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Der Mann für alle Fälle

Im Gespräch Der Mann für alle Fälle

Sie sorgen für die Sicherheit der Stars – notfalls unter Einsatz ihres Lebens: Bodyguards wie Michael Kuhr können sich keine Sekunde Unaufmerksamkeit leisten. Kuhr hat schon Stars wie Lady Gaga und Leonardo DiCaprio sicher begleitet.

Behält den Überblick: Der Personenschützer Michael Kuhr darf bei der Arbeit sich nicht ablenken lassen.dpa

Hannover/Berlin. Opernbälle, Filmpreisgalas, Premierenfeiern: Die Saison der Promi-Partys hat begonnen. Das bedeutet viel Arbeit für die Bodyguards, die die Reichen und Berühmten schützen müssen. Einer der prominentesten Bewacher ist Michael Kuhr. Er hat schon Stars wie Lady Gaga und Leonardo DiCaprio begleitet – aber auch für weniger berühmte Kunden würde er sich in die Schussbahn werfen

Herr Kuhr, Sie haben schon viele bekannte Menschen beschützt. Welcher Promi war denn am nettesten?

Für mich als Sportler war Usain Bolt ein Highlight. Ihn habe ich eine Woche begleitet. Wir hatten schnell einen Draht und haben viele nette Gespräche geführt. Der war sehr sympathisch.

Sie bekommen bestimmt so einiges mit, was der Öffentlichkeit verborgen bleibt ...

Das kommt immer darauf an, wen wir schützen und wie lange. Bei vielen US-Stars werden wir bei Veranstaltungen in Deutschland dazugebucht, weil wir uns besser auskennen als die eigenen Bodyguards. Da verbringen wir nicht so viel Zeit mit den Prominenten und kommen deshalb schwer in Kontakt. Aber wenn wir jemanden über eine längere Zeit begleiten, dann bekommen wir so ziemlich alles und jede Lebenslage mit und sehen auch die Schattenseiten des Ruhmes. Verschwiegenheit ist in unserem Job deshalb sehr wichtig.

Ist es für Sie schon mal richtig gefährlich geworden?

Bei Personenschutzaufträgen weniger, weil mein Team immer gut vorbereitet ist und deshalb immer erfolgreich war. Als Türsteher hatte ich sehr viele gefährliche Einsätze, mit Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigungen, Angriffen mit abgeschlagenen Flaschen und Messern und Massenschlägereien. In der Regel sind Alkohol und Drogen Auslöser dieser Gewaltexzesse.

Woran erkennen Sie, ob eine Situation gefährlich zu werden droht?

Wir schauen viel auf die Hände der Umstehenden. Sind die in der Jackentasche versteckt? Wirkt der Mensch nervös? Man muss immer voll konzentriert sein. Schließlich sind nicht alle, die ihre Hände in der Tasche haben, gefährlich. Aber es ist eben möglich, dass einer plötzlich eine Waffe zieht.

Als Bodyguard müssen Sie andere Menschen schützen. Aber wie schützen Sie sich selbst?

Bei heiklen Jobs tragen wir schusssichere Westen. Das ist aber eigentlich auch der einzige Schutz, den wir Bodyguards selbst haben. Nur ganz wenige private Personenschützer dürfen eine Schusswaffe in der Öffentlichkeit führen. Ich gehöre zu den wenigen, die eine Waffe tragen dürfen. Ein gefährliches Hindernis seitens der Gesetzgebung. Denn auch als ehemaliger Kickboxweltmeister kann ich in manchen Situationen nichts ausrichten. Da kann man sich nur als lebende Schutzweste vor die Schutzperson werfen.

Das würden Sie tun?

Das ist mein Job, ja.

Sie haben ein hohes Berufsrisiko …

Ich habe schon immer die Gefahr gesucht, auch als Kampfsportler. Damit bin ich sozusagen groß geworden, mit zwölf Jahren war ich zum ersten Mal in einem Kampfsportstudio. Außerdem habe ich 20 Jahre lang als Türsteher in Berlin gearbeitet. Da gibt es jedes Wochenende Stress und körperliche Auseinandersetzungen. Das trainiert, und man weiß irgendwann, wie Menschen reagieren und wie man selbst reagieren muss.

Welche Situationen sind für Sie und Ihre Kollegen besonders schwierig?

Das Schlimmste für uns sind die Bäder in der Menge, wenn Sänger oder Schauspieler zum Beispiel Autogrammstunden geben. Das kann schnell aus dem Ruder laufen und gefährlich werden. Denn wir wissen ja nicht, wer die ganzen Menschen sind, die da in der Nähe der Schutzperson sind. Anders als bei Staatsbesuchen, da sind die Gäste meistens durchs BKA oder LKA durchleuchtet.

Abgesehen von der Gefahr muss es aber ein ziemlich spannender Job sein. Immerhin bewegen Sie sich in ziemlich exklusiven Kreisen.

Sicher trifft man viele bekannte Persönlichkeiten und kommt ihnen näher als die meisten anderen. Aber der Beruf kann auch sehr langweilig sein. Oft haben wir lange Wartezeiten, stehen viel in der Kälte herum. Aber man wird auch belohnt mit spannenden Sachen. Ich war schon auf Partys, die man als normaler Mensch wohl nie besuchen würde. Die oberen Zehntausend wissen, wie richtig gefeiert wird! Aber man ist zum Arbeiten da und muss natürlich konsequent bleiben. Mitfeiern geht da nicht.

In welchen Situationen fühlen Sie sich unsicher?

Wenn ich mit einem unbekannten Team zusammenarbeiten muss, oder im Ausland. Dort habe ich nicht mein Netzwerk und bin von vielen Unbekannten abhängig. Generell habe ich Angst vor unseren inkompetenten Politikern, die produzieren definitiv keine Sicherheit, nur Unsicherheit.

Von Isabell Rollenhagen / RND

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