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Hollywood: Staatsanwaltschaft, übernehmen Sie!

Panorama Hollywood: Staatsanwaltschaft, übernehmen Sie!

Nach Missbrauchsvorwürfen: Ermittler in Los Angeles bilden Sondereinheit – und Hollywood säubert sein Bildergedächtnis

Kein Platz für Sexisten: Wenn im März 2018 die nächste Oscar-Verleihung anstehen, bleiben manche Plätze frei. Ermittler der Staatsanwaltschaft haben die Arbeit aufgenommen.

Quelle: dpa

Hannover. Mal schauen, wie viele Stammgäste bei der Oscar-Show Anfang März 2018 tatsächlich fehlen werden. Der Platz von Harvey Weinstein bleibt garantiert frei. Den einst mächtigen Produzenten hat die Oscar-Academy aus ihren Reihen ausgeschlossen, nachdem er selbst sexuelle Übergriffe eingestanden hat.

Die Liste der Beschuldigten wird immer länger

Mit dem Erscheinen von Kevin Spacey ist ebenso wenig zu rechnen. Ihn schneidet Regisseur Ridley Scott gerade in einem Brachialakt aus seinem bereits fertigen Film „Alles Geld der Welt“ heraus. Spacey sollte in einer Nebenrolle zu sehen sein und wird nun kurzerhand durch Christopher Plummer ersetzt. Hollywood ist dabei, sein Bildergedächtnis zu säubern – so etwas kannte man sonst nur aus Stalins Reich. Die Produktion der sechsten Staffel von „House of Cards“ mit Superstar Spacey hat Netflix längst auf Eis gelegt.

Gleichzeitig wird die Liste der Beschuldigten immer länger: Produzent Brett Ratner, Regisseur James Toback, Schauspieler Steven Seagal und nun auch Comedian Louis C. K. sind nur einige, die sich darauf wiederfinden. Louis C. K. soll sich nach einem Bericht der „New York Times“ vor Frauen ausgezogen und masturbiert haben.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlerteam gebildet

Ebenso werden die schon vor den Weinstein-Erschütterungen bekannten Altfälle medial noch einmal neu aufgerollt: Schwer vorstellbar, dass Casey Affleck auf die Bühne im Dolby Theatre darf. Als Vorjahressieger („Manchester by the Sea“) wäre es sein Job, die Trophäe an die beste Schauspielerin zu übergeben. Doch gegen ihn läuft bereits eine vieltausendfach unterschriebene Online-Petition, um ihn aus der Veranstaltung zu verbannen. Affleck soll 2010 mehrere Frauen sexuell belästigt haben, es kam zu außergerichtlichen Einigungen.

Ein System ist in Hollywood offenkundig geworden, in dem der Machtmissbrauch gegenüber Frauen – und Männern, siehe Spacey – allseits geduldet worden zu sein scheint. Bislang ist jedoch noch kein einziger potenzieller Täter juristisch zur Rechenschaft gezogen worden. Das könnte sich bald ändern: Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles hat eine Einheit von Sonderermittlern gebildet, um die Vorwürfe zu erhellen. Bei dem Team soll es sich um Spezialisten handeln, die Erfahrung in Fällen von Sexualvergehen haben. Gegen Weinstein sind bereits Ermittlungen aufgenommen worden.

Das Bild der Frau im Hollywoodfilm: Dekoratives Schaustück

Die große Frage bleibt, ob Hollywood in Zeiten genauso schnell aufkochender wie abflauender Erregung tatsächlich eine Zäsur erlebt. Dazu müsste wohl etwas tiefer gebohrt werden, als es die Hollywood-Academy plant: Sie will ihre mehr als 6000 Mitglieder einen Verhaltenskodex unterschreiben lassen. Aber müsste die Academy nicht viel grundlegender das Bild von Frauen hinterfragen, die in vielen Filmen immer noch als dekorative Schaustücke vorgeführt werden? Und wie will man die gesellschaftlichen Vorgaben neu justieren, so lange der mächtigste Mann Amerikas sich ungeschoren als „Pussy-Grabscher“ brüstet?

Nur einen scheinen all die Aufregungen nicht zu scheren, der sich schon lange Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt sieht – wenn auch innerhalb der eigenen Familie: Woody Allen. Seinen neuen Film „Wonder Wheel“ hat er ganz unbeeindruckt abgedreht. Und zur Oscar-Show geht der 81-jährige New Yorker sowieso nie.

Von Stefan Stosch / RND

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