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Panorama Give-aways sind der große Trend
Nachrichten Panorama Give-aways sind der große Trend
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20:18 18.05.2018
Zur Erinnerung: Das Abschiedsgeschenk an Gäste wird immer beliebter. Quelle: Internet
Hannover

Waren Sie auch schon einmal auf einer Feier, von der Sie mit volleren Händen nach Hause gekommen sind, als Sie hingegangen sind? Beladen mit kleinen Marmeladengläsern, bedruckten Regenschirmen, bemalten Aschenbechern oder hausgemachtem Schnaps? Herzlich willkommen im Zeitalter der Gastgeschenke! Keine Hochzeit, keine Firmenparty, keine Taufe, kein Kindergeburtstag darf heute mehr ohne ein sogenanntes Give-away über die Bühne gehen. Wichtigster Wunsch der Einladenden scheint es neuerdings zu sein, dass sich ihre Gäste nicht bloß während der Feier wohlfühlen, sondern auch möglichst viel davon mitnehmen – und zwar mehr als ein paar hübsche Erinnerungen oder einen satten Kater.

Für Gastgeber wird das Leben dadurch mitnichten leichter, geschweige denn günstiger. Neben den üblichen organisatorischen Hürden – die Einladungen, die Location, das Essen, die Getränke, die Musik, das Kinderprogramm – steht mit dem Give-away jetzt ein weiterer Punkt auf ihrer To-do-Liste.

Grinsebild auf Streichholzschachtel? Nicht kreativ genug!

Denn natürlich will man seinen Gästen etwas Besonderes mitgeben. Schnöde Grinsebilder des Brautpaares oder des Jubilars auf Streichholzschachteln, die den Gästen auf ihre Tellerchen gelegt werden, sind noch nicht die beste Lösung. Originell muss das Give-away sein, möglichst persönlich und durchdacht, oder – zumindest in manchen Kreisen – auch einfach kostspielig, wenn man an die Goodie-Bags der Oscar-Verleihungen denkt. Diamantschmuck, Kosmetik und Luxusreisen im Wert von 113 000 Euro steckten dort zuletzt in der Geschenketüte. Mit Anti-Aging-Cremes und Schminkartikeln fallen die Give-aways bei der Berlinale deutlich bescheidener aus.

Die Palette der Möglichkeiten ist tatsächlich lang. Wer einmal danach sucht, wird im Netz mit Anreizen und Angeboten, wie man den Gästen Dankbarkeit fürs Kommen und Mitfeiern zollt, nahezu überflutet. Unter angehenden Eheleuten gehört es mittlerweile offenbar zum guten Ton, Freunden etwas ausgesprochen Süßes und Kitschiges mit auf den Weg zu geben, angefangen von rosaroten Schokopralinen, bestenfalls in Herzform, bis hin zu parfümiertem Hochzeitstee oder aufwendigen Duftkerzen. Ohne eingraviertes Konterfei oder die Initialen des Brautpaares geht es dabei nicht, schließlich will sich das junge Glück nicht bloß in den Herzen, sondern auch in den vier Wänden ihrer Gäste einen Ehrenplatz sichern.

Süßes mit Gravur steht für Give-aways hoch im Kurs. Quelle: Internet

Auch bei Kindergeburtstagen lässt sich der Besuch kaum mehr mit der herkömmlichen bunten Süßigkeitentüte abspeisen. Wer als Gastgeber keine enttäuschten Mienen ernten oder seine Vorgänger übertrumpfen will, greift heutzutage lieber ein bisschen tiefer ins Portemonnaie und steckt den Kleinen am Ende eines durchinszenierten Nachmittags noch ein paar Playmobilfiguren, Bastelboxen oder Videospiele zu.

Oder lieber was basteln?

Statt auf Kommerz setzen andere „Veranstalter“ auf Kreativität und schlagen sich mit dem Kleben, Nähen und Bemalen lustiger Tiermasken, kleiner Fingerpuppen oder laktoseglutenzuckerfreier Krümelmonsterkekse die Nächte um die Ohren. So oder so – die Sache mit dem Mitgebsel artet häufig in Stress aus. Und das nicht nur für den Gastgeber. Auch als Gast fragt man sich mitunter: Wohin jetzt mit dem ganzen Zeug?

Von Sophie Hilgenstock

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