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Panorama Das Ende der Schonfrist: Es wird ernst für R. Kelly
Nachrichten Panorama Das Ende der Schonfrist: Es wird ernst für R. Kelly
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17:41 20.01.2019
Unter Druck: R Kelly wird unter anderem sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen. Quelle: Getty Images
Atlanta

Jahrelang, ja jahrzehntelang kam er ungeschorenen davon. Der R-’n’-B-Sänger R. Kelly, einer der größten Stars der US-Musikbranche, wurde immer wieder mit sexuellem Missbrauch in Verbindung gebracht. Kelly selbst hat den Vorwürfen stets widersprochen, seiner Karriere schadete all das nicht. Doch nun wird es eng für den erfolgreichen Rapper, Produzenten und Regisseur. Am Wochenende hat sich sein Ex-Manager einem CNN-Bericht zufolge der Polizei gestellt. James Mason solle einen Mann bedroht haben, dessen Tochter mutmaßlich von Kelly festgehalten werde, berichtete der Sender. Der Fall der jungen Frau namens Joycelyn Savage taucht auch in der TV-Dokumentation „Surviving R. Kelly“ auf, durch die alte Missbrauchsvorwürfe gegen den Musiker vor zwei Wochen wieder laut geworden waren.

„Ich werde dich verdammt noch mal töten“

„Ich werde dir und deiner Familie Leid zufügen. Wenn ich dich sehe, werde ich dich kriegen. Ich werde dich verdammt noch mal töten“, soll Mason dem Vater im Mai 2018 gesagt haben. Dies zitiert CNN aus dem Polizeibericht. Ein Richter erließ daraufhin einen Haftbefehl, dem Mason CNN zufolge nun folgte. Demnach kam er gegen eine Kaution von 10 000 Dollar (8800 Euro) vorläufig frei.

Kelly stand bisher beim Label RCA unter Vertrag, das zum Konzern Sony Music gehört. Medienberichten zufolge beendete RCA die Zusammenarbeit mit dem dreifachen Grammy-Gewinner inzwischen. Seit Freitag taucht er auf der RCA-Website nicht mehr auf.

Lange blieb R Kellys Karriere unbeschädigt

Die besagte TV-Dokumentation zeigt das unmenschliche Ausmaß des mutmaßlichen Missbrauchs. Dutzende von Frauen berichten von zutiefst traumatischen Erfahrungen. Die Geschichte beginnt etwa 1993 mit Kellys Affäre mit der damals erst zwölfjährigen Sängerin Aaliyah, die sich – wie viele seiner Opfer – vom Kontakt mit dem Star einen Schub für ihre Karriere erhoffte. Kelly heiratet das Mädchen 1994. Zu diesem Zeitpunkt war Aaliyah 15 Jahre alt, Kellys Tourmanager, Demetrius Smith, der auch in der Doku auftritt, fälschte die Papiere. Die Hochzeit wurde wieder annulliert, doch der Fall trägt bereits alle Merkmale jener perfiden Methode, mit der Kelly sich in den folgenden Jahren sein Reich der sadistischen Unterwerfung unmündiger Mädchen und Frauen zusammengezimmert hat. Auffallend war schon damals die schamlose Offenheit, mit welcher der 52-Jährige sein Spiel trieb. Er fühlte sich unangreifbar, gestützt von einem Umfeld von Helfern und einer Öffentlichkeit, die einfach nicht hinschauen mochte. So wurde es ihm auch nicht zum Verhängnis, als im Jahr 2000 ein Video an die Öffentlichkeit kam, in dem er ein zwölf Jahre altes Mädchen missbraucht. Obwohl Kopien des Clips zirkulierten und Reporter der „Chicago Sun- Times“ davon berichteten, blieb Kellys Karriere unbeschädigt. Auch, als immer mehr Opfer und deren Angehörige an die Öffentlichkeit gehen.

Doch erst die #MeToo-Bewegung bietet 2017 einen fruchtbaren Nährboden für Berichte des Portals „Buzzfeed“ über die Zustände in den beiden Häusern, in denen Kelly Dutzende von Mädchen unter unmenschlichen Umständen in Hörigkeit und Abhängigkeit hält.

Viele glaubten den mutmaßlichen Opfern nicht

Dass die Skandale so lange kaum Folgen hatten, lag nicht nur an Kellys geölter PR-Maschine und seinem Wert für die US-Musikindustrie, sondern auch daran, dass sie einem alten Schema folgten: Viele glaubten den mutmaßlichen Opfern, meist schwarzen Mädchen, nicht. „Wenn du in Amerika ungestraft eine Frau sexuell angreifen willst, dann such dir eine schwarze Frau aus“, sagt der Rapper Charlamagne The God in der Dokumentation.

Von Johannes Schmitt-Tegge und Sebastian Moll

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