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Panorama Bad Aibling: Fahrdienstleiter muss ins Gefängnis
Nachrichten Panorama Bad Aibling: Fahrdienstleiter muss ins Gefängnis
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10:54 05.12.2016
Am Vormittag verkündet der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer am Landgericht Traunstein den Schuldspruch. Quelle: Peter Kneffel
Traunstein

Im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten ist der Fahrdienstleiter zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Am Vormittag verkündete der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer am Landgericht Traunstein den Schuldspruch. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Fahrdienstleiter der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig ist. Er sei alleine verantwortlich für den Frontalzusammenstoß zweier Meridian-Züge am 9. Februar 2016.

Abweichend von der Anklage verurteilte das Gericht P. bei den Fällen der fahrlässigen Körperverletzung wegen 85 Taten und nicht wie angeklagt wegen 89 Taten. Das Gericht ordnete außerdem die Fortdauer der Haft für den seit dem Frühjahr in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten an.

Verteidigung plädierte für Bewährungsstrafe

Selbst die Verteidiger des angeklagten Fahrdienstleiters hatten dies in ihrem Plädoyer am Freitag eingeräumt. Allerdings hielten sie eine Bewährungsstrafe für ausreichend. Allenfalls komme eine Haftstrafe von maximal zweieinhalb Jahren infrage. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen vier Jahre Gefängnis beantragt. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

Zu Prozessbeginn hatte der Bahnmitarbeiter gestanden, bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar in dem oberbayerischen Kurort das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter5“ auf seinem Handy gespielt zu haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Die Vorschriften der Deutschen Bahn (DB) verbieten jedoch die private Nutzung von Smartphones im Dienst.

Fahrdienstleiter stellt Signale falsch

Womöglich vom Spielen auf dem Smartphone abgelenkt stellte der Fahrdienstleiter im Stellwerk mehrere Signale falsch, wie die fünftägige Beweisaufnahme im Prozess ergab. Beim Absetzen eines Notrufes drückte er eine falsche Taste. Der Alarm erreichte die Lokführer nicht. Dadurch kam es zum Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke. Bei dem Unglück starben 12 Menschen, fast 90 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Bekannt wurde in dem Verfahren auch, dass die Bahn auf der Unglücksstrecke seit mehr als 30 Jahren veraltete Signaltechnik einsetzt. Eine Vorschrift von 1984, zusätzliche Anzeigen zu installieren, war nicht umgesetzt worden, wie ein Unfallexperte des staatlichen Eisenbahn-Bundesamtes aussagte. Die Bahn muss dies nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten tun.

Von RND/dpa

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