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Alf Diemann gelingt nach schwerem Unfall beeindruckende Eingliederung

Rasant zurück ins Leben Alf Diemann gelingt nach schwerem Unfall beeindruckende Eingliederung

Wenn man Alf Diemann in nur einem Satz beschreiben wollte, dann dürften die Adjektive „motiviert“ und „sportlich“ nicht fehlen. Der 33-Jährige hat einen geregelten Job, Familie, Freunde und eine Freundin. Nur eines ist anders: Seit einem Dienstwegeunfall ist der gebürtige Leipziger querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Quelle: dpa

Leipzig. Wenn man Alf Diemann in nur einem Satz beschreiben wollte, dann dürften die Adjektive „motiviert“ und „sportlich“ nicht fehlen. Der 33-Jährige hat einen geregelten Job, Familie, Freunde und eine Freundin. Nur eines ist anders: Seit einem Dienstwegeunfall ist der gebürtige Leipziger querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Genauer gesagt ist Diemann Tetraplegiker. Diese Art Querschnittslähmung geht auf eine Schädigung des Rückenmarks im Halswirbelbereich zurück. Im Gegensatz zur Paraplegie sind dann alle vier Gliedmaßen, also Beine und Arme, betroffen. An seiner Lebensfreude hat sich seit dem Unfall aber nichts geändert: „Ich bin immer noch der Gleiche“, betont er. Tatsächlich hat der Kfz-Mechaniker in beeindruckend kurzer Zeit wieder in ein eigenständiges Leben gefunden.

Diemann war erst 29, als er auf dem Rückweg einer Dienstreise als Beifahrer den schweren Unfall erlitt. „Ich habe geschlafen, als es passiert ist und weiß nur noch, dass ich im Auto eingeklemmt war“, erinnert er sich. Ein Hubschrauber brachte ihn ins Krankenhaus, zur Notoperation. Für seine Familie war es ein großer Schock, denn anfangs befürchteten die Ärzte, Diemann werde sich nie wieder bewegen, selbstständig atmen und reden können. Auch deshalb stellte Thomas Köhler, Reha-Manager der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM), schon kurz nach dem Unfall den Kontakt zur Familie her: „Mir war es wichtig, zeitnah über alle wichtigen Eingliederungsmaßnahmen zu sprechen, um ihn schnellstmöglich wieder zu integrieren. Sowohl privat als auch beruflich.“

Rückhalt durch Familie und Kollegen

Doch der sportbegeisterte Patient entwickelte sich positiver als vermutet. Als er stabil war, kam er in die Klinik der Berufsgenossenschaft „Bergmannstrost“ nach Halle. Nach zehn Monaten Reha konnte der junge Mann die Einrichtung schon wieder verlassen, um ambulant weiterbehandelt zu werden. Denn seine Eigenständigkeit ist ihm wichtig: „Erst sollte ich einen elektrischen Rollstuhl mit Joystick bekommen“, merkt er an. Damit gab sich Diemann aber nicht zufrieden: „Ich probierte einen Aktivrollstuhl zum selbstständigen Bewegen aus. Das hat geklappt.“

Dass ihn sein Lebensmut nach dem Unfall nicht verließ, verdankt er neben seinen Angehörigen auch seinem Arbeitgeber und den Kollegen aus dem Leipziger Autohaus Dinnebier. Dort hat Diemann 1998 die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abgeschlossen. „Der damalige Geschäftsführer hat gleich gesagt, dass er mich wieder einstellt, egal was ist“, freut sich der 33-Jährige. Seine Kollegen besuchten ihn im Krankenhaus und konnten seine Rückkehr kaum erwarten, sind sie doch inzwischen auch seine Freunde. Mit dem Werkstattleiter Frank Baum arbeitet er seit 16 Jahren eng zusammen: „Auf seine fachliche Kompetenz wollten wir hier nicht verzichten. Wenn die Hände nicht mehr funktionieren, so kann er uns trotzdem mit seinem Fachwissen unterstützen“, lobt Baum den Arbeitskollegen.

Vorbildliche Eingliederung

Der ambitionierte Leipziger hat sich nie unterkriegen lassen: „Ich habe keine Lust, nur zu Hause zu sitzen.“ Nach 18 Monaten kehrte Diemann an seinen alten Arbeitsplatz zurück. „Die Eingliederung verlief außergewöhnlich schnell“, zeigt sich auch Reha-Manager Köhler beeindruckt und fügt hinzu: „Ich musste ihn sogar bremsen. Er selbst hätte schon früher wieder mit der Arbeit angefangen.“ Die BGHM unterstützte Diemann finanziell und stattete seinen Arbeitsplatz mit den passenden Mitteln aus. Der Kfz-Mechaniker wollte nicht in der Verwaltung sitzen, sondern dort, wo es nach Öl und Gummi riecht und er sich wohlfühlt – also mitten in der Werkstatt. „Von hier aus habe ich alles im Blick“, beschreibt er seinen Arbeitsplatz stolz. „Ich übernehme die Qualitätskontrolle oder unterstütze die Kollegen administrativ.“ Für seine berufliche Zukunft schmiedet er bereits wieder Pläne: Er will die Weiterbildung zum technischen Fachwirt absolvieren.

Auch privat hat sich Diemann den Umständen angepasst. Im Krankenhaus wollte er, trotz vieler neuer Freunde, nicht mehr bleiben: „Irgendwann will man wieder in seinen vier Wänden wohnen“, findet er. In seiner – alles andere als barrierefreien – Dachgeschosswohnung konnte er jedoch nicht bleiben. Glücklicherweise vermittelte ihm sein Anwalt eine geeignete Wohnung und Köhler stand mit seinem Fachwissen zur Seite. Gemeinsam haben sie sich den Rohbau angeschaut und die Anpassungen besprochen: „Da war es gut, dass wir noch in die Baumaßnahmen eingreifen konnten“, bemerkt der BGHM-Fachexperte. Denn das neue Zuhause sollte nicht wie eine Pflegewohnung aussehen, und das ist gelungen: Die Wohnung, in der Diemann mit seiner Freundin lebt, ist gemütlich und modern. Wichtige Hilfsmittel sind die Deckenlifts in Schlaf- und Wohnzimmer sowie elektrische Türen. Zudem kann er mit einer speziellen Fernbedienung unter anderem sein Bett und den Fernseher steuern. Das Kochen überlässt er zwar lieber seiner Freundin, notfalls kann er sich Dank der barrierefreien Küche aber auch etwas zu Essen zaubern.

Große Pläne für die Zukunft

Seine freie Zeit verbringt er lieber draußen als am Herd, zum Beispiel mit dem Handbike fahren. Weil Sport ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation ist, finanziert die BGHM ihm alle geeigneten Mittel. „Ich brauche immer Bewegung“, erzählt Diemann begeistert. Diesen Schwung nimmt er auch in sein Privatleben mit: Im September steht die Hochzeit mit seiner Verlobten an. Das Paar ist seit neun Jahren zusammen und wagt nun den nächsten Schritt. Derweil liebäugelt Diemann schon mit der Wohnung nebenan: „Wenn wir bald Nachwuchs bekommen, dann reicht der Platz hier nicht aus.“

lvz

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