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Panorama „Ich habe den Schmerz runtergespült“
Nachrichten Panorama „Ich habe den Schmerz runtergespült“
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13:17 29.08.2018
Jan Ullrich meldet sich aus einer Entzugsklinik zu Wort. Quelle: Guido Kirchner/dpa
Hannover

Die Haare kurz geschoren, gebräunte Haut, dazu ein sportliches Outfit. Jan Ullrich gibt sich, als sei er im Wellness-Urlaub, inklusive Heilwassertrinken. Dabei ist der ehemalige Radprofi derzeit Patient in der privaten Suchtklinik „My Way Betty Ford Klinik“ im bayrischen Bad Brückenau. In der beschaulichen Mittelgebirgslandschaft will Ullrich nach all den vergangenen Eskapaden seine „Mitte wiederfinden“. Und dazu gehört offenbar auch, dem Sender RTL ein ausführliches Interview im Kurpark zu geben.

Eigentlich, so der 44-Jährige in dem Gespräch, habe er zunächst gar nicht in die Klinik gewollt. Jetzt sei er froh, dort zu sein. Die vergangenen fünf Monate seien die „härtesten seines Lebens gewesen“.

Privat und für Selbstzahler: Die My Way Betty Ford Klinik in Bad Brückenau. Quelle: Foto: dpa

Ullrich hatte zuletzt für reichlich Negativschlagzeilen gesorgt. Auf der spanischen Ferieninsel Mallorca wurde er nach einem Zwischenfall auf dem Grundstück des Schauspielers Til Schweiger zwischenzeitlich verhaftet. Wenige Tage später wurde er in Frankfurt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung an einer Prostituierten vorübergehend festgenommen.

„Ich habe ein bisschen Gas gegeben“

Die Trennung von seiner Frau Sara und den drei Kindern hat ihn aus der Bahn geworfen: „Mein Lieblingsmensch ist aus meinem Herz gesprungen“, sagt er im Interview. Danach habe er seinen Schmerz runtergespült, „ein bisschen Gas gegeben“. Doch von einem handfesten Suchtproblem will der 44-Jährige nicht sprechen. Im Gegenteil: „Ich habe kein jahrelanges Alkoholproblem oder ein Problem mit Substanzen“, sagt er. Er habe in dieser Phase seines Lebens nur zu viel Whisky getrunken: „Diese Situation habe ich dann als starke Persönlichkeit unterschätzt und da habe ich dann natürlich auch etwas tiefer in die Flasche geguckt.“

„Droge ist das falsche Wort“

Und was ist mit anderen Drogen? „Droge ist bei mir das falsche Wort“, sagte Ullrich dem Sender. Wegen einer attestierten ADS-Störung und damit einhergehender Hyperaktivität habe er Amphetamin genommen, um runter zu kommen:„Eine Schlaftablette für einen normalen Menschen, das ist bei mir Amphetamin, das ist genau andersrum“, meint Ullrich.

Um zu zeigen, wie „hervorragend“ es ihm geht, demonstriert der einstige Sportstar ein paar dynamische Liegestütze im Park. Seine Königsdisziplin, das Radfahren, dürfe er wegen seines kaputten Knies nicht mehr. Seit eineinhalb Jahren könne er nicht einmal mehr in der Freizeit aufs Rad steigen.

Die Anschuldigungen gegen ihn seien frei erfunden

Zumindest dem Alkohol und den Zigaretten hat Ullrich offenbar nicht ganz abgeschworen. Man sieht ihn rauchend im Park umherschlendern. Auch wenn er kein Wein und Bier mehr trinke, genehmige er sich ab und an ein Gläschen Whisky – aber nicht alle Tage, sagt Ullrich.

Zu der vermeintlichen Attacke auf eine Escort-Dame ist sich der ehemalige Profisportler offenbar keiner Schuld bewusst. Auf die Frage, ob die Anschuldigungen komplett erfunden seien, antwortete er kurz und knapp mit „Ja“. Dann müsse die Klägerin aber eine sehr gute Schauspielerin sein, stellte der Reporter fest. Daraufhin wiederholte der 44-Jährige sein „Ja“ und nickte bekräftigend mit dem Kopf.

„Ich habe nie einem wehgetan“

Manchmal, so Ullrich, sei er tatsächlich wie ein Wasserkessel, aus dem die Energie herausmüsse. „Die lass ich dann am Boxsack heraus, ich habe nie einem wehgetan.“

Von Heike Manssen/RND

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