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Panorama 70 turbulente Jahre voller Hingabe
Nachrichten Panorama 70 turbulente Jahre voller Hingabe
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15:34 18.11.2017
Elizabeth und Prinz Philip im Jahr 1947. Quelle: imago/ZUMA Press
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London

Es war ein grauer Tag, kalt dazu, in ohnehin grauen Nachkriegszeiten, in denen Großbritannien noch immer unter Entbehrungen und einem strengen Sparzwang mit rationierten Lebensmitteln litt. Die Märchenhochzeit am 20. November 1947 von Prinzessin Elizabeth und Marine-Offizier Philip Mountbatten sollte ablenken, als Stimmungsaufheller die Moral der Nation aufbauen, dem Land etwas Glamour verleihen.

Es ist bezeichnend, dass schon die Vermählung der beiden auch ein Dienst am Volk darstellte. Sie habe London erstmals seit dem Krieg einen Blick auf Prunk und Farbe ermöglicht, befand der „Guardian“, nachdem Tausende Menschen am Straßenrand dem schönen Paar zugejubelt hatten, als sie von der Westminster Abbey zurück in den Buckingham-Palast fuhren.

Die königliche Hochzeit im Jahr 1947. Quelle: imago/ZUMA/Keystone

Für ihr prachtvolles Kleid etwa, bestickt mit 10.000 Perlen, mussten alle der in den Jahren der Rationierung existierenden Kleidercoupons der Familie aufgebraucht werden. Da war die zurückhaltende Elizabeth erst 21 Jahre alt, doch verliebt hatte sie sich bereits als 13-Jährige in den gutaussehenden, aber nicht vermögenden Prinzen von Griechenland und Dänemark, Typ Abenteurer und Draufgänger, dazu mit deutschen Verwandten.

Am heutigen Montag feiern die 91-jährige Monarchin und ihr 96 Jahre alter Prinzgemahl ihre Gnadenhochzeit und stellen mit 70 Jahren Ehe einen Rekord in der Geschichte der britischen Royals auf. Sie gelten als Vorbild, als Anker der Stabilität in einem Land, das zunächst den Zerfall des Empires erlebte und sich vor dem Hintergrund etlicher Welt-Geschehnisse politisch neu aufstellen musste.

Das Paar im Jahr 1953. Quelle: imago/ZUMA/Keystone

Dabei war die Unterordnung für Philip zunächst nicht einfach. „Seit 1947 führt er das Leben, das er führt, nur, weil er die Frau geheiratet hat, die er geheiratet hat“, schrieb einst der Biograf Gyles Brandreth. Der unabhängige Geist rebellierte, brach immer wieder aus dem engen Korsett aus, das der Palast ihm anzulegen versuchte, lebte sich auf Partys aus. Die Gerüchte, er sei damals fremdgegangen, halten sich seit Jahrzehnten hartnäckig.

Aber auch wenn er es an ehelicher Treue vermissen lassen haben mag, sei er doch immer „absolut loyal“ gewesen, wie die Historikerin und royale Expertin Karina Urbach sagt, insbesondere seit Elizabeth 1953 zur Königin gekrönt wurde. „Er hat ihr geholfen, dieses Amt auszuüben und war existenziell wichtig“. Das verriet auch die Queen in jenen seltenen öffentlichen Liebeserklärungen, die sie ihrem Mann etwa zur Goldenen Hochzeit machte, als sie ihn als „meine Stärke und meinen Fels“ pries. „Er hat mir ganz einfach in all den Jahren Kraft und Halt gegeben“, sagte sie vor einigen Monaten. Und es waren keineswegs nur glückliche Zeiten wie die jetzigen, in denen die Royals große Beliebtheit genießen.

Die Krönungszeremonie im Jahr 1953. Quelle: dpa

Über Jahre versorgte die Familie die Klatschblätter mit Skandalen. Schloss Windsor in Flammen, gescheiterte Ehen von dreien ihrer vier Kinder, das Drama um Diana und ihr tragischer Unfalltod sowie die feindselige Stimmung, die danach gegenüber der Familie Windsor herrschte – Elizabeth II. und Philip, beide Ururenkel von Königin Victoria und damit entfernte Verwandte, hielten zusammen.

Was aber ist das Geheimnis dieser langen Ehe? Laut Philip ist es vor allem eine Eigenschaft: Toleranz. Die besitze die Königin reichlich, lobte er sie einmal. Doch auch Philip musste etliche Kompromisse eingehen. So gibt beispielsweise das Protokoll vor, dass er stets einen Schritt hinter ihr zu gehen hat, weil er im Rang unter ihr steht. „Das ist eine erfundene Tradition“, sagt Urbach und verweist auf Vorfahrin Queen Victoria, wo solch eine Degradierung unvorstellbar gewesen wäre.

Die Berater am Hof hätten dies zu Beginn von Elizabeths Regentschaft durchgesetzt und so versucht, Philip „an den Rand zu drängen“. Auch dass seine Kinder nicht seinen Familiennamen Mountbatten trugen, verletzte Philip tief. „Ich bin nur eine verdammte Amöbe“, soll er nach einem Streit mit seiner Frau geschimpft haben. Königin Elizabeth II. hat den Höflingen nachgegeben und sich so eben doch bei einigen Punkten gegen ihren Mann gestellt. „Die Ehe war voller Kompromisse von beiden Seiten“, sagt Urbach.

Aufnahme aus dem Jahr 1972. Quelle: imago/ZUMA/Keystone

Gleichwohl akzeptiert die stets pflichtbewusste und stoisch ruhig wirkende Monarchin den schwarzen Humor ihres Gatten. Oder teilt sie den Sarkasmus im Privaten? Laut Enkel Prinz William bringt Philip, der mit seinen politisch unkorrekten Witzen oft international für Furore sorgte, seine Frau bis heute zum Lachen. Sein Kosename für das britische Staatsoberhaupt etwa lautet „Kohlkopf“. Insidern zufolge schätzt sie es an ihrem Prinzgemahl, dass er sie herausfordert, ihr die Meinung sagt.

Zudem einte das Paar stets eine Aufgabe: Das Werben für die Monarchie. „Sie wissen ganz genau, dass sie sich keinen Fehltritt erlauben können und ein gutes Team sein müssen“, so Urbach. Königin Elizabeth II. und Prinz Philip gehen seit 70 Jahren zusammen durchs Leben – es ist eines voller Hingabe, Respekt, gegenseitiger Zuneigung und vor allem großem Pflichtbewusstsein.

Unzertrennlich auch nach 70 Jahren Ehe. Quelle: imago/ZUMA Press

Von Katrin Pribyl / RND

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