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Panorama Da sammelt sich was an: Ein Fotoband über Sammler und ihre Leidenschaft
Nachrichten Panorama Da sammelt sich was an: Ein Fotoband über Sammler und ihre Leidenschaft
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11:00 24.02.2019
„Für viele der Leute ist Sammeln ein Refugium, in das sie sich zurückziehen können.“ Fotograf Matthias Ritzmann hat Sammler porträtiert. Quelle: Matthias Ritzmann
Halle

Kugelschreiber, Vasen, Panini-Bilder, Visitenkarten – die Welt potenzieller Sammelobjekte scheint endlos. Und hinter jeder Sammlung steckt ein Mensch mit einer ganz persönlichen Geschichte. Fotograf Matthias Ritzmann aus Halle hat einige dieser Menschen porträtiert, inmitten ihrer Sammlungen.

Manche von ihnen sammeln nach Farbe. Oder sie heften ihre Fundstücke in Ordnern ab. Und dann gibt es Sammler, bei denen die Leidenschaft ein solches Ausmaß angenommen hat, dass die Masse jedes Sortiersystem schier niederdrückt.

Das war auch ein Grund, warum Matthias Ritzmann die Porträts bewusst in Schwarz-Weiß gehalten hat: um den Betrachter nicht gänzlich mit Details zu überfluten. Im Sommer wird ein Bildband zu seiner Arbeit erscheinen.

Quer durch alle Altersgruppen: Diese junge Sammlerin begeistert sich für Mineralien. Quelle: Matthias Ritzmann

Herr Ritzmann, Sie haben insgesamt 30 Sammler mit ihren Objekten fotografisch festgehalten. Was für Persönlichkeiten stehen hinter einer solchen Leidenschaft?

Es sind Menschen quer durch die Gesellschaft, durch alle Milieus, durch alle Altersgruppen. Vielen Menschen gibt das Sammeln Struktur, Halt und Sicherheit. Es gibt auch Macht und Kontrolle. Oder es ist einfach etwas Schönes und Leichtes, wie bei dem Mädchen, das ich fotografiert habe und das Mineralien sammelt. Dann habe ich ein Ehepaar, das sammelt Kaffeesahneportionsdeckel seit den 1990ern. Mittlerweile haben sie dreieinhalbtausend. Das ist auf der einen Seite ganz witzig, weil alle das im Bekanntenkreis wissen und aus dem Urlaub Kaffeesahne mitbringen. Auf der anderen Seite hat es viel Ernsthaftes und Trauriges. Ich habe zum Beispiel mit den Leuten darüber gesprochen, dass ihre Tochter gestorben ist. Und der Vater hat mir den Deckel der Sahne gezeigt, die er damals getrunken hat, als seine Tochter schwer krank im Krankenhaus lag.

Dreieinhalbtausend Kaffeesahnedeckel, fein säuberlich in Alben untergebracht. Quelle: Matthias Ritzmann

Was ist für Sie das Faszinierende an der Sammelleidenschaft anderer?

Je länger Menschen sammeln, desto mehr Leben sieht man anhand ihrer Sammlung. Man entdeckt private Sphären, die man nicht erwartet bei Leuten. Und es reicht immer irgendwie zurück in die Kindheit. Einer meiner Sammler besitzt Star-Trek-Sammelfiguren. Der hat zu Ostzeiten immer samstags „Star Trek“ geschaut, und das war der Höhepunkt der Woche. In der Kindheit hat es angefangen. Bei manchen ist die Sammelwut mächtiger, also schon krankhaft, und bei anderen ist es deutlich gemäßigter. Die Ausprägungen sind sehr unterschiedlich.

Welcher Ihrer Sammler hat Sie am meisten geprägt?

Herr Bong sammelt sehr exzessiv und kann einfach nicht aufhören. Er spricht auch von Sucht. Ihn finde ich besonders herausragend. Er hat auch drei Guinness-Buch-Einträge. Das abgebildete Foto ist sein verbotenes Zimmer. Da war seine Frau schon zehn Jahre nicht mehr drin. Er kann nur Sachen dazunehmen und nichts mehr abgeben. Herr Bong sammelt auf Vollständigkeit hin. Ihm geht es darum, wirklich weltweit die meisten Gegenstände einer Sache zu haben. Mich beschäftigt immer noch die Frage, wieso das Menschen tun. Wieso bauen sie ihre Garage um, um da vierzehntausend Kugelschreiber hineinzuhängen. Da gehören ja auch Familien dazu, die damit umgehen müssen.

Sein „verbotenes Zimmer“ hat Herrn Bong bereits drei Guinness-Buch-Einträge eingebracht. Quelle: Matthias Ritzmann

Zu welchem Schluss kommen Sie?

Für viele der Leute ist Sammeln ein Refugium, in das sie sich zurückziehen können. Es redet ihnen da niemand rein. Es ist ihr abgesteckter Bereich, in dem sie sich auskennen und vielleicht eine Art Kontemplation finden können, indem sie die Sachen anschauen, anfassen, neu einsortieren. Vielleicht gibt Sammeln auch Ruhe in unserer heutigen Gesellschaft. Für mich merke ich aber, dass ich nicht in solche Bereiche vordringen möchte, wo ich dann auch sehr viel Last mit mir rumtragen muss.

Von Andrea Mayer-Halm

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