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16:56 14.04.2018
Egal ob märchenhaft, geometrisch-reduziert oder naturalistisch – Tattoos von der Stange sind out, heute gilt: je individueller, desto besser. Quelle: privat
Hannover

Beflügelte Totenköpfe, Segelboote, Tribals und Schwalben – das sind klassische Tattoo-Motive, die in der Vergangenheit auf unzählige Arme, Schulterblätter und Unterschenkel gestochen wurden. Die Tattoo-Kunst entwickelt sich aber ständig weiter, ist längst aus der Nische getreten, die einst etwas suspekten Gestalten vorbehalten war.

In Städten wie Berlin ist eine kreative Tätowierszene entstanden, die unterschiedliche visuelle Stilformen bedient. Das Tattoo gehört als modischer Körperschmuck zum gesellschaftlichen Alltag. Was von Teilen der Tattoo-Szene als Mainstream bespöttelt wird, birgt zahlreiche Möglichkeiten.

Tätowiererin Susanne König etwa mag es verspielt. Sie sticht zarte Rehköpfe mit Blumenkranz auf dem Haupt und Bubikragen um den Hals. Ihre Motive erinnern an Bilder aus nostalgischen Kinderbüchern. Es sind märchenhafte Szenen, die auf Haut verewigt werden. Die Tattoo-Künstlerin aus Hamburg zählt zu den Stars auf Pinterest. Um bei König einen Termin zu bekommen, muss man Geduld haben. Es gibt monatelange Wartezeiten.

Tierisches in Kombination mit geometrischen Figuren

Tierische Motive – bevorzugt in Kombination mit geometrischen Formen – sind auch das Markenzeichen von Valentin Hirsch. Der gelernte Druckgrafiker bevorzugt heute die individuelle Arbeit auf Haut, obwohl er durchaus Parallelen zu seiner früheren Arbeit wahrnimmt: “Auch bei einer Radierung muss man etwas zerstören, um etwas zu erschaffen.“ Einige seiner Motive wirken unterschiedlich – je nachdem, ob man sie aus der Perspektive des Besitzers oder seines Gegenübers betrachtet. Hirsch zählt zu den besten Tätowierern in Deutschland.

Die Kunst des Tätowierens ist seit Langem bekannt. Die alten Ägypter haben bereits mit gestochenen Körperbildern ihre Götter verehrt. Krieger haben Tattoos als Zeichen von Tapferkeit und Mut getragen. Sogar Kaiserin Sisi hatte einen Anker auf der kaiserlichen Schulter tätowiert.

Im 18. Jahrhundert brachte der britische Entdecker James Cook einen komplett tätowierten Tahitianer nach Europa, der in gesellschaftlichen Runden zur Schau gestellt wurde. Zu dieser Zeit wurde noch jeder einzelne Punkt mit Hand gestochen – ein sehr langwieriges und auch schmerzhaftes Unterfangen. Mit Erfindung der elektrischen Tätowiermaschine kam der Durchbruch. Fortan war Tätowieren viel schneller und einfacher – und etablierte sich stärker in der Gesellschaft. Schon immer wurden Tätowierungen als Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit getragen, ganz egal ob bei Kriegern, Kriminellen oder bei Hipstern.

Feine Linien, chemische Formeln und ganz auf den Träger zugeschnittene Motive: die neuen Tattoos sind individueller als je zuvor. Quelle: privat

Dank der immensen Nachfrage und dem wachsenden Anspruch der vergangenen Jahre sind die Gerätschaften noch besser geworden, die Infektionsgefahr in etablierten Studios nahezu ausgeschlossen, die Konkurrenz hart und die Kunstfertigkeit immer ausgefeilter.

Das sagt auch Christoph Süß, Tätowierer aus München. Sein erstes Tattoo hat er sich mit 18 Jahren stechen lassen: einen Totenschädel auf dem Oberarm. Er wollte verwegen wirken, erzählt er lächelnd. „Früher sind die Leute in einen Tätowierladen gegangen. Da waren die Wände voll mit Motiven und sie haben sich ausgesucht, was da war. Extrawünsche wurden in den Achtzigern total abgeschmettert“, erzählt er. „Zehn Jahre später wären die Tätowierer froh gewesen, wenn ihre Kunden eigene Ideen mitgebracht hätten. Und heute ist es das andere Extrem. Auf jeden Fall soll es etwas Individuelles sein, das sonst keiner hat. Und am besten mit einer tieferen Bedeutung.“

Ob er solchen Wünschen gerecht werden will, entscheidet Süß von Kunde zu Kunde. Er kann es sich leisten, Anfragen hat er genug. Mit seinem Kollegen hat der heute 46-Jährige vor zwölf Jahren das Tattoo Studio Traitors’ Island eröffnet. Ein Laden, aufgemacht als Pirateninsel mit Palmen, einem Modell-Segelschiff hinterm Tresen und einer Piratenfigur im Eingang. Seine jüngsten Kunden sind 18, die älteste Frau, die er tätowiert hat, war 79 Jahre alt.

Maori-Tattoos sind die neuen Tribals

Ganz wichtig ist für Süß eine gute Beratung und das Gefühl, dass er und der Kunde von der Wahl des Motivs überzeugt sind. Wenn es letzten Endes ein Old-School-Panther sein soll, den jemand seit 20 Jahren haben möchte, wird Christoph Süß ihm diesen Wunsch nicht ausreden – auch wenn der Panther nicht gerade besonders angesagt ist.

Spezialisiert hat sich Süß mit der Zeit auf polynesische Maori-Tattoos. Die Stammesmuster sind aufwendig in der Vorarbeit und extrem arbeitsintensiv. Viele dieser Tattoos haben spirituelle Bedeutung und fungieren als Talisman. Grundsätzlich haben sie die Tribals der Neunzigerjahre abgelöst, sind aber keine Fantasiegebilde.

Der Münchner Tätowierer empfiehlt jedem Menschen mit Tattoo-Wunsch, ein Studio zu wählen, das zu ihm passt. Dann werde am Ende auch das Ergebnis glücklich machen. Was Tattoos für ihn so einzigartig machen? „Es gibt keinen Ersatz für eine Tätowierung. Und das wird immer so bleiben“, sagt Christoph Süß. Umso wichtiger, dass man sich bei Tattoos auf keine Schnäppchenangebote einlässt. Denn in der Regel sieht ein billiges Tattoo am Ende auch dementsprechend aus. Und das für sehr lange Zeit.

Kugelstosser Konrad Bukowiecki aus Polen mit einer angesagten Rippentätowierung des Comichelden Iron Man. Quelle: Norbert Schmidt

Schriften bleiben übrigens angesagt, seit Kurzem auch auf den Rippen. Ohnehin sind Rippentätowierungen aufgrund ihrer Intimität extrem gefragt. Weitaus offensichtlicher und doch dezent: Sternbilder in Form von Sommersprossen im Gesicht, am liebsten gestochen von Dr. Woo. Hollywoods Tattoo-Star setzt zudem auf kleine, filigran gestochene Bilder, sogenannte Single-Needle-Tattoos.

Bei vielen Tattoo-Künstlern macht es auch der Mix aus kontrastreichen Stilrichtungen, etwa in komplexen Arrangements aus geometrischen Formen, Linien und naturalistischen Elementen wie bei Marta Lipinski aus Leipzig. Das Gegenteil dazu – absolut auf Reduktion angelegt – sind One-Line-Tattoos. Die Bilder bestehen nur aus einer einzigen Linie, ganz schlicht und doch unglaublich effektiv.

Von Andrea Mayer-Halm

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