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Panorama Erschütternde Opfer-Aussagen über die Polizei
Nachrichten Panorama Erschütternde Opfer-Aussagen über die Polizei
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20:01 24.10.2016
In der Silvesternacht hatte es vor dem Kölner Hauptbahnhof und auf der Domplatte massive Übergriffe auf Frauen gegeben. Quelle: dpa
Köln/Düsseldorf

Belästigt, geschockt und alleingelassen – so fühlten sich Hunderte weiblicher Opfer in der Silvesternacht in Köln. Der Rechtspsychologe Prof. Rudolf Egg hat für den Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags über 1000 Fälle ausgewertet. Am Montag zitierte er aus seinem Bericht erschütternde Passagen aus den Anzeigen der Opfer.

Frauen, die übel begrapscht und auf widerwärtige Weise sexuell belästigt worden sind, gaben etwa zu Protokoll: „Leider waren die Polizisten vor Ort nicht sehr hilfreich. Eine Beamtin sagte zu mir: ’Du kommst doch aus Köln, dann weißt du doch, dass du hier nicht feiern gehen darfst.’“

„Ich habe mich hilflos gefühlt“

Drastisch erzählen die überwiegend jungen Frauen in ihren Anzeigen von aggressiven, nicht enden wollenden Übergriffen zahlloser Hände in einer anonymen Menge. „Ich habe mich in dem Moment hilflos gefühlt! Ich habe die ganze Zeit nichts gesehen, nur gespürt, weil meine Augen voller Tränen waren.“

Ähnlich eindringlich sind die Notrufe der Silvesternacht, die im Ausschuss eingespielt werden. Männer und Frauen berichten im Abstand weniger Minuten von einer ausufernden gefährlichen Gemengelage zwischen Kölner Hauptbahnhof und Dom.

Polizisten klingen gelangweilt

„Die schießen Böller aufeinander – auch auf Mütter mit Kinderwagen“, ruft eine Anruferin ins Telefon. „Wir wurden von ganz vielen angegrapscht. Das ist wirklich sehr grenzwertig und gefährlich. Da stehen Polizisten, aber die machen gar nichts.“ Ihr sei geraten worden, die 110 zu wählen.

Ähnliche Anrufe gehen zuhauf ein. „Hier ist Ausnahmezustand“, meldet ein weiterer Anrufer vom Hauptbahnhof. Polizei sei nicht vor Ort. Die Antworten der Polizisten am anderen Ende klingen nüchtern bis gelangweilt: „Okay“, sagt einer, „Wissen wir Bescheid“, merkt ein anderer an. Empathie und prompte Hilfe hören sich anders an.

Frauen wurden sexuell gedemütigt

Er gehe nicht davon aus, dass sich in der Silvesternacht Hunderte gewaltbereiter, rücksichtsloser Männer gezielt verabredet hätten, um Frauen sexuell zu demütigen und Feiernde zu bestehlen, folgert Prof. Egg aus den vorliegenden Fällen. Was er beschreibt, ist eigentlich schlimmer: „eine Sog-Wirkung“. Die Übergriffe geschehen, weil sie geschehen können: Von harten Griffen zwischen die Beine über Eindringen mit den Fingern bis hin zu ekligen Sex-Spielen mit den hilflos eingekesselten Opfern.

„Wenn man keine Polizeikräfte in der Menge hat, sieht man natürlich auch nichts“, stellt Egg fest. Da solche massenhaften Übergriffe ein bis dahin beispielloses Phänomen in Deutschland gewesen seien, sei die Polizei mit viel zu wenig Kräften vor Ort gewesen.

Doch damit werden es Landtag und Innenministerium nicht bewenden lassen können. Denn die Aussagen der Opfer warfen auch grundsätzlich Fragen nach der Wehrhaftigkeit und Qualifikation der Polizei auf. „Der eine Polizist ließ uns nicht ausreden, der andere drehte sich in Richtung Rheinufer und tat so, als ob er da etwas Wichtiges zu schauen hätte“, gab eine Frau zu Protokoll. „Sie könnten uns nur raten, da nicht mehr hineinzugehen, sie würden es auch nicht tun, und alles würde sich regeln.“

„Ich fühlte mich nicht wie ein Mensch“

Eine Auswahl von Passagen aus den Anzeigen der Opfer:

„Ich fühlte mich in dieser Nacht nicht wie ein Mensch, sondern eher wie ein Gegenstand.“

„So eine Panik und Angst habe ich noch nie gehabt.“

„Ich habe mich in dem Moment hilflos gefühlt! Ich habe die ganze Zeit nichts gesehen, nur gespürt, weil meine Augen voller Tränen waren.“

„War das denn wirklich so schlimm? Ja, das war es, eine derartig bedrohliche Situation habe ich vorher noch nie erlebt.“

„Meine Freundin hat dann einen Polizisten angesprochen, der vor diesem Ausgang stand. Ich habe ihm geschildert, was mir passiert ist und habe ihm auch die Männer gezeigt. (...) Die Gruppe der Männer hat hinter dem Eingang immer weitergemacht und auch andere Leute belästigt. Und dies alles unter den Augen des Polizisten. Deshalb habe ich ihn aufgefordert hier einzugreifen, was er allerdings nicht getan hat. Er sagte zu mir persönlich: ’Da kann ich nichts machen’. (...) Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch eine Riesenwut, da ich in der Situation um Hilfe rief und keiner der Passanten geholfen hat, nicht einmal der Polizist.“

„Dann grapschten diese Männer uns auch an, an den Busen und auch in die Hose, an den Po. Wir versuchten uns zu wehren und schlugen um uns. Daraufhin schlugen die Männer zurück. Wir schrien und weinten nur noch. Es war schrecklich. (...) Die Polizisten, die wir angesprochen hatten, haben uns nicht geglaubt und auch nicht geholfen. Es waren drei Polizisten und eine Polizistin. Die haben sich das Ganze nur angeschaut und nichts getan. Wir sind ziemlich entsetzt darüber und auch verärgert.“

„Meine Freundin aus Köln war völlig fertig. Sie war am Weinen und hat uns erzählt, dass sie einen Finger im Po hatte ... Ich möchte noch dazu sagen, dass wir am Brückenkopf die dort stehende Security angesprochen und die Situation geschildert haben. Die haben uns aber nicht ernst genommen. Eine Frau hat zu mir gesagt, dass man als junge Frau an solchen Tagen solche Orte meiden soll.“

„Nach etwa fünf Minuten kamen vier Polizisten, zwei Männer und zwei Frauen. Die sind jedoch in den Streifenwagen eingestiegen und weggefahren.“

„Leider waren die Polizisten vor Ort nicht sehr hilfreich. Eine Beamtin sagte zu mir: ’Du kommst doch aus Köln, dann weißt du doch, dass du hier nicht feiern gehen darfst.’ (...) Dass mir somit praktisch die Schuld zugewiesen wurde, ist für mich noch immer unbegreiflich.“

„Wir sind in dieser Nacht von circa sieben Männern, die untereinander Arabisch geredet hatten, bedrängt worden. Wir wurden an die Wand gedrückt und zwischen den Beinen, an den Brüsten und am Kopf ’betatscht’. (...) Nachdem die Täter sahen, dass wir zu den beiden Polizisten liefen, rannten diese zurück in die Menge. Der eine Polizist ließ uns nicht ausreden, der andere drehte sich in Richtung Rheinufer und tat so, als ob er da etwas Wichtiges zu schauen hätte. Uns wurde dann erklärt, wir sollten uns beruhigen, es sei sicherlich nicht so schlimm gewesen und sie könnten uns nur raten, da nicht mehr hineinzugehen, sie würden es auch nicht tun, und alles würde sich regeln. Meine Freundin schrie den Beamten an, dass es da drin brutal zuging und er ermahnte uns, mit ihm anständig zu reden.“

„Die Polizei versperrte die Domplatte und drängte uns alle nach außen an den Rand, hierbei wurden wir wieder mehrfach unsittlich berührt, ebenfalls im Intimbereich. (...) Wir baten einen Polizisten uns zu helfen, der meine Schwester anschrie, sie solle sofort zurück an den Rand gehen und schubste sie dorthin. Erneut wurde ich hinter mir von mehreren Händen angefasst.“

Von dpa/RND

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