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Panorama Der „König von St. Pauli“ ist tot
Nachrichten Panorama Der „König von St. Pauli“ ist tot
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15:33 17.09.2016
Starb im Alter von 85 Jahren: der Schauspieler Hilmar Thate. Quelle: dpa
Berlin

Energisch, streitlustig und doch sehr feinfühlig. Hilmar Thate war ein echter Vollblutschauspieler. Als aufmüpfiger Landwirt „Daniel Druskat“ stellte er sich im DDR-Fernsehen Manfred Krug als Film-Gegenspieler entgegen. Im wiedervereinigten Deutschland gewann Thate als „Der König von St. Pauli“ ein großes Fernsehpublikum. Am Theater brillierte der in Dölau bei Halle geborene Darsteller als „Mephisto“ und feierte als „Richard III.“ einen seiner größten Bühnentriumphe.

Im Alter von 85 Jahren starb Thate in Berlin, teilte die Akademie der Künste unter Berufung auf den Familienkreis mitteilte. Um Thate und seine Ehefrau – „Paul und Paula“-Star Angelica Domröse (75) – war es in den vergangenen Jahren still geworden. Seit 40 Jahren waren die Eheleute verheiratet, die als glamourösestes „DDR-Film-Traumpaar“ verehrt wurden und zuletzt sehr zurückgezogen lebten.

Von Shakespear zum Rotlichkönig

Thates künstlerisches Heimat war das Theater ebenso wie der Film. Ob Shakespearescher König, halbseidene Rotlicht-Größe oder Vorsitzender einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft in der DDR – Thates Bandbreite als Schauspieler war legendär. Nach außen eher ruppige Charaktere mit großer emotionaler Tiefe waren die Spezialität des Darstellers, der immer wieder auch „der Widerborstige“ genannt wurde.

Für Rainer Werner Fassbinder stand er für das Drama „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ vor der Kamera, das 1982 den Goldenen Bären der Berlinale gewann. Sein Debüt gab Thate bereits 1949 am Theater in Cottbus. Schon drei Jahre später spielte er erstmals in Ost-Berlin – rasch wurde er einer der gefeiertsten Bühnenstars der DDR. „Ich bin ein Kriegskind, nicht verwöhnt und hatte Glück“, sagte der Schauspieler einmal.

Protesterklärung gegen das DDR-Regime

1976 schob das DDR-Regime das Paar Thate/Domröse aufs künstlerische Abstellgleis. Grund war die spektakuläre Protesterklärung von zahlreichen DDR-Künstlern gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976, die auch die Beiden unterzeichnet hatten. „Ich bereue im Nachhinein nicht eine Sekunde, diese Unterschrift geleistet und nicht zurückgenommen zu haben“, sagte Thate. Doch der Druck wurde zu groß. Das Ehepaar stellte einen Ausreiseantrag und siedelte 1980 in den Westen über.

Dort fanden Thate und Domröse eine neue Heimat am West-Berliner Schillertheater und am Schlossparktheater. Beiden gelang es, in der Bundesrepublik beruflich schnell Fuß zu fassen. Thate arbeitete mit Regiegrößen wie George Tabori und Ingmar Bergman zusammen. Zuletzt war Thate in dem Kinofilm „Hitlerkante“ (2005) zu sehen. Darin spielt er einen regimekritischen Komponisten, der sich in eine glühende Hitler-Verehrerin verliebt.

Von RND/dpa

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