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Panorama Belgier wollen Bierkönige werden
Nachrichten Panorama Belgier wollen Bierkönige werden
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17:28 27.11.2016
In dem belgischen Örtchen Westvleteren wird bis heute unter Aufsicht der Mönche ein Bier gebraut, das als das beste der Welt gilt. Dieses und die 1499 anderen belgischen Biersorten könnten schon bald zum Weltkulturerbe ernannt werden. Quelle: dpa
Paris/Addis Abeba

Normalerweise befindet sich Belgien im Dauerstreit. Doch weil Bier vereint, haben sich die drei Kulturminister des Landes zusammengerauft, und bei der Unesco beantragt, die „belgische Bierkultur“ endlich zum Weltkulturerbe zu adeln. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der zuständige Ausschuss bei seinem Treffen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba dem Vorschlag in dieser Woche zustimmt und das belgische Bier auf die begehrte Liste aufnimmt.

Die Expertenkommission hatte sich bereits in der vergangenen Woche pro Bier ausgesprochen. Und Tim Curtis, Sekretär für die Konvention zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes verriet, dass er es noch nie erlebt habe, dass das Komitee eine positive Empfehlung umwerfe.

1500 Biersorten werden in Belgien gebraut

In der belgischen Bewerbung wird unter anderem auf die fast 1500 Biersorten verwiesen, die in dem Land gebraut werden. Eine Tatsache, die auch die deutschen Brauer „neidlos“ anerkennen. Der Brauer-Bund sehe es „mit großer Freude“, dass jetzt über Bierkultur als mögliches Welterbe diskutiert werde. Das betonte Verbandssprecher Marc-Oliver Huhnholz.

Doch es geht längst nicht nur um Bier: Das Gremium entscheidet insgesamt über 37 Nominierungen für die Unesco-Liste, darunter auch den ersten rein deutschen Vorschlag: das Genossenschaftsmodell. Philipp Bludovsky aus der nordsächsischen Kleinstadt Delitzsch ist Kurator im Schulze-Delitzsch-Haus – dem Deutschen Genossenschaftsmuseum – und ist Hüter der Idee und erhofft sich „mehr Aufmerksamkeit für die Genossenschaften“.

Falknerei als Konkurrenz zum Genossenschaftsmodell

Doch das Gremium, das die Kandidaten vorab prüft, hatte die Erwartungen der Initiative bereits gedämpft. Die Experten sprachen sich dafür aus, den Vorschlag zur Überarbeitung zurückzuschicken. Mit der Falknerei liegt den Unesco-Experten zudem noch ein zweiter Vorschlag auf dem Tisch, der von Deutschland und einer Reihe anderer Länder unterstützt wird.

Die Falknerei darf auf einen Eintrag als Weltkulturerbe hoffen. Quelle: dpa

Die internationale Übereinkunft zum immateriellen Kulturerbe trat vor zehn Jahren in Kraft und soll das Verständnis für traditionelle Techniken erweitern. Bis dahin standen vor allem Bauwerke im Fokus – für sie gibt es schon seit Jahrzehnten den Titel des Unesco-Weltkulturerbes.

Repräsentativer Überblick über die Vielfalt

Die Liste des immateriellen Kulturerbes funktioniert ein bisschen anders. „Wir wollen nicht nur das Spektakulärste erfassen“, sagt Curtis. Ausgewählte Beispiele aus allen Weltregionen sollen einen repräsentativen Überblick über die Vielfalt der Praktiken geben. Die Liste hat inzwischen 336 Einträge, vom argentinischen und uruguayischen Tango über die tibetische Oper in China bis zur Pfeifsprache El Silbo von der spanischen Kanareninsel La Gomera.

Zehn Jahre danach zieht Curtis ein überwiegend positives Fazit. Das Thema sei weltweit stärker ins Bewusstsein gerückt, vor allem gebe es damit mehr Aufmerksamkeit für Kulturpraktiken von Minderheiten. Allerdings sieht er eine Tendenz, sich zu sehr auf die Listen zu konzentrieren. Immerhin hätten viele Länder Maßnahmen zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes begonne. „Das ist Arbeit, die vorher nicht gemacht wurde.“

Keine Sorgen um den Kult ums Bier

Um den Erhalt der belgischen Bierkultur muss man sich keine Sorgen machen – egal, ob Welterbe oder nicht. Belgische Biere haben schließlich „einen internationalen Ruf“, gab auch Brauer-Bund-Sprecher Huhnholz zu. Ziel des deutschen Brauerverbandes sei es, endlich das Bierbrauen nach dem Reinheitsgebot auf die deutsche Liste des immateriellen Kulturerbes zu bringen. Danach könnten die weiteren Schritte zur Aufnahme ins Weltkulturerbe folgen – dies nehme allerdings mehrere Jahre in Anspruch.

Von RND/dpa

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