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Panorama Höxter: So quälten die Angeklagten ihre Opfer
Nachrichten Panorama Höxter: So quälten die Angeklagten ihre Opfer
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16:07 26.10.2016
Mehrere Frauen sollen Wilfried und Angelika W. misshandelt haben.  Quelle: dpa
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Paderborn/Höxter

 Mit Kontaktanzeigen sollen sie ihre Opfer in ihr Haus nach Höxter gelockt und dort gequält haben. Wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen und mehrfacher Körperverletzung steht in Paderborn ab Mittwoch ein geschiedenes Ehepaar vor dem Landgericht.

Mit schwersten körperlichen Misshandlungen und seelischen Grausamkeiten sollten die Opfer von Wilfried und Angelika W. gefügig gemacht werden, wie Oberstaatsanwalt Ralf Meyer sagte. Über 20 Minuten lang schilderte der Ankläger am Mittwoch, wie die späteren Todesopfer aus Niedersachsen mit Tritten, Schlägen, Verbrühungen und Gift misshandelt worden seien. „Dabei gaukelten die Angeklagten den Frauen zuerst die große Liebe des 46-jährigen Wilfried W. vor, nachdem sie mit Zeitungsanzeigen nach Ostwestfalen gelockt worden waren“, sagte Meyer.

Willen der Opfer systematisch gebrochen

Ziel sei es gewesen, Frauen für W. als Leibeigene für alle Lebenslagen zu bekommen. Den Willen der Frauen sollen die beiden Angeklagten systematisch mit Gewalt gebrochen haben. Dazu ketteten sie sie den Schilderungen zufolge stundenlang an, traten den Frauen die Beine weg oder verbrühten deren Haut. Schlafen mussten sie nachts in der kalten Scheune. Eine der Frauen sei angekettet fast in einer volllaufenden Badewanne ertrunken.

Dem 46 Jahre alten Wilfried W. und seiner ein Jahr älteren Ex-Frau Angelika W. wirft die Staatsanwaltschaft vor, mehrere Frauen schwer misshandelt zu haben. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin soll am ersten Tag zunächst nur die Anklage verlesen werden.

Zwei Frauen aus Niedersachsen starben in Folge der Quälereien, eine weitere Frau entkam. Andere Frauen sollen sie um größere Geldmengen gebracht haben. Die Staatsanwaltschaft geht im Zuge der noch laufenden Ermittlungen insgesamt von mindestens acht Opfern aus. In einem sadistischen Spiel um Macht und Unterwerfung sollen die zu Tode gekommenen Frauen an Heizkörper gekettet, geschlagen und getreten worden sein, wie ein Ermittler berichtete, als die Misshandlungsfälle im Sommer aufflogen.

Niedersächsin stirbt nach Misshandlungen

Damals hatten die beiden Angeklagten die lebensgefährlich verletzte Susanne F. aus Bad Gandersheim zurück nach Niedersachsen bringen wollen. Bei einer Autopanne entschieden sie, den Notarzt zu verständigen. Die Frau starb wenige Stunden später im Krankenhaus. Aufgrund der Verletzungen der Toten nahm die Polizei die Ermittlungen auf.

 Die Angeklagte Angelika W. hatte schließlich detailliert ausgesagt und den weiteren Todesfall aus dem Jahr 2014 gestanden. Die Leiche der 33-Jährigen Annika W. sollen sie erst eingefroren, dann zerstückelt und nach und nach im Ofen verbrannt haben. Am Straßenrand verstreute Überreste suchte die Polizei vergeblich.

Im Mittelpunkt des Prozesses stehen die beiden Todesfälle. Das Gericht wird erhellen müssen, wer der beiden Angeklagten welche Rolle spielte. Wilfried W. schweigt bislang. Sein Anwalt bestritt mehreren Medien gegenüber aber dessen direkte Beteiligung. Die Ex-Frau dagegen belastet ihn mit ihrer Aussage, sie habe auf seine Befehle hin gehandelt. Bislang geht das Gericht davon aus, dass der Prozess mindestens bis Ende März dauern wird.

Fortgesetzt wird der Prozess am 16. November. Angelika W. hat beim Auftakt angekündigt, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Ihr Ex-Mann will eine Stellungnahme von seinem Verteidiger verlesen lassen. In zwei Wochen werden die Gutachter im Mittelpunkt stehen. Bislang fehlt dem Gericht noch die psychiatrische Bewertung von Angelika W. Bei dem vorliegenden Gutachten zu Wilfried W. hat Verteidiger Detlev Binder am Mittwoch Zweifel an der wissenschaftlichen Aussagekraft geäußert und einen neuen Sachverständigen gefordert.

Von RND/dpa

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