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Panorama Kevin Spaceys Kartenhaus wackelt
Nachrichten Panorama Kevin Spaceys Kartenhaus wackelt
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10:33 01.11.2017
Spacey entschuldigt sich für sein Verhalten vor über 30 Jahren. Quelle: WireImage
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New York

Das Timing war tatsächlich unglücklich, für viele gar völlig daneben. Der Schauspieler Kevin Spacey hat sich per Twitter für einen sexuellen Übergriff vor mehr als 30 Jahren entschuldigt und sich gleichzeitig als schwul geoutet. Kein Wunder, dass in der derzeit sehr aufgeheizten Stimmung nach den Weinstein-Enthüllungen großer Wirbel herrscht – insbesondere in der Filmstadt Hollywood. Bei solchen Neuigkeiten gehen die gestern neu erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Produzenten Weinstein eher unter. Doch was war eigentlich geschehen?

Anthony Rapp erhebt schwere Vorwürfe gegen Kevin Spacey. Quelle: InvisionInvision

Angefangen hatte alles mit Vorwürfen von Schauspielerkollege Anthony Rapp, bekannt etwa aus „A Beautiful Mind“. Der hatte den „House of Cards“-Darsteller Spacey beschuldigt, ihn 1986 nach einer Party in seinem Apartment in New York auf sein Bett gelegt zu haben und auf ihn gestiegen zu sein. Er habe sich aus der Umklammerung „herauswinden“ können und die Wohnung verlassen. Anders als bei Weinstein, dem zahlreiche erwachsene Frauen Vergewaltigung und schwere sexuelle Belästigung vorwerfen, war das Opfer erst 14, Spacey dagegen 26 Jahre alt gewesen. Dass der Schauspieler den mutmaßlichen Übergriff zwar als „zutiefst unangemessenes“, aber auch als „betrunkenes Verhalten“ einstufte, machte die Sache nicht besser – ebenso wenig wie die Tatsache, dass er sich an den Vorfall eigener Aussage zufolge überhaupt nicht mehr erinnern kann. Aber dass der 58-jährige Oscarpreisträger ausgerechnet diesen Moment nutzte, um sich als schwul zu outen, brachte das Fass offenbar zum Überlaufen. Kritiker werfen ihm nun eine gezielte Taktik vor, um vom eigentlichen Thema abzulenken.

Der Fokus müsse auf Rapp und damit dem Opfer bleiben, schrieb Sarah Kate Ellis, Präsidentin der LGBT-Organisation GLAAD, auf Twitter. „Kevin Spacey hat gerade etwas erfunden, das vorher nicht existierte: Einen schlechten Zeitpunkt für ein Coming-out“, urteilte der Komiker Billy Eichner.

War es also ein Akt der Verzweiflung oder „ermutigte“ ihn der Vorwurf schlicht dazu, auch „andere Dinge über sein Leben anzusprechen“, wie er selbst schrieb? Was auch immer ihn antrieb: Nur zwölf Stunden nach seinem Statement folgte zunächst ein Paukenschlag aus Los Gatos, Firmensitz des Streaming-Anbieters Netflix. Dessen preisgekrönte Serie „House of Cards“, in der Spacey den skrupellosen Präsidenten Frank Underwood spielt, werde 2018 auslaufen, so eine Netflix-Sprecherin. Die Produktion der letzten Staffel werde ausgesetzt. Die Situation solle überprüft werden, man wolle sich mit allen Sorgen von Schauspielern und Mitarbeitern befassen, erklärten Netflix und die Produktionsfirma Media Rights Capital am Dienstag.

An der Macht: Kevin Spacey in seiner Rolle als Frank Underwood. Quelle: imago/Cinema Publishers Collection

Und schon meldete sich ein weiterer Schauspieler, der behauptet von Spacey belästigt worden zu sein. Der mexikanische Darsteller Roberto Cavazis berichtete davon, wie er während seiner Zeit als künstlerischer Direktor des Londoner Old Vic Theatre unzählige Übergriffe von Spacey über sich habe ergehen lassen. „Viele von uns haben eine „Kevin Spacey Geschichte“. Es brauchte wohl nur einen jungen Mann unter 30, und Herr Spacey fühlte sich frei, uns anzufassen“, schrieb der 35-jährige Cavazos am Montag auf Facebook.

Kim Richards, Chef des Film- und Musikstudios Allied Artists, stand Spacey als einer von wenigen zur Seite: Affekthandlungen unter Alkoholeinfluss seien ein Zeichen für „übermäßige Hingabe“, schrieb er. Die Twitter-Gemeinde kritisierte Richards als „Verteidiger eines Vergewaltigers“, der einen mutmaßlichen Pädophilen in Schutz nehme.

Ist der Stein erst einmal ins Rollen gekommen, rollt er schnell weiter. Laut „Hollywood-Reporter“ soll Spacey schon nicht mehr beim glamourösen AFI-Fest seinen neuen Film „All the Money in the World“ vorstellen dürfen. Und wie „Deadline Hollywood“ zu wissen meint, ist ein weiterer geplanter Film mit Spacey in der Hauptrolle vorerst auf Eis gelegt. Für Diskussionsstoff sorgt dann auch noch die eigene Familie. Nach den Belästigungsvorwürfen offenbart Bruder Randall Fowler in einem Exklusivinterview mit der „Daily Mail“ schreckliche Details aus der Kindheit des Schauspielers. Spaceys älterer Bruder berichtet, er sei, seit er zwölf Jahre alt war, von seinem Vater regelmäßig ausgepeitscht und vergewaltigt worden. Seine Schwester Julie sei geschlagen worden und mit 18 von zu Hause weggerannt. „Kevin hat versucht, alles auszublenden.“ Er habe sich seit seiner Kindheit in sich zurückgezogen als Flucht auf die Probleme. Fowler ist der Meinung, Spacey habe „keine Gefühle“. Er nannte ihn ein „leeres Schiff“, das nie eine Beziehung zu jemandem aufbauen konnte.

Von Heike Manssen/dpa/RND

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