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Online-Petition entfacht Debatte über Bundesjugendspiele

Gesellschaft Online-Petition entfacht Debatte über Bundesjugendspiele

Der Online-Protest einer Mutter gegen die traditionsreichen Bundesjugendspiele hat eine breite Debatte ausgelöst. Die Organisatoren verwahrten sich gegen Änderungen, auch weil das Konzept der Schulsport-Wettbewerbe erst 2001 überarbeitet worden sei.

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Anregender spielerischer Wettbewerb oder demütigender Konkurrenzkampf? Die Meinungen über die Bundesjugendspiele gehen auseinander.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Konstanz/Berlin. Im Internet unterstützten bis Freitag mehr als 12 000 Menschen die Petition von Christine Finke aus Konstanz für eine Abschaffung der Bundesjugendspiele.

Die 49-jährige dreifache Mutter aus Baden-Württemberg hatte am Sonntag ihre Forderung ins Internet gestellt: Die Bundesjugendspiele seien unter anderem wegen des Leistungsdrucks aus der Zeit gefallen, unsportlichere Schüler würden vor ihren Klassenkameraden gedemütigt.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) sieht allerdings keinen Anlass, die 1951 eingeführten Schulwettbewerbe abzuschaffen oder auch nur die Teilnahme auf Freiwilligkeit umzustellen. Schon seit 15 Jahren könnten die Bundesjugendspiele "nicht mehr nur als "Wettkampf", sondern auch als spielerischer "Wettbewerb" und als vielseitiger "Mehrkampf" durchgeführt werden", sagte ein KMK-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Den Spaßfaktor betonte auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD): Die Bundesjugendspiele sollten "Lust auf Sport und Bewegung machen und nicht Leistungsdruck erzeugen. Ziel muss es sein, alle Schülerinnen und Schüler zu erreichen, insbesondere die, für die der Sport kein Lieblingsfach ist."

Die Deutsche Sportjugend sieht Schulen in der Pflicht, Demütigungen zu verhindern. "Durch ein Training im Sportunterricht lernen Schülerinnen und Schüler, dass man die eigene sportliche Leistung verbessern kann, und gewinnen Erfolgserlebnisse. Der faire Umgang miteinander kann hier ebenso trainiert werden."

Der Deutsche Philologenverband bezeichnete den Ruf nach Abschaffung als "kurzsichtig" und "albern". Er sei "auch gesundheitspolitisch falsch, weil es einer der wenigen Wettbewerbe ist, der noch zu sportlicher Bewegung anhält", sagte der Chef der Lehrergewerkschaft, Heinz-Peter Meidinger. Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann: "Diese Veranstaltungen abzuschaffen, nur weil nicht jeder der Beste sein kann, halte ich für den falschen Weg." Völlige Gerechtigkeit in der Schule bekomme man nunmal "weder über Noten noch über ein Punktesystem bei Bundesjugendspielen".

Finke hatte die Online-Petition eigenen Angaben zufolge initiiert, nachdem ihr neunjähriger Sohn nach den Bundesjugendspielen an seiner Schule geknickt nach Hause gekommen war. Da sie mittlerweile sogar mit Gewalt bedroht werde, überlege sie, die Polizei einzuschalten und sich aus der Debatte zunächst zurückzuziehen. Dennoch hoffe sie, dass die Spiele reformiert werden und die Schüler irgendwann freiwillig entscheiden können, ob sie teilnehmen wollen.

dpa

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