Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Panorama Lange Haftstrafen für Folter-Jugendliche
Nachrichten Panorama Lange Haftstrafen für Folter-Jugendliche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:06 20.12.2016
Das Gericht in Münster hat lange Haftstrafen gegen drei Jugendliche ausgesprochen. Quelle: dpa
Münster

Der Richter sprach von Szenen wie bei einer „Hinrichtung“. Vor sieben Monaten haben drei Teenager aus dem Münsterland einen Auszubildenden fast zu Tode gefoltert. Dafür haben sie nun eine Gefängnisstrafe bekommen. Das Landgericht Münster verhängte Jugendhaftstrafen von bis zu sechs Jahren.

Es war eine Affäre mit beinahe tödlichem Ausgang. Die angeklagte Schülerin (17) hatte sich über das Internet mit einem angehenden Landwirt zu einem Liebesabenteuer verabredet. Alle Details waren vorher genau besprochen worden, das Treffen verlief praktisch nach Drehbuch. Und doch hatte die 17-Jährige ihren mitangeklagten Freunden später erzählt, dass sie vergewaltigt worden sei. In einem Chat hatte sie dazu geschrieben: „Er hat mich gezwungen und mir extra weh getan.“ Die Antwort eines der Angeklagten ließ damals nicht lange auf sich warten: „Wo ist der Bastard. Ich bringe ihn um.“

Racheakt mit Sturmhauben und Pfefferspray

Der 18-Jährige und sein ein Jahr älterer Freund hatten tatsächlich sofort Sturmhauben, Pfefferspray, einen Teleskopschlagstock und ein Cuttermesser gekauft. Kurz vor der Tat hatte einer von ihnen einem Freund diese Worte gepostet: „Ich muss nach Münster, um einen Typen unter die Erde zu bringen.“

Und viel hätte tatsächlich nicht gefehlt. Das Opfer wurde unter dem Vorwand eines weiteren Treffens mit der 17-Jährigen an den Dortmund-Ems-Kanal gelockt, geschlagen, gefesselt, gewürgt und mit dem Messer lebensgefährlich verletzt. Dass der 20-Jährige überlebt hat, ist nur einer Gruppe von Nachtanglern zu verdanken. Sie hatten Schreie gehört und waren zu Hilfe geeilt.

Schnittverletzungen an Hals und Bauch

Als sie auf das Opfer trafen, blutete der 20-Jährige aus schwersten Schnittverletzungen an Hals, Bauch und Unterarm. Am Ende hatte er drei Liter Blut verloren und musste auf dem OP-Tisch wiederbelebt werden.

Dass es die Vergewaltigung gar nicht gegeben hat, haben die beiden 18 und 19 Jahre alten Freunde erst im Prozess erfahren. Bis dahin hatte die 17-Jährige die Lüge aufrecht erhalten. Warum die Tat, die anfangs als Abreibung geplant war, so völlig eskaliert ist, ist unklar. Auch die Angeklagten hatte dafür keine Erklärung.

Täter bitten Opfer um Vergebung

Kurz vor der Urteilsverkündung hatten sie sich noch einmal persönlich an ihr Opfer gewandt. „Ich kann es nicht fassen, dass es so weit gekommen ist“, sagte die 17-Jährige, die mit sechs Jahren Jugendhaft die höchste Strafe bekommt. Ihr 18-jähriger Ex-Freund, der zu fünf Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt wird, bat das Opfer und dessen Familie um Vergebung. „Sonst kann ich mir selbst nicht vergeben“, sagte er am Dienstag. Der 19-Jährige, gegen den vier Jahre und neun Monate Jugendhaft verhängt werden, sagte nur drei Worte: „Ich schäme mich.“

Das Urteil lautet auf versuchten Totschlag, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie auf Freiheitsberaubung. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar bis zu siebeneinhalb Jahre Jugendhaft wegen Mordversuchs beantragt. Die Verteidiger haben bereits angekündigt, dass sie Revision einlegen wollen. Sie hatten deutlich mildere Strafen beantragt.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Überfall auf einen Wiesbadener Kiosk endet tödlich: Ein unbekannter Täter hat die 59-jährige Betreiberin erschossen. Die Fahndung läuft mit Hochdruck.

20.12.2016

Ein Überfall auf einen Wiesbadener Kiosk endet tödlich: Ein unbekannter Täter hat die 59-jährige Betreiberin erschossen. Die Fahndung läuft mit Hochdruck.

20.12.2016

Die Nachricht vom Terroranschlag erreicht die Künstler, die in Berlin auf der Bühne stehen, mitten in der Show. Darf man angesichts der Toten weitermachen, als wäre nichts geschehen? Jan Böhmermann und Oliver Kalkofe sind unterschiedlicher Meinung.

20.12.2016