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Panorama Deutschland feiert unter Polizeischutz
Nachrichten Panorama Deutschland feiert unter Polizeischutz
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10:06 01.01.2017
Vor dem Brandenburger Tor verfolgten Hunderttausende das imposante Feuerwerk. Quelle: dpa
Berlin

Zahlreiche Berliner und Touristen haben sich trotz des Terroranschlags vor knapp zwei Wochen nicht davon abhalten lassen, am Brandenburger Tor ins neue Jahr zu feiern. Hunderttausende Besucher kamen dem Veranstalter zufolge in der Nacht zu Sonntag zu Deutschlands größter Silvesterparty. Um Mitternacht funkelte ein Feuerwerk vom Himmel.

Aus Sicht der Berliner Polizei verlief die Silvesternacht „weitgehend friedlich“. Bis 03.00 Uhr sei es „ein gelungener Rutsch“ ins neue Jahr gewesen, sagte Sprecherin Kerstin Häßelbarth am Sonntag. Auf der Partymeile am Brandenburger Tor habe es vereinzelt Festnahmen wegen Rangeleien, Drogen und Waffenbesitz gegeben. Zudem seien zwei Fälle von sexueller Belästigung gemeldet worden. Die Polizei twitterte: „Es wurden vereinzelt Frauen auf der #Festmeile sexuell belästigt. Wir gehen selbstverständlich jedem Fall nach und berichten.“

Friedliche Feier am Brandenburger Tor

Das Fazit der Polizei über Twitter lautete: „Wir blicken auf einen erfolgreichen Einsatz zurück. Die große Mehrheit der Besucher hat ausgelassen, aber friedlich gefeiert.“ Nach dem Terroranschlag mit einem Lkw an der Gedächtniskirche am 19. Dezember, bei dem zwölf Menschen starben, waren die Sicherheitsmaßnahmen deutlich erhöht worden – etwa mit Betonsperren. Es gab laut der Veranstalter an einigen Stellen auch eine Videoüberwachung. Rund 1700 Polizisten sowie 700 Wachleute und Helfer waren im Einsatz.

Größere Vorkommnisse wurden nicht gemeldet. Am Abend nahm die Polizei einen Mann fest. Er soll auf der Silvesterparty „Bombe, Bombe, Bombe“ gerufen haben und handelte sich damit eine Anzeige ein. „Er feiert nun #Welcome 2017 bei uns“, twitterte die Polizei. Das Deutsche Rote Kreuz meldete zunächst 80 Hilfeleistungen, wie der Veranstalter mitteilte. Die Show am Brandenburger Tor wurde live im ZDF übertragen. Durch den Abend führten Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner. Im Musikprogramm traten Max Giesinger, Felix Jaehn und Marianne Rosenberg sowie internationale Interpreten wie DJ Bobo und Jermaine Jackson auf.

Mehr Menschen als 2016 auf der Reeperbahn

Auch die Silvesterpartys in Hamburg verlaufen friedlich. Auf die verstärkte Polizeipräsenz reagieren viele Feiernde wohlwollend. Die Behörden sind erleichtert. Mehrere Tausend Hamburger haben an beliebten Treffpunkten der Stadt friedlich in das neue Jahr 2017 hineingefeiert. Bis zum frühen Sonntagmorgen habe es an der Reeperbahn, den Landungsbrücken und am Jungfernstieg keine besonderen Vorkommnisse gegeben, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen versammelten sich im Bereich des Vergnügungsviertels St. Pauli sogar mehr Menschen als im vergangenen Jahr. „Es sieht so aus, als wären in diesem Jahr sogar noch einige Tausend Menschen mehr zum Feiern auf die Reeperbahn gekommen“, sagte Polizeipressesprecher Timo Zill. Silvester 2015 waren im Viertel zu Spitzenzeiten rund 50 000 Besucher unterwegs gewesen.

Als Teil eines neues Sicherheitskonzeptes hatte die Hamburger Polizei in diesem Jahr besondere Maßnahmen ankündigt. Mit Absperrgittern, zusätzlicher Straßenbeleuchtung und Videoüberwachung sollte eine Wiederholung der massenhaften Übergriffe auf Frauen aus der letzten Silvesternacht verhindert werden. Das neue Sicherheitskonzept sei jedoch nicht ausschließlich für die Prävention von sexueller Gewalt, sondern auch für den möglichen Terrorfall ausgelegt, betonte Innensenator Andy Grote. So wurden die Partygänger im Hinblick auf den jüngsten Terroranschlag in Berlin durch Fahrbahnsperrungen zusätzlich geschützt.

1000 Verdächtige in Köln festgesetzt

Ein Jahr nach den massiven sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht hat Köln unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ins neue Jahr gefeiert. „Die umfangreiche Vorbereitung war richtig und notwendig“, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies am frühen Sonntagmorgen. Allein in der Kölner Innenstadt waren rund 1500 Beamte eingesetzt, die vermehrt Personalien kontrollierten. Eine erste Zwischenbilanz von Polizei und Stadt in der Nacht fiel verhalten positiv aus.

Am Hauptbahnhof setzten Polizisten 1000 verdächtige Männer fest, in ihren eigenen Worten auf Twitter „Nafris“, nordafrikanische Intensivtäter. Weitere 300 Personen wurden am Deutzer Bahnhof aus einem Zug geholt und überprüft. „Sie werden von uns befragt, und wir werden ihre Identität feststellen. Es wird keiner zu früh gehen“, sagte Mathies. Er habe kurzfristig zwei zusätzliche Hundertschaften zur Verstärkung angefordert.

In der Silvesternacht vor einem Jahr hatte es in Köln massenhaft sexuelle Übergriffe auf Frauen gegeben. Zeugen beschrieben die Täter als nordafrikanisch oder arabisch aussehend. Viele der Beschuldigten waren Flüchtlinge. Am frühen Neujahrsmorgen 2017 berichtete die Polizei von zwei gemeldeten Sexualstraftaten, bei denen Frauen angefasst und begrapscht worden seien. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden, in dem anderen Fall seien die drei Täter noch flüchtig.

Nach den Geschehnissen vor einem Jahr hatten Stadt und Polizei bei der Sicherheit stark aufgerüstet. Die Domplatte war mit Absperrgittern gesichert, es gab Einlasskontrollen, weil dort Feuerwerk verboten war. Neu installierte hochauflösende Videokameras übertrugen Bilder vom Vorplatz des Hauptbahnhofs live ins Polizeipräsidium. Zudem gab es mehrere Straßensperren. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wurden unter anderem Betonklötze aufgestellt, um zu verhindern dass Lastwagen in Menschenmengen fahren können.

Auf der Kölner Domplatte inszenierte der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist eine Multimedia-Show, die sich nach Angaben eines Stadt-Sprechers bis zu 50.000 Menschen ansahen. Dabei wurden Wörter auf den Boden und an Häuser projiziert, die die Kölner in den Tagen zuvor vorgeschlagen hatten – etwa „Anstand“ und „Erinnerung“. Der Boden unter den Füßen driftete langsam weg, so die Illusion. Aus Lautsprechern tönten sphärische Klänge.

Auch in Frankfurt und München blieb es ruhig

Tausende Menschen haben in der Frankfurter Innenstadt das neue Jahr unter freiem Himmel begrüßt. „Die Menschen haben ausgelassen und überwiegend friedlich gefeiert“, sagte ein Polizeisprecher nach Mitternacht. Erstmals wurde ein neues Sicherheitskonzept umgesetzt, nachdem es vor einem Jahr auch am Main zu Übergriffen auf Frauen und Mädchen gekommen war. Dort und auf dem Eisernen Steg waren keine Feuerwerkskörper erlaubt, der Zugang war nur an vier Kontrollstellen möglich. Umso heftiger wurde dann auf dem Römerberg vor dem historischen Rathaus der Stadt geböllert. In München sprach eine Sprecherin des Tollwood-Festivals, wo mit mehr als 6500 Besuchern eine der größten Silvesterpartys in Bayern stieg, ebenfalls von einer guten Stimmung ohne Zwischenfälle. Wegen der Terrorgefahr und mehrerer Anschläge im vergangenen Jahr war die Polizei vielerorts verstärkt im Einsatz.

Von RND/dpa

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