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Panorama Ein Delfin verzaubert Kiel
Nachrichten Panorama Ein Delfin verzaubert Kiel
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10:09 14.09.2016
Seit Tagen lockt ein Delfin in der Kieler Förde Schwimmer an. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel


Zahlreiche Schaulustige stürzten sich in die Fluten, um den Meeressäuger anzufassen und mit ihm zu spielen.

„Wir haben alles stehen und liegen lassen und sind losgefahren“, erzählt Andreas Krause. Der Kieler und seine Tochter Karlotta (15) zählen zu den ersten, die mit dem Tier geschwommen sind. Vater und Tochter folgten dem Anruf einer Freundin, die den Tümmler vor Holtenau entdeckte. Dort angekommen, war die Enttäuschung erstmal groß. „Das Tier war nicht zu sehen“, sagt der 52-Jährige. Rund eine halbe Stunde stand die Kieler Familie am Ufer, bis von einem Schiff der Ruf ertönte: „Er ist wieder da!“

Karlotta zögerte nicht lange und sprang in voller Montur ins Wasser. „Sie war völlig aus dem Häuschen“, erinnert sich ihr Vater, der das Erlebnis im Foto festhielt. Er habe sich samtig angefühlt und mit ihr gespielt. Die Freundin, die mit im Wasser war, wurde sogar am Bein gestupst. Die Krauses sind begeistert von der privaten Flipper-Show. „Mit einem Delfin zu schwimmen war immer ein Traum, den wir uns jetzt vor der Haustür erfüllen konnten.“

Zuerst gesichtet wurde der Delfin am Freitag in der Wik. Am Nachmittag wanderte er gen Holtenau und sorgte an der Schleuse für Aufsehen. „Er wurde plötzlich in der Schleusenkammer entdeckt“, bestätigte Matthias Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau.

Die Schleuse ist sein Lieblingsort

Die Schleuse scheint für das große Tier seitdem Anlaufstelle Nummer eins zu sein. Dort schaute es täglich vorbei und schleuste munter von der Förde in den Kanal und zurück. In der Nacht zu Sonnabend veranlasste die Kanalverwaltung noch die Sperrung der Nordschleuse, weil sie befürchtete, dass das Tier im Nord-Ostsee-Kanal mit Schiffen kollidieren und nicht genügend Nahrung finden könnte.

Da der hartnäckige Flipper aber immer wieder versuchte, mit Schiffen auf die andere Seite zu kommen, ließen sie ihn schließlich gewähren. Eine dauerhafte Sperrung der Wasserstraße sei nicht möglich, denn die Schiffe müssten den Kanal passieren können. „In die Schleusen passt von der Länge her der Eiffelturm, aber wenn so ein 10.000-Tonnen-Containerschiff drin ist und der Delfin auch, könnte das Tier schnell mal ins Schraubenwasser geraten“, sorgt sich der ehrenamtliche Schleusenführer Rüdiger Bock. Der Tümmler soll allerdings mittlerweile das 90-sekündige Signal, das ertönt, wenn die Schleusentore schließen, erkennen und dann schnell in die Kammer schwimmen.

Auch an anderen Orten in der Kieler Förde sorgte der Delfin für staunende Gesichter und Glücksgefühle. Ein Frühaufsteher scheint der große Tümmler allerdings nicht zu sein, die meisten Sichtungen waren am späten Nachmittag oder Abend. Nur am Dienstag begleitete er schon um 7 Uhr eine Fähre. Zuletzt wurde er am späten Dienstagnachmittag vor der Seebar Düsternbrook gesichtet.

Forscher warnt, das Tier nicht anzufassen

Ins Staunen kommt auch der Kieler Meeresbiologe Boris Culik, allerdings aus einem anderen Grund. „Normal ist das nicht, dass er so zutraulich ist.“ Es gebe aber immer wieder Delfine, die aktiv die Nähe zu Menschen suchten, „vielleicht ist er einfach nur einsam.“ Der Forscher geht davon aus, dass der Tümmler einer Gruppe angehört, die im Kleinen Belt entdeckt wurde. Der Delfin könne noch einige Wochen zu Gast sein. Da er mittlerweile das Schleusen kenne, sei es möglich, dass er nicht über den Skagerrak in die heimischen Gefilde der Nordsee zurückkehrt, sondern durch den Kanal.

Culik warnt aber davor, das Tier anzufassen. „An unseren Händen sind Keime, mit denen Delfine nicht zurechtkommen.“ Die Wasserschutzpolizei erklärt, das Baden nahe Schleusen sei untersagt und behindere den Schiffsverkehr. Man solle Rücksicht nehmen, da der Delfin sich bedrängt fühlen könnte.

Von RND/Gunda Meyer

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