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Panorama Künstlergruppe: Höcke wurde nicht überwacht
Nachrichten Panorama Künstlergruppe: Höcke wurde nicht überwacht
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11:55 01.12.2017
Der Mahnmal-Nachbau ist echt. Die „professionelle Überwachung“ von Höckes Haus (hinten) sei Fake gewesen, sagen die Künstler. Quelle: imago/snapshot
Berlin/Bornhagen

Mit ein paar Kameras, billigen Trenchcoats und geschickt gemachten Internetvideos haben die Kunst-Aktivisten vom Zentrum für politische Schönheit (ZPS) den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke und seine Unterstützer bis hin zum Erfurter Landtagspräsidenten Christian Carius (CDU) in eine Falle gelockt. Das ZPS hatte Höcke nicht nur einen verkleinerten Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals in den Nachbargarten gestellt, sondern auch den Eindruck erweckt, Höcke sei über Monate flächendeckend ausspioniert worden. Höcke nannte das ZPS daraufhin eine „terroristische Vereinigung“, fabulierte darüber, dass man „sofort damit beginnen könnte, Gleiches mit Gleichem zu vergelten“ und zeigte sich tief getroffen von der Vorstellung, dass Bilder von ihm in intimen Situationen entstanden sein könnten. „Wir sind observiert worden mit Methoden, die man als professionell bezeichnen muss“, sagte Höcke.

Carius verteidigte Höcke im Erfurter Landtag. Er sagte: „Das Abhören und Ausspionieren von Abgeordneten und ihren Familien gleicht den Zersetzungsmethoden der Staatssicherheit.“

Doch nun sagt Philipp Ruch, der künstlerische Leiter des ZPS: Alles war nur eine Inszenierung. Die Mikrofone – nie im Einsatz. Die Trenchcoats – von Penny. Die Überwachung mit Teleobjektiven – gestellt. Ja, man sei Höcke vom Landtag in sein Erfurter Hotel nachgefahren und habe dort eine Kamera deponiert – aber nur kurzzeitig. Die Bilder von seinem Urlaubsort gingen auf ein Facebook-Video zurück, das Höcke selber gepostet habe, nach sieben Anrufen bei Hotels habe man dann das Hotel der Familie ausfindig machen können. Das Einzige, was wirklich stimme, sei die Geschichte mit der Papiertonne. Diese habe Höcke mehrere Hundert Meter von seinem Grundstück weggerollt, dann haben die Aktivisten sie ins Auto geladen. Die Tonne sei inzwischen dem Abfallbetrieb zurückgegeben worden, zusammen mit eine Spende von 8,40 Euro für entgangene Wertstoffe. „So hat auch das alles seine gute deutsche Ordnung“, sagt Ruch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Er räumt ein, dass ZPS-Mitglieder vereinzelt Höcke hinterhergefahren seien, zum Beispiel am 20. April. „Wir waren sehr gespannt, zu sehen, was er an Hitlers Geburtstag tut“, sagt Ruch. Aber geheimdienstliche Überwachung? „Dazu hätten uns doch schon ganz einfach die Leute gefehlt“, meint er.

Künstler tun also das, was Künstler tun – sie kostümieren sich und spielen eine Rolle. Die ZPS-Künstler tun darüber hinaus das, was Journalisten tun würden – sie sammeln Informationen und beobachten. Geheimdienst-Methoden aber existieren nur in den Köpfen von Höcke und Carius, sie speisen die AfD-Empörungsmaschine und führen zu Moraldebatten im deutschen Feuilleton. Und das alles ohne Beweise.

Aber ist dieser neuen Volte zu glauben? Der Thüringer AfD-Sprecher Torben Braga hält daran fest: „Björn Höcke wurde überwacht“, sagt er dem RND. „Diese Selbstdarsteller reagieren jetzt nur auf die Kritik der letzten Woche.“ Zum Beweis für die Überwachung verweist er auf das Video des ZPS – und hat die Inszenierung ein weiteres Mal gewirkt. Die Papiertonne aber, die werde noch ein juristisches Nachspiel haben, kündigte Braga an.

Von Jan Sternberg/RND

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