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Panorama Getöteter Eisbär: Scharfe Kritik an Arktis-Reisen
Nachrichten Panorama Getöteter Eisbär: Scharfe Kritik an Arktis-Reisen
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12:01 30.07.2018
Der erschossener Eisbär liegt an der Küste nachdem er auf Spitzbergen ein deutsches Crew-Mitglied angegriffen hatte. Quelle: dpa
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Stockholm

Bei einer Erkundungstour auf einer Insel im norwegischen Spitzbergen ist ein deutsches Crew-Mitglied des Kreuzfahrtschiffes „MS Bremen“ am Samstag von einem Eisbären angegriffen und verletzt worden. Der Mann, der im Auftrag des Veranstalters Hapag-Llyod Cruises als sogenannter Eisbärenwächter beschäftigt ist, wurde in ein Krankenhaus nach Tromso gebracht. Er sei außer Lebensgefahr und ansprechbar.

Ein anderes Schicksal erwartete den Bären. Er wurde von anderen Wächtern aus „Gründen der Notwehr“ erschossen. Der getötete Eisbär soll laut Polizei nun obduziert werden.

Die Behörden der Region warnen regelmäßig vor der Gefahr, die von Eisbären ausgeht. Im Jahr 2015 verletzte ein Polarbär einen Tschechen, der dort eine Sonnenfinsternis beobachten wollte. Die letzte tödliche Attacke eines Eisbären geschah 2011, als ein britischer Student ums Leben kam.

In den Sozialen Netzwerken stieß der Vorfall auf heftige Reaktionen. Vor allem der tödliche Schuss und der Reiseveranstalter wurden scharf kritisiert.

Der britische Comedian Ricky Gervais etwa schrieb: „Lasst uns die Eisbären in ihrer natürlichen Umgebung von Nahem anschauen und dann töten wir ihn, wenn er zu nahe kommt – Idioten!“

„Die Eisbären-Heimat ist kein verdammter Touristenort“, kommentiert ein weiterer Nutzer. „Dürfen wir Tiere in ihrem angestammten Lebensraum töten, weil Touristen dort ihre Freizeit verbringen möchten?“, fragt eine andere.

Eisbären gelten laut der „International Union for Conservation of Nature und Natural Resources (IUCN)“ als gefährdet und sind durch den Klimawandel bedroht. Weil das Polareis schmilzt, haben die Tiere Probleme bei der Nahrungssuche. 2017 wurden die Gesamtpopulation auf 30.000 Exemplare geschätzt. Angriffe auf Menschen sind selten: Das „Wildlife Society Bulletin“ berichtete im vergangenen Jahr von 73 Vorfällen, die in Kanada, Grönland, Norwegen, Russland und den USA im Zeitraum zwischen 1870 und 2014 dokumentiert wurden.

Der Kreuzfahrtveranstalter Hapag-Lloyd Cruises wirbt für die Reisen nach Longyearbyen mit dem Versprechen, die Passagiere könnten dort „Arktis pur“ erleben. „Wo Eisbären die Wildnis regieren“, heißt es auf der Webseite, „bestimmt die Natur den Verlauf ereignisreicher Tage“. Eine zehntägige Reise mit der „Bremen“, die 160 Passagiere mitnehmen kann, kostet mindestens 5810 Euro.

Auf Facebook äußerte sich das Unternehmen in einem Statement. Darin bedauerte Hapag Lloyd Cruises den Vorfall. Die Eisbären-Beobachtungen würden nur von Bord der Schiffe aus erfolgen. Landgänge würden sofort abgebrochen, sobald sich ein Tier nähere, hieß es darin.

Informationen zum aktuellen Vorfall auf Spitzbergen - MS BREMEN Am Samstag ist es bei einem Landgang während einer...

Gepostet von Hapag-Lloyd Cruises am Sonntag, 29. Juli 2018

Von RND/dpa/mkr

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