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Panorama Elena Ferrantes Identität angeblich geklärt
Nachrichten Panorama Elena Ferrantes Identität angeblich geklärt
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22:07 02.03.2018
Elena Ferrantes Buch „Meine geniale Freundin“ verkaufte sich bereits 250.000 mal. Quelle: Suhrkamp Verlag
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Rom

Anita Raja. Mitte sechzig, ist mit dem italienischen Schriftsteller Domenico Starnone verheiratet, dem man auch schon nachgesagt hat, Elena Ferrante zu sein. Nun will ein Journalist ihr auf die Schliche gekommen sein und riskiert so, dass eine der erfolgreichsten Autorinnen der Gegenwart („Meine geniale Freundin“) aufhört zu schreiben. Das jedenfalls hatte die einmal für den Fall angekündigt, dass man sie enttarnt. Pikanterweise arbeitet Raja für Ferrantes Verlag Edizioni e/o. Ihr Name war bereits früher im Rätselraten um die Identität gefallen. Doch nun hat der Journalist Claudio Gatti vorgeblich alles aufgeklärt.

Gigantisch angestiegene Honorare als Hauptindiz

In seinem Artikel in der Sonntagsbeilage der Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 ore“ folgt der „Spur des Geldes“. Demnach gelangte er an Unterlagen des römischen Verlages. Aus denen gehe hervor, dass die Honorarzahlungen an Raja seit dem Riesenerfolg der englischen Version von Ferrantes Neapel-Tetralogie auf dem amerikanischen Markt exponentiell gestiegen seien. Mit der schlecht bezahlten Tätigkeit einer Übersetzerin sei das einfach nicht zu erklären, schreibt Gatti in dem Artikel, der am Sonntag auch in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, der amerikanischen Zeitschrift „The New York Review of Books“ und auf der französischen Website Mediapart erschien. Gatti legt außerdem eine Art literarische Indizienkette vor. So sei Elena, wie die Hauptfigur im Roman heißt, auch der Name einer geliebten Tante Rajas. Nino, Elenas große Liebe im Roman, sei auch der Spitzname von Domenico Starnone, Rajas Ehemann.

Eine Übersetzerin für deutsche Literatur als Literatur-Star?

Allerdings lernen schon Literatur-Studenten an der Uni, dass ein Roman nicht etwas mit dem Leben des Autors zutun haben muss. Gattis Thesen dürften noch einige Diskussionen auslösen. Anita Raja ist dem Bericht zufolge die Tochter einer in Worms geborenen polnisch-stämmigen Jüdin, die vor den Nationalsozialisten nach Italien floh, wo sie allerdings von den Faschisten drangsaliert wurde. In Neapel habe sie sich niedergelassen, Schauplatz von Ferrantes großem Werk. Es handelt von den Freundinnen Lila und Elena. Über vier Bände mit zusammen rund 1600 Seiten skizziert die Autorin deren Lebensweg über sechs Jahrzehnte. Das alles soll also Raja geschrieben haben, die ansonsten deutsche Literatur übersetzt.

„Schreiben ist nicht mein Beruf“

Doch falls Gatti wirklich richtig recherchiert haben sollte, hat Ferrante in einem ihrer Interviews zumindest in einem Punkt gelogen. „Ich heiße Elena, bin eine Frau, und ich bin in Neapel geboren“, sagte sie einem schriftlich geführten Dialog mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Aufhorchen lässt im Nachhinein allerdings folgender Satz: „Schreiben ist nicht mein Beruf. Ich tue etwas anderes.“ Mit seiner Enthüllungsstory machte sich Gatti nicht nur Freunde. Auf Twitter fragten viele Nutzer nach dem Sinn, Ferrantes Identität zu verraten. „Niemandes Identität sollte ohne dessen Einverständnis offengelegt werden“, lautete einer der Kommentare. Denn es geht auch um die Aura des Geheimnisvollen, die diese Frau umgibt. „Für mich ist Neapel eine prophetische Stadt, sie nimmt das Schlimmste und das Beste der Welt vorweg“, sagte Ferrante - oder Raja? – dem „Spiegel“.

250.000 Exemplare in Deutschland seit August verkauft

Die erst Ende August erschienene deutsche Übersetzung des ersten Bandes wurde schon 250.000 Mal verkauft und schaffte es auf Platz 1 der „Spiegel“-Bestsellerliste. Der Suhrkamp-Verlag, der 2017 auch die übrigen drei Bände auf Deutsch publizieren will, wollte am Sonntag Gattis Beitrag nicht kommentieren. „Da unsere Autorin Elena Ferrante es vorzieht, ihre Anonymität zu wahren, werden auch wir uns zu Fragen, die ihre Identität betreffen, nicht äußern“, sagte Sprecherin Tanja Postpischil. Sollte Gatti recht haben, Elena in Wirklichkeit also Anita heißen und Ferrante nun die Schriftstellerei aufgeben, hätte sie nach den von Gatti recherchierten Honorarzahlungen aber schon jetzt für ihren Lebensabend in Rom ausgesorgt.

Von RND/dpa/dk

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