigt werden, so die Kritiker. Drei Anträge auf ihre Teilnahme an einem erfolgreichen dänischen Antiradikalisierungsprogramm wurden vom Gericht abgelehnt. Das Mädchen komme aus einer zerrütteten Familie, war in der Schule Mobbingopfer und Außenseiterin. Außerdem habe man keine fertige Bombe gefunden. Das hohe Strafmaß wird zudem von Kritikern mit einem anderen aktuellen Fall verglichen. Vier ungefähr gleichaltrige Jungen hatten den Sohn von Migranten mit Benzin übergossen und angezündet. Der Junge wäre fast gestorben, sein Gesicht ist fast völlig zerstört. Die Täter wurden nach zwei bis vier Monaten Haft aus dem Jugendgefängnis entlassen.

Von RND/André Anwar

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Holbæk
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