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Panorama DNA-Spur führt zu NSU-Terrorist
Nachrichten Panorama DNA-Spur führt zu NSU-Terrorist
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22:06 13.10.2016
NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt. Quelle: dpa
Lichtenberg

Was hat Uwe Böhnhardt mit dem Tod von Peggy Knobloch zu tun? Auf einem Stofffetzen, der neben den sterblichen Überresten des Mädchens gefunden wurde, fanden die Ermittler die DNA-Spur von Uwe Böhnhardt.

Peggy Knobloch verschwand 2001 im bayerischen Lichtenberg. Nach langer und intensiver Suche musste die Polizei die Suche nach dem damals neunjährigen Mädchen aufgeben. Im Juli 2016 fand ein Pilzsammler die Knochen im Unterholz in einem thüringischen Wald. In der traurigen Gewissheit wuchs die Hoffnung, nach langen Jahren doch noch den Mörder des Mädchens zu finden.

Nun die Wende: Gerichtsmediziner entdeckten Spuren, die zum NSU-Terroristen führen. Böhnhardt nahm sich am 4. November 2011 in Eisenach nach einem gescheiterten Banküberfall das Leben.

Der Fall Peggy beschäftigt die Justiz seit Jahren

Das Verschwinden von Peggy Knobloch beschäftigt die Gerichte schon über Jahre. 2004 verurteilte das Landgericht Hof in einem Indizienprozess den geistig behinderten Ulvi K.. Er soll Peggy missbraucht und anschließend zur Vertuschung der Tat getötet haben. Ulvi K. hatte die Tat erst gestanden, dann aber sein Geständnis widerrufen. Ulvi K. wurde in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Im Dezember 2013 rollte das Landgericht Bayreuth den Fall wieder auf und kassierte wenige Monate später das Urteil ein. Die Tatversion K. blieb nicht ohne Zweifel, auch hatte ein Belastungszeuge seine Falschaussage gestanden.

Nun also deutet alles auf einen Mord durch das einstige NSU-Mitglied hin. Uwe Böhnhardt starb am 4. November 2011 durch einen Schuss aus der Waffe von Uwe Mundlos, ebenfalls Mitglied der rechtsextremistischen Vereinigung. Anschließend setzte er das gemietete Wohnmobil in Brand und kam so ebenfalls ums Leben. In den Trümmern fand die Polizei einen Kinderschuh in Größe 33 und einen Teddybären. Bislang fehlte den Polizisten dazu jeder Bezug. Nun schließt sich der Kreis: das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth bestätigten den Zusammenhang. Gegen Böhnhardt hatte es bereits in der Vergangenheit Vorwürfe in Zusammenhang mit einem getöteten Jungen gegeben.

Weitere Ermittlungen sollen Klarheit bringen

„In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen“, heißt es im offiziellen Schreiben.

Die Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe sollen laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. Das Trio aus Jena tauchte demnach nach einer Razzia in seiner Bombenwerkstatt 1998 ab und gründete die Terrorgruppe. In München läuft seit mehr als drei Jahren der Prozess gegen Beate Zschäpe – als einzige Überlebende des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds.

Nebenkläger: „Zschäpe soll auch zum Fall Peggy aussagen“

Der Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, forderte Zschäpe dazu auf, in dem Verfahren auch zum Fall Peggy auszusagen. „Ich bin einigermaßen schockiert“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitagausgabe). Es habe im NSU-Umfeld allerdings „durchaus“ schon Menschen gegeben, „die im Bereich des Kindesmissbrauchs auffällig wurden“. Er würde sich wünschen, dass Zschäpe auch in diesem Fall an der Aufklärung mitwirke und „auspackt, was sie dazu weiß“.

Daimagüler hat zudem einen neuen Beweisantrag im NSU-Prozess angekündigt. Dabei sollen Einzelheiten über Kinderporno-Dateien auf einem Computer des NSU untersucht werden, so Daimagüler. Im Brandschutt der Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau war ein Datenträger mit Kinderpornomaterial gefunden worden. Man müsse herausfinden, „wer Kenntnis hatte und wer es draufgeladen hat – Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe oder alle drei“.

Von RND/Carsten Bergmann

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