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Nachrichten Panorama Ein Avatar als virtuelle Influencerin
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07:29 26.02.2018
Influencerin Lil Miquela – nur beim genauen hinsehen wird klar: Sie ist nicht echt. Quelle: Instagram
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Hannover

Miquela Sousa ist 19 Jahre alt, hat Sommersprossen und eine Zahnlücke. Sie engagiert sich für die Rechte schwarzer Frauen und Mädchen, und sie ist ziemlich markenbewusst. In letzter Zeit trägt Miquela zum Beispiel am liebsten das Neueste von Prada, was vielleicht daran liegt, dass gerade Mailänder Modewoche ist. Aber auch Louis Vuitton und Chanel hat sie im Schrank. Wie so ein richtiges It-Girl eben. Natürlich hat sie auch schon einen Song veröffentlicht. „Not Mine“ stürmte auf dem Musikstreamingdienst Spotify innerhalb weniger Wochen auf Platz acht. Egal, was die 19-Jährige anfängt, es wird zum Erfolg.

Kein Wunder, dass viele Mädchen gern das Leben von Miquela führen würden. Wenn sie denn eines hätte. Denn Miquela gibt es nur auf Instagram. Die 19-Jährige ist nichts anderes als ein programmierter Avatar, eine virtuelle Kunstfigur, die nur vorgibt, ein reales Leben zu führen. Ihre Macher inszenieren Miquela so perfekt, dass mittlerweile über 600 000 Menschen das virtuelles Wirken der Instagram-Influencerin verfolgen und Modelabels die 19-Jährige als perfekte Werbefläche entdeckt haben. Erst Kürzlich postete Miquela ein Polaroid von sich. Dazu erzählte sie die Geschichte von ihrem Umzug nach Los Angeles. „Ich hatte dieses Wochenende so viel Spaß! Ich hatte das Gefühl, dass L. A. mich völlig willkommen geheißen hat.“

Miquela nur der Anfang?

Für Christoph Kastenholz, Gründer und Inhaber der Agentur Pulse Advertising mit Sitz in Hamburg, Mailand und New York, ist Miquela möglicherweise nur „ein Anfang“. Kastenholz bringt Unternehmen mit Influencern zusammen. Miquela wäre deshalb auch für ihn interessant. Kastenholz ist überzeugt, dass sie das Potenzial hat, große Trends zu setzen. „Zum einen besitzt Miquela jetzt schon eine große Reichweite, zum anderen können ihre Programmierer sie immer weiterentwickeln“, sagt er. Theoretisch könne sie sogar zum Sprachrohr für eine politische oder soziale Organisation werden. Seit Neuestem führt ein Link auf Miquelas Instagram-Account auf eine Website, die sich für die digitale Bildung von schwarzen Mädchen einsetzt. Dass Influencer-Werbung tatsächlich funktioniert, will eine Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) vom November 2017 herausgefunden haben. Danach hat jeder sechste Internetnutzer zwischen 14 und 29 Jahren bereits Produkte gekauft, die er zuvor bei einem Influencer sah.

In erste Linie ist die sommersprossige Miquela aber in Sachen Mode aktiv. Das Foto mit dem Diesel-Sweatshirt gefiel beispielsweise über 37 000 Usern. Die gelbe Moncler-Daunenjacke fanden 38 000 Leute chic. In einem Interview, dass sie Anfang Februar dem Branchenblatt „Business of Fashion“ gab, berichtete Miquela, sie wolle vor allem als Künstlerin ernst genommen werden und nicht nur Oberflächlichkeiten mit ihren Followern teilen. Ach ja. Das eigentlich Erstaunliche war aber die Tatsache, dass ein Magazin ernsthaft ein Interview mit einem Avatar geführt hatte. Miquela stellt die Branche auf den Kopf. Man könnte auch sagen, sie führt sie ad absurdum. Wenn auch möglicherweise ungewollt.

Maquela von einer Künstlerin erschaffen

„Die Neuerfindung des Internets ist Miquela dennoch nicht“, meint Philipp John, Gründer von Reachhero, einer Influencer-Marketing-Agentur und -Plattform. „Miquela verfügt nicht über eine eigene künstliche Intelligenz, sondern sie ist die perfekte, von Menschen gemachte Inszenierung“, so John. Man kenne das bisher vor allem aus dem asiatischen Raum. So ist Miku Hatsune bis heute einer der größten virtuellen Stars, den die japanische Popkultur hervorgebracht hat. Wenn die 16-Jährige auf der Bühne steht, rasten japanischen Teenies regelmäßig aus.

Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Miku und Miquela. Bei Miku sieht man auf den ersten Blick, dass sie kein menschliches Wesen ist. Ihre Gestalt ähnelt der eines Manga-Charakters. Miquela dagegen sieht aus, als wäre sie aus Fleisch und Blut. Ihre Herkunft ist vielmehr ein Mysterium, was mitunter den Erfolg noch einmal beflügelt, sagt John.

Bisher ist nur bekannt, dass sie halb spanische und halb brasilianische Wurzeln hat und eine weibliche Künstlerin auf die Idee kam, Miquela zu erschaffen. Nur Geld, das verriet sie der „Business of Fashion“, habe sie mit Miquela bisher noch nicht verdient.

Von Nora Lysk/RND

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