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Panorama Passanten lassen querschnittsgelähmten Mann liegen
Nachrichten Panorama Passanten lassen querschnittsgelähmten Mann liegen
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19:00 24.11.2016
„Ich lag auf dem Rücken wie ein Käfer“ – trotzdem seien mindestens zehn Menschen an ihm vorbeigegangen, ohne ihm zu helfen, sagt Ralf Bockstedte. Quelle: Roland Weihrauch
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Essen

Der 44 Jahre alte Ralf Bockstedte berichtete, dass er am Dienstagabend in Essen nach dem Aussteigen aus seinem Auto ausgerutscht sei. „Ich lag auf dem Rücken wie ein Käfer – in Anzug und Krawatte. Der Rollstuhl stand so halb daneben. Dieses Bild war optisch für jedermann eindeutig.“ Er habe gerufen und um Hilfe gebeten. Mindestens zehn Menschen seien jedoch vorbeigegangen.

Zwei junge Leute hätten nur auf ihr Smartphone geschaut. Andere hätten ihn kurz angesehen, sich dann aber „wie peinlich berührt“ abgewendet, sagte Bockstedte der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. „Dabei sah ich ja nicht abschreckend aus: Ich trug Anzug, war nicht alkoholisiert. Und man konnte meinen Rollstuhl sehen.“

Nach etwa zwei Minuten sei eine Frau aus einem Haus in der Nähe gekommen – offenbar hatte sie seine Rufe gehört – und habe ihm zusammen mit einem Mann geholfen. Verletzt worden sei er nicht. Eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung wolle er nicht erstatten, weil die Passanten nicht ausfindig zu machen seien.

„Es ist schockierend, dass die Leute weggucken“

Erst vor wenigen Wochen hatte der Fall eines zusammengebrochenen 82-Jährigen in einer Essener Bankfiliale bundesweit für Entsetzen gesorgt. Er hatte 20 Minuten lang keine Hilfe bekommen, obwohl ihn mehrere Menschen gesehen hatten. Der Mann starb später im Krankenhaus. Gegen vier Menschen wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

„Es ist schockierend, dass die Leute weggucken und sich nicht um ihre Mitmenschen kümmern“, sagte Christoph Wickhorst von der Polizei Essen. „Es kann nicht sein, dass die Leute alle mit Scheuklappen durch die Welt gehen.“

Was soll er seiner Tochter beibringen?

Bockstedte äußerte sich auch zwei Tage nach dem Vorfall immer noch entsetzt. „Es ist einfach erschreckend, was in der Gesellschaft offenkundig passiert. Ich habe eine siebenjährige Tochter und wir bringen ihr bei: Wenn irgendetwas passiert, bitte sprich die Leute an. Und dann passiert so etwas.“ Sein Vertrauen in diesen Ratschlag sei nun erschüttert.

Er appellierte an die Menschen: „Beschäftigt Euch nicht nur mit Euch oder Euren Smartphones, sonst bleibt die Mitmenschlichkeit auf der Strecke.“

Von dpa/RND/wer

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